Figure AI: 250.000 Pakete in 200 Stunden – Humanoid besteht Härtetest
24.05.2026 - 17:00:32 | boerse-global.deDas Unternehmen ließ seinen humanoiden Roboter F.03, genannt „Rose“, in einem 200-stündigen Dauerlauf fast eine Viertelmillion Pakete verarbeiten – ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Der Test unterstreicht, wie nah humanoide Systeme der menschlichen Produktivität in Hochgeschwindigkeitslagern bereits gekommen sind.
Der direkte Vergleich: Mensch gegen Maschine
Bereits am 18. Mai hatte Figure AI einen bemerkenswerten Wettbewerb inszeniert: ein zehnstündiges Sortier-Duell zwischen einem Menschen und der F.03. Der menschliche Teilnehmer Aimé Gérard sortierte 12.924 Pakete, der Roboter kam auf 12.732. Der Mensch lag mit durchschnittlich 2,79 Sekunden pro Paket knapp vor dem Roboter (2,83 Sekunden). Bei Figure AI sieht man darin die letzten Zuckungen menschlicher Überlegenheit bei repetitiven Sortieraufgaben.
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Der eigentlich auf acht Stunden angelegte Dauerlauf wurde kurzerhand auf 200 Stunden verlängert – um die Ausdauer des Steuerungssystems Helix-02 und die Fähigkeit des Roboters zur autonomen Fehlerkorrektur unter Beweis zu stellen. Das Ergebnis: 249.560 Pakete, verarbeitet mit einer konstanten Rate von rund 1.245 Einheiten pro Stunde. Branchenanalysten sprechen von „nahezu menschlichem Tempo“.
Technik, die Maßstäbe setzt
Die technischen Neuerungen der F.03 können sich sehen lassen: kabelloses Laden und Edge-Computing auf dem Nvidia Jetson AGX Thor ermöglichen Echtzeit-Entscheidungen ohne menschlichen Eingriff. Der Roboter navigiert selbstständig durch das variable Chaos eines Lagers.
Diese Technologie ist kein Laborprodukt mehr. Seit elf Monaten arbeiten Figure-AI-Roboter in einer BMW-Fabrik in South Carolina und haben dort bereits über 30.000 Fahrzeuge montiert – mit mehr als 90.000 Einzelteilen.
Das 2022 von Brett Adcock gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Sunnyvale, Kalifornien, wird inzwischen auf rund 39 Milliarden Euro geschätzt. Zu den Investoren zählen Microsoft, OpenAI, Nvidia, Jeff Bezos und Intel Capital. In der firmeneigenen „BotQ“-Fabrik läuft die Produktion hoch: aktuell ein Roboter alle 90 Minuten, die Jahreskapazität liegt bei 12.000 Einheiten.
Internationale Konkurrenz schläft nicht
Während Figure AI den nordamerikanischen Markt im Visier hat, treiben andere Hersteller die massenproduktion voran. In China hat EngineAI in Shenzhen eine 12.000 Quadratmeter große Fabrik für den humanoiden T800 eröffnet. Der 1,73 Meter große und 75 Kilo schwere Roboter verfügt über 29 Freiheitsgrade und wird mit Festkörperbatterien betrieben. Das Ziel: 10.000 Einheiten pro Jahr zu einem Preis von umgerechnet rund 23.000 Euro – gezielt für kleine und mittlere Unternehmen.
Auch Indien mischt kräftig mit. Saheli Robotics hat am heutigen Sonntag die Preise für seinen humanoiden Roboter Saheli-1 bekannt gegeben – 40 Prozent günstiger als internationale Konkurrenzprodukte. Ein Konsortium indischer Firmen präsentierte zudem einen Prototyp für die Fertigungsindustrie, der zwischen 23.000 und 28.000 Euro kosten soll. Erste Pilotprojekte mit Autobauern in Tamil Nadu und Maharashtra sind geplant.
