Fibromyalgie: Neuromodulationsanzug lindert Schmerzen bei 78 Prozent
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Fibromyalgie steht vor einem Wandel. Da die chronische Schmerzerkrankung medikamentös oft nur schwer zu kontrollieren ist, rücken medizintechnische Verfahren verstärkt in den Fokus. Neue klinische Daten zu einem Neuromodulationsanzug des Medizintechnikunternehmens Ottobock liefern nun vielversprechende Hinweise auf nichtmedikamentöse Linderungsmöglichkeiten für Betroffene.
Deutliche Linderung durch Neuromodulationsanzug von Ottobock
In einer klinischen Untersuchung zum Neuromodulationsanzug Exopulse Mollii Suit von Ottobock zeigten 78 % der Probanden nach vier Wochen täglichen Tragens eine deutliche Besserung des klinischen Gesamteindrucks. Die Schmerzintensität sank signifikant um bis zu 25 %. Darüber hinaus verbesserten sich Energie, Beweglichkeit und Stimmung der Patienten spürbar.
Das System ist nicht auf dieses Krankheitsbild beschränkt: Der Exopulse Mollii Suit lässt sich auch bei Multipler Sklerose, Zerebralparese oder nach Schlaganfällen anwenden. Für Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen eröffnet die gezielte Stimulation neue Möglichkeiten im Alltag.
Herausforderungen bei Diagnose und Versorgung
Fibromyalgie stellt das Gesundheitssystem seit langem vor Herausforderungen. Laut Schätzungen sind in Deutschland rund 3 % der Bevölkerung betroffen, andere Angaben beziffern den Anteil auf 2 bis 6 Prozent der Bevölkerung, wobei deutlich mehr Frauen als Männer erkranken. In Frankreich liegt der Anteil laut Berichten bei knapp 2 % der Bevölkerung.
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Die Krankheit ist multifaktoriell bedingt, wobei Umweltfaktoren eine zentrale Rolle spielen. Obwohl sie von der Weltgesundheitsorganisation als eigenständige Pathologie anerkannt ist, dauert es teils bis zu 16 Jahre bis zur Diagnose. Die Symptome umfassen diffuse Schmerzen, starke Fatigue sowie teils Angst, Depression und Schlafstörungen.
Da Blutbilder und klinische Untersuchungen oft ohne Befund bleiben, stoßen Patienten immer wieder auf Vorbehalte in der Ärzteschaft; dieser sogenannte Fibroskeptizismus wird unter anderem als generationenbedingt beschrieben und betrifft vor allem ältere Mediziner ohne Schmerzausbildung.
Fortschritte in Bildgebung und Genetik
Parallel zu den Fortschritten bei Therapieverfahren liefert die Grundlagenforschung ein besseres Verständnis der biologischen Mechanismen. Forscher der University of Colorado Boulder untersuchten per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) die Hirnaktivität von 37 Fibromyalgie-Patienten und 35 Kontrollpersonen unter verschiedenen optischen, akustischen, taktilen und schmerzhaften Reizen ohne eigene Schmerzangabe.
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Die Hauptautorin Marina López-Solà berichtete über Hirnaktivitätsmuster, die direkt mit Schmerzüberempfindlichkeit zusammenhängen und bei gesunden Kontrollpersonen nicht auftreten. Die fMRI-Methode könnte künftig bei der Diagnose und der Identifikation von Patientensubtypen helfen, wenngleich weitere Forschung nötig bleibt.
Zudem identifizierte eine in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichte genetische Studie 26 Genvarianten, die mit der Erkrankung assoziiert sind, was die organische Basis des Syndroms weiter untermauert.
Vielfältige Therapieansätze in Entwicklung
Neben dem Ganzkörperansatz von Ottobock etablieren sich weitere Neuromodulationsmethoden. Das 2016 im französischen Département Isère gegründete Unternehmen Remedee Labs hat die Vermarktung seiner Armbänder gegen chronische Schmerzen in Belgien und Luxemburg gestartet. Das System kombiniert eine nichtmedikamentöse Neuromodulation mittels Millimeterwellen mit personalisiertem Coaching.
Die Produktlösung FibroRem für Fibromyalgie erhielt 2024 die CE-Kennzeichnung, gefolgt von NoviRem für Arthrose im Jahr 2025. Nach Angaben von Mitgründer und Geschäftsführer David Crouzier wurden in Frankreich bereits über 16.000 Patienten begleitet, schwerpunktmäßig in der Region Isère und im Norden des Landes.
Auf pharmazeutischer Ebene verlaufen Entwicklungen hingegen oft komplexer. Das Pharmaunternehmen Ono Pharma prüfte den oralen Endocannabinoid-Modulator ONO-1110 in fünf randomisierten, placebokontrollierten Phase-2-Studien in Japan.
Bei Fibromyalgie (Studie ONO-1110-05 mit einer Zielrekrutierung von 160 Patienten) sowie bei postzosterischer Neuralgie (PHN, Studie ONO-1110-04, 140 Patienten) erfolgte die Gabe einmal täglich über acht Wochen, bei interstitieller Zystitis vom Hunner-Typ (HIC, Studie ONO-1110-06, 50 Patienten) über zwölf Wochen.
Zwar verfehlten die Studien die primären Endpunkte, zeigten jedoch in präspezifizierten Subgruppen- und explorativen Post-hoc-Analysen Wirksamkeitssignale bezüglich der Schmerzwerte auf der numerischen Einstufungsskala (NRS).
Bei einem günstigen Sicherheitsprofil über alle fünf Studien hinweg plant Ono Pharma weitere Untersuchungen in diesen drei Indikationen. Bei Major Depression (MDD) und sozialer Angststörung (SAD) wurden hingegen keine Signale beobachtet, weshalb dort keine Folgestudien vorgesehen sind.
