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Figure AI: 249.560 Pakete in 200 Stunden ohne Ausfall

27.05.2026 - 12:24:32 | boerse-global.de

Figure AI und Hyundai treiben mit Millionenaufträgen und erfolgreichen Dauertests den Einsatz humanoider Roboter in der Logistik voran.

Figure AI: 249.560 Pakete in 200 Stunden ohne Ausfall - Foto: über boerse-global.de
Figure AI: 249.560 Pakete in 200 Stunden ohne Ausfall - Foto: über boerse-global.de

Gleich mehrere Großaufträge und erfolgreiche Dauertests markieren den Übergang von der Experimentierphase zur industriellen Anwendung.

Figure AI schließt Großauftrag mit Modekonzern ab

Der US-Roboterhersteller Figure AI hat am Mittwoch einen bedeutenden Vertrag mit Catalyst Brands unterzeichnet. Der Konzern, zu dem Marken wie JCPenney, Aéropostale und Brooks Brothers gehören, will die humanoiden Roboter in seinem Logistikzentrum in Reno, Nevada, einsetzen. Die Anlage wurde bereits 2024 für umgerechnet rund 37 Millionen Euro modernisiert.

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Die Roboter vom Typ Figure 03 sollen dort künftig repetitive Sortier- und Verpackungsaufgaben übernehmen. Sie arbeiten parallel zum bestehenden „Joey Pouch"-Sortiersystem – ohne dass dafür aufwendige Umbauten nötig wären. Das Unternehmen hat seine Produktion massiv hochgefahren: Statt einem Roboter pro Tag verlässt nun stündlich ein Gerät das Werk. Insgesamt wurden bereits über 350 Einheiten und 9.000 Aktuatoren gefertigt.

Finanziert wird die Expansion durch eine Kapitalspritze von umgerechnet rund 630 Millionen Euro im Jahr 2024. Zu den Investoren zählen OpenAI, Microsoft, Nvidia und Jeff Bezos. Die genauen Vertragsdetails mit Catalyst Brands blieben zwar unter Verschluss – der Deal setzt aber ein klares Zeichen für die Zukunft der Logistik.

200 Stunden Dauerlauf ohne Ausfall

Parallel zum kommerziellen Erfolg stellte Figure AI die Zuverlässigkeit seiner Technik unter Beweis. In einem 200-stündigen Dauer-Livestream Ende Mai verarbeitete eine Roboterflotte in Sunnyvale, Kalifornien, 249.560 Pakete – ohne einen einzigen Hardware-Ausfall. Die Roboter mit den Namen Bob, Jim und Rose arbeiteten im Schichtbetrieb.

Die Sortiergeschwindigkeit lag bei 2,88 bis 3 Sekunden pro Paket – ein Wert, der laut Branchenexperten nahe an menschlicher Leistung liegt. Möglich macht dies das KI-Modell Helix-02, das Wahrnehmung, Tastsinn und Bewegung steuert. Ein besonderes Detail: Die Roboter laden kabellos über ihre Füße auf, während ein anderer Roboter nahtlos die Arbeit übernimmt.

Der Figure 03 ist 1,73 Meter groß und wiegt 61 Kilogramm. Im Test zeigte sich eine um 25 Prozent geringere Latenz sowie ein um 60 Prozent erweitertes Sichtfeld. Mit einem Stückpreis von umgerechnet rund 23.000 Euro peilt Figure AI eine Produktionskapazität von 100.000 Einheiten pro Jahr bis 2030 an.

Hyundai baut Produktionsinfrastruktur auf

Während Figure AI auf den direkten Vertrieb setzt, verfolgt der Hyundai Motor Group einen anderen Ansatz. Der südkoreanische Autoriese hat zwei neue Einheiten gegründet: eine Software-definierte Fabrik (SDF) und ein Einkaufsbüro für Roboterteile. Ziel ist es, 25.000 Roboter in den Werken von Hyundai und Kia einzusetzen.

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Im Fokus steht der Atlas-Roboter von Boston Dynamics, der zu Hyundai gehört. Bis 2028 sollen 30.000 Einheiten pro Jahr vom Band laufen. Erste Einsätze sind für 2028 im Metaplant America in Georgia geplant, wo die Roboter Teile anliefern sollen. Ab 2030 sollen sie dann komplette Montageaufgaben übernehmen. Hyundai Mobis, der Zulieferer des Konzerns, soll bereits sechs Schlüsselkomponenten in Serie produzieren.

Zudem erwägt der Konzern den Bau eines eigenen Aktuator-Werks in den USA mit einer Kapazität von 350.000 Einheiten pro Jahr. Die Strategie: Eine flexible Produktionsumgebung schaffen, in der Roboter je nach Bedarf zwischen Standorten in Indien und Korea verschoben werden können.

Schwerindustrie und Europa ziehen nach

Auch in der Schwerindustrie zeichnet sich ein Wandel ab. Der südkoreanische Stahlriese POSCO hat eine Absichtserklärung mit Persona AI unterzeichnet. Ab Anfang 2027 sollen humanoide Roboter beim Transport von 20 bis 40 Tonnen schweren Stahlcoils helfen. POSCO investierte bereits 2025 umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro in das Unternehmen.

In Europa geht das britische Startup Humanoid mit Bosch in Serie. Nach erfolgreichen Tests im März 2026 im badischen Bühl wird Bosch als Auftragsfertiger für den HMND 01 einspringen. Das Modell gibt es in zwei Varianten: eine zweibeinige Version mit 1,78 Metern Höhe für vielseitige Bewegungen und eine größere, rollende Version mit 2,21 Metern für schwere Lasten bis 300 Kilogramm. Angetrieben werden beide von der KI-Plattform KinetIQ.

Vom Laufkünstler zum Dauerarbeiter

Die aktuellen Entwicklungen zeigen einen grundlegenden Wandel: Die Frage ist nicht mehr, ob Roboter laufen können – sondern ob sie 200 Stunden am Stück arbeiten können. Die Strategien der Hersteller unterscheiden sich dabei deutlich. Figure AI setzt auf ein günstiges Direktmodell für den Handel, Hyundai nutzt seine Automobilkompetenz für eine vertikal integrierte Lieferkette.

Der Erfolg wird laut Branchenbeobachtern vor allem davon abhängen, ob KI-Modelle wie Helix-02 und KinetIQ mit unerwarteten Situationen klarkommen – ohne menschliches Eingreifen. Die Fähigkeit zur Selbstkorrektur und zum eigenständigen Ansteuern der Wartungsstation ist für den 24-Stunden-Betrieb entscheidend.

Mit Produktionspartnern wie Bosch und Hyundai Mobis zeichnet sich ab: Die Lieferkette für Spezialkomponenten wie Hochleistungsaktuatoren erreicht endlich das industrielle Niveau, das für fünfstellige Stückzahlen nötig ist. Sollte sich die Zuverlässigkeit der jüngsten Tests in anderen Branchen bestätigen, könnten humanoide Roboter schon bald zum Standard in der industriellen Logistik werden – kein futuristisches Experiment mehr, sondern schlichte Notwendigkeit für wettbewerbsfähige Produktion.

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