Fibromyalgie, Italiens

Fibromyalgie: Italiens Code 068 befreit nur bei mehr als 82 FIQR-Punkten

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Italiens aktualisierte Versorgungsstandards sehen für Fibromyalgie eine Zuzahlungsbefreiung vor, die an einen hohen Schweregrad gebunden ist.
Ein heller, moderner Wartebereich in einer italienischen Gesundheitseinrichtung mit schlichten architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

Die italienische Gesundheitspolitik setzt neue Maßstäbe bei der Versorgung chronischer Schmerzerkrankungen. Mit der Aktualisierung der grundlegenden Versorgungsstandards, den sogenannten Essential Levels of Care (LEA), wurde die Fibromyalgie offiziell in den Leistungskatalog aufgenommen.

Bei einer Pressekonferenz der Patientenorganisation CFU-Italia in der Camera dei Deputati hob der Abgeordnete Guerino Testa (Fratelli d'Italia) diesen Schritt als wichtigen gesundheitspolitischen Erfolg hervor. Gleichzeitig drängte der Parlamentarier auf weitere gesetzliche Maßnahmen, um mehr Betroffenen den Zugang zu den staatlichen Leistungen zu ermöglichen.

Hohe Hürden für die Befreiung von Zuzahlungen

Die Aufnahme der Fibromyalgie in die LEA geht auf ein Regierungsdekret zurück, das am 30. September 2026 im Amtsblatt veröffentlicht wurde und eine erste Aktualisierung des Dekrets vom 12. Januar 2017 darstellt. Die Gesamtreform betrifft rund 800 medizinische Leistungen. Für Fibromyalgie-Patienten wurde eine spezifische Befreiung von der Zuzahlung unter dem Code 068 eingeführt, die jedoch an strenge Kriterien geknüpft ist.

Die Kostenbefreiung greift ausschließlich bei Patientinnen und Patienten, die auf dem Fibromyalgia Impact Questionnaire-Revised (FIQR) einen Schweregrad von mehr als 82 Punkten erreichen. Die Befreiung umfasst ein auf zwei Jahre befristetes Attest und beinhaltet pro Zwölf-Monats-Zeitraum eine Kontrolluntersuchung sowie zehn Gruppensitzungen für Bewegungserziehung.

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Guerino Testa verwies darauf, dass die Erkrankung überwiegend Frauen betreffe und mit erheblichen Kosten für den nationalen Gesundheitsdienst Servizio Sanitario Nazionale (SSN) einhergehe. Vor diesem Hintergrund forderte er ein gesondertes nationales Gesetz zur Ausweitung des Begünstigtenkreises und verwies auf mehrere bereits im Parlament vorliegende überparteiliche Gesetzesinitiativen.

Umfassende Aktualisierung des Leistungskatalogs

Das Reformpaket, das zum 30. Oktober 2026 in Kraft trat, bringt neben der Fibromyalgie weitere Anpassungen für chronische und seltene Leiden mit sich. Unter dem Code 069 erhalten Erkrankte mit Hidradenitis suppurativa ab dem Hurley-Stadium III ein unbefristetes Attest, das jährlich drei Kontrollvisiten sowie bis zu 16 Verbände bei einfachen und bis zu 40 Verbände bei komplexen Wunden vorsieht.

Für Infektionen durch nichttuberkulöse Mykobakterien gilt unter dem Code 070 ein zweijähriges Attest mit halbjährlichen Kontrollen, Bildgebung und Funktionsdiagnostik.

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Ebenfalls integriert wurden Leistungen in der Schwangerschaftsvorsorge, darunter nicht-invasive Pränataltests (NIPT) bei intermediärem Risiko sowie Tests auf Cytomegalievirus-Antikörper im ersten Trimenon. In der Onkologie umfasst der Katalog nun die Überwachung von BRCA1/2-Genmutationen bei familiärem Tumorrisiko.

Bei bestehenden Versorgungsmodellen wurden Verfahren modernisiert, darunter die Messung von Entzündungswerten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Elastographien bei chronischen Lebererkrankungen.

Diskussion über die Versorgung chronischer Schmerzen

Die Ausgestaltung der Versorgungsstandards steht vor dem Hintergrund einer breiten Debatte über Schmerztherapie in Italien. An einer Bilanzpräsentation der Fondazione ISAL in der Camera dei Deputati nahm auch Barbara Suzzi vom Comitato fibromialgici uniti teil. Die Fondazione ISAL bezifferte die Zahl der von chronischen Schmerzen betroffenen Menschen im Land auf über 11 Millionen.

Die schrittweise Verankerung von Diagnosen wie der Fibromyalgie in den offiziellen Leistungskatalogen gilt als grundlegender Schritt, lässt laut Patientenvertretungen und Parlamentariern jedoch weiterhin Debatten über Versorgungsbreite und Zugangsbarrieren offen.

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