Fideuram-Betrug: KI-Stimme verleitet Bankchef zu Überweisungen über 95 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein ausgeklügelter Fall von digitalem Betrug beschäftigt die Justizbehörden in Italien: Bei der Privatbanking-Sparte Fideuram des italienischen Finanzkonzerns Intesa Sanpaolo wurden im Rahmen eines Täuschungsmanövers Überweisungen in Höhe von rund 95 Millionen Euro veranlasst.
Die Summe entspricht 108 Millionen US-Dollar. Im Zentrum des Vorgangs steht der damalige Fideuram-Verwaltungsratschef Paolo Molesini, der durch gefälschte digitale Identitäten zur Freigabe der Gelder verleitet wurde.
Gefälschte Kurznachricht und manipulierte Telefonate
Die Täuschung nahm im Februar 2026 ihren Anfang. Molesini erhielt zunächst eine manipulierte WhatsApp-Nachricht, die den Anschein erweckte, direkt von Carlo Messina, dem Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft Intesa Sanpaolo, zu stammen. Darin wurde um eine dringende internationale Transaktion gebeten.
Um die Legitimität des Vorgangs vorzutäuschen, folgte ein Telefonanruf. Bei diesem Gespräch wurde mittels künstlicher Intelligenz die Stimme eines hochrangigen Vertreters einer großen internationalen Anwaltskanzlei reproduziert. Auf diesem Weg wurde die geforderte Transaktion bestätigt. Infolgedessen wies Molesini die Überweisungen in zweistelliger Millionenhöhe an, die hauptsächlich auf ausländische Konten in China und Hongkong flossen.
Ermittlungen der Justiz und Teilrückholung der Gelder
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Die Staatsanwaltschaft Mailand ermittelt in dem Fall wegen Computerbetrugs. Das Verfahren richtet sich gegen eine im nichteuropäischen Ausland lebende Person. Gegen Paolo Molesini sowie gegen weitere amtierende oder ehemalige Direktoren von Fideuram wird nach behördlichen Angaben nicht ermittelt. Molesini selbst trat im März 2026 von seinem Amt als Verwaltungsratschef zurück, wobei als Begründung persönliche Motive angeführt wurden.
Ein erheblicher Teil der abgeflossenen Gelder konnte mittlerweile gesichert werden. Durch die Zusammenarbeit von Ermittlungsbehörden aus China, Portugal und Italien wurden rund 53 Millionen Euro und damit mehr als die Hälfte der Schadenssumme wiederbeschafft.
Hinsichtlich des verbleibenden Schadens weichen die Angaben leicht voneinander ab: Berichten zufolge fehlen weiterhin rund 36 Millionen Euro, die über Konten im Ausland in Kryptowährungen transferiert wurden. Eine andere Schilderung beziffert den Betrag der bisher nicht wiedererlangten Mittel auf rund 42 Millionen Euro.
Zunehmende Fälle von digitaler Täuschung
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Methoden, bei denen Vorstandsmitglieder oder offizielle Stellen digital imitiert werden, stellen Finanzinstitute zunehmend vor Herausforderungen. Ein thematisch ähnlicher Vorfall ereignete sich im Vorjahr in Italien: Damals imitierten Kriminelle per künstlicher Intelligenz die Stimme eines italienischen Ministers und überzeugten den Geschäftsmann Massimo Moratti zu einer Überweisung von fast einer Million Euro. Dieser Betrag konnte nach dem Eingreifen der Behörden vollständig wiederbeschafft werden.
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