Vom Fließband bis ins Weltall
Die humanoide Robotik erobert zunehmend spezialisierte Einsatzbereiche. Die Schweizer ETH ORBIT Robotics enthüllte am 21. Mai „Helios“ – einen vierarmigen Humanoiden für Weltraummissionen. Der Hintergrund: Astronautenzeit im Orbit kostet umgerechnet rund 130.000 Euro pro Stunde. Helios soll mit einem sehnengetriebenen Leichtbausystem Wartungs- und Entladeaufgaben übernehmen.
UBTECH Robotics wiederum bereitet den Marktstart des Walker C1 vor – einem Modell für den öffentlichen Raum, das Ende Juni auf der China International Supply Chain Expo in Peking debütieren soll. Anders als seine industriellen Geschwister kann der Walker C1 komplexe Bewegungen wie Ballett ausführen. UBTECH produzierte 2025 bereits über 1.000 Industrie-Humanoide und sicherte sich Aufträge von Airbus und Texas Instruments im Wert von über 185 Millionen Euro.
Und dann ist da noch Unitree Robotics: Der GD01, offiziell am 23. Mai vorgestellt, ist ein 500 Kilo schwerer „Mecha“ mit Pilotenkabine. Das Besondere: Er kann zwischen zweibeinigem Gehen und vierbeiniger Fortbewegung wechseln – gedacht für Sicherheitsaufgaben, Forschung und Schwerindustrie.
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Die Kehrseite der Medaille: Infrastrukturprobleme
So rasant die Fortschritte bei humanoiden Robotern sind – die autonome Technik insgesamt kämpft weiter mit Umwelt- und Infrastrukturhürden. Ein Beispiel: Am 22. Mai setzte Waymo, Pionier bei autonomen Fahrzeugen, seinen Autobahnbetrieb in den gesamten USA aus. Grund waren Softwareprobleme in Baustellen und ein Rückruf von rund 3.800 Fahrzeugen, nachdem Robotaxis in überflutete Straßen gefahren waren.
Dieser Rückschlag zeigt, warum Zuverlässigkeitstests für humanoide Entwickler oberste Priorität haben. Figure AI baut sein Mechatronik-Team in San Jose aus und sucht gezielt Ingenieure für Zuverlässigkeitstests, um die Lebensdauer der Hardware zu validieren.
Marktaussichten: Billionen-Markt in Sicht
Die Analysten von Goldman Sachs prognostizieren dem globalen Markt für humanoid Roboter ein Volumen von umgerechnet rund 1,4 Billionen Euro bis 2035. Allein der chinesische Markt soll bis Ende 2026 die Marke von 26 Milliarden Euro überschreiten. Der Treiber: ein gewaltiger Arbeitskräftemangel. Allein in den USA werden bis 2033 rund 3,8 Millionen neue Arbeitskräfte benötigt – eine Lücke, die viele Hersteller mit humanoiden Plattformen schließen wollen.
Ausblick: Vom Prototyp zum Drei-Schicht-Betrieb
Der erfolgreiche 200-Stunden-Lauf der F.03 deutet darauf hin, dass die Hardware die Haltbarkeitsstandards für den Drei-Schicht-Betrieb in Fabriken erreicht. In den kommenden Monaten werden die ersten Ergebnisse groß angelegter Pilotprogramme in der Auto- und Luftfahrtindustrie erwartet.
Mit Produktionskosten, die bei Einstiegsmodellen auf die 23.000-Euro-Schwelle zusteuern, und der Integration multimodaler KI-Modelle bewegen sich humanoide Roboter vom Status der Labor-Kuriosität zum unverzichtbaren Bestandteil der globalen Lieferkette. Der für Ende Juni geplante Marktstart urbaner Modelle wird zeigen, ob die Maschinen den Schritt von der kontrollierten Fabrikhalle in die Komplexität des öffentlichen Raums schaffen.
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