Fibromyalgie: 40 Prozent der Patienten erhalten unnötige Opioide
29.05.2026 - 04:09:37 | boerse-global.deNeue Daten aus den USA und Deutschland belegen das Ausmaß des Problems.
Hohe Verschreibungsraten in den USA
Auf der ASCP-Jahrestagung in Miami Beach wurden Ende Mai aktuelle Zahlen vorgestellt. Eine retrospektive Kohortenstudie wertete Daten von 261.776 Fibromyalgie-Patienten aus dem Zeitraum April 2021 bis April 2024 aus. Die Patienten waren zu 92,1 Prozent weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 52,3 Jahren.
Das Ergebnis ist alarmierend: 40,2 Prozent der gesetzlich oder über Medicare Advantage Versicherten erhielten im dritten Studienjahr (April 2023 bis März 2024) mindestens ein Opioid-Rezept. Bei Medicaid-Empfängern lag die Quote bei 38,8 Prozent. Besonders betroffen war die Altersgruppe der 61- bis 65-Jährigen mit 43,1 Prozent.
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Zu den häufigsten Verordnungen gehörten Tramadol (13,7 Prozent der Privatversicherten) und Oxycodon (15,7 Prozent der Medicaid-Patienten). Besonders besorgniserregend: 19,1 Prozent der Privatversicherten und 20,4 Prozent der Medicaid-Patienten erhielten gleichzeitig Opioide und Benzodiazepine – eine Kombination, die das Risiko schwerer Nebenwirkungen drastisch erhöht.
Seth Lederman, CEO von Tonix Pharmaceuticals, sprach von einer „erheblichen Kluft" zwischen den Leitlinien und der tatsächlichen Verschreibungspraxis. Sein Unternehmen vermarktet seit August 2025 ein sublinguales, nicht-opioides Schmerzmittel für Fibromyalgie.
Auch Deutschland hat Nachholbedarf
Doch das Problem ist kein rein amerikanisches. Das OP-US-Projekt untersuchte die Versorgungssituation in Deutschland anhand von Routinedaten von rund 113.000 DAK-Versicherten. Ergebnis: Etwa ein Viertel der Patienten mit Langzeittherapie erhielt Opioide, obwohl keine leitliniengerechte Diagnose vorlag.
Das Projekt befragte zudem 661 Patienten mit Rücken- oder Arthroseschmerzen sowie 422 Ärzte. Daraus entstanden 28 Vorschