Fideuram-Betrug, KI-Stimmen

Fideuram-Betrug: KI-Stimmen und WhatsApp-Nachricht lösen 95 Millionen Euro aus

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 21:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ermittler holten rund 53 Millionen Euro zurück; 36 bis 39,5 Millionen Euro bleiben laut Schätzungen unauffindbar.

Fideuram-Betrug: KI-Täuschung löst Überweisungen über 95 Millionen Euro aus
Ein minimalistischer, modern gestalteter Bankflur mit polierten Steinböden und reflektierenden Wänden in einer sterilen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Berichte über einen großangelegten Betrugsfall bei Fideuram, der Privatkundensparte der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo, sorgen derzeit für Aufsehen in der Finanzbranche.

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Messenger-Diensten gelang es Tätern, Überweisungen in einer Gesamthöhe von rund 95 Millionen Euro zu veranlassen. Aktuelle Informationen zum Stand der Ermittlungen und zur teilweisen Rückführung der Gelder verdeutlichen das Ausmaß und die technologische Raffinesse des Angriffs.

Täuschung durch geklonte Stimmen und Messenger-Nachrichten

Der Betrug basierte laut Medienberichten auf einer mehrstufigen Täuschung des damaligen Fideuram-Vorsitzenden Paolo Molesini. Die Täter nutzten eine gefälschte WhatsApp-Nachricht, die den Anschein erweckte, vom Intesa-Sanpaolo-CEO Carlo Messina zu stammen.

In der Nachricht wurde eine angebliche Auslandsübernahme angedeutet. Zur Bestätigung dieses Vorhabens folgte ein Telefonat, bei dem die Stimme eines bekannten Anwalts mittels künstlicher Intelligenz täuschend echt nachgeahmt wurde.

Im Vertrauen auf die Echtheit dieser Anweisungen veranlasste Molesini Überweisungen von insgesamt fast 95 Millionen Euro. Die Gelder flossen vor allem auf Auslandskonten, unter anderem in China und Hongkong. Ein wesentlicher Teil dieser Summen wurde nach dem Transfer in Kryptowährungen umgewandelt, um die weitere Verfolgung zu erschweren.

Ermittlungserfolge und verbleibende Millionenschäden

In Zusammenarbeit mit Behörden in China, Portugal und Italien konnten Ermittler bereits erhebliche Teile der Beute sicherstellen. Berichten zufolge wurden rund 53 Millionen Euro zurückgeholt. Konkret sollen etwa 42 Millionen Euro auf chinesischen Konten von Fideuram blockiert und anschließend zurückgegeben worden sein. Weitere mehr als 13 Millionen Euro wurden in Portugal eingefroren.

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Dennoch bleibt ein erheblicher Teil des Geldes vermisst. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 36 Millionen Euro und 39,5 Millionen Euro weiterhin nicht auffindbar sind. Im Halbjahresbericht zum 30. Juni 2026 verbuchte Fideuram bereits 38 Millionen Euro als nicht betriebsbedingte Aufwendungen, wobei dieser Betrag im Dokument nicht explizit als Verlust aus diesem Betrugsfall deklariert wurde.

Personelle Konsequenzen und strafrechtliche Verfolgung

Der Vorfall blieb für die Führungsebene nicht folgenlos. Paolo Molesini trat am 12. März 2026 von seinem Posten als Vorsitzender zurück. Laut Insiderquellen richteten sich die Ermittlungen jedoch nicht gegen Molesini oder andere Führungskräfte der Bank. Stattdessen konzentriert sich die Staatsanwaltschaft Mailand auf eine mutmaßliche kriminelle Vereinigung.

Im Fokus der Ermittlungen steht unter anderem ein 48-jähriger israelischer Informatiker, der als mutmaßliches Bandenmitglied geführt wird. Gegen einen weiteren Tatverdächtigen, einen außerhalb Europas lebenden Ausländer, wird wegen Computerbetrugs ermittelt.

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Intesa Sanpaolo betont Sicherheit der IT-Systeme

Das Mutterinstitut Intesa Sanpaolo stellte klar, dass die internen IT-Systeme der Bank zu keinem Zeitpunkt gehackt wurden. Der Erfolg des Betrugs basierte demnach rein auf dem Social-Engineering-Ansatz unter Zuhilfenahme von KI-Technologien.

Die Bank verwies zudem auf die generelle Bedrohungslage durch digitale Fälschungen. Seit Beginn des Jahres habe man rund 5.000 KI-generierte Fake-Videos identifiziert und entfernt, die den Namen oder das Bild von CEO Carlo Messina missbrauchten. Der aktuelle Fall unterstreicht die wachsende Gefahr, die von hochgradig manipulierten audiovisuellen Inhalten für die Entscheidungsträger in globalen Finanzunternehmen ausgeht.

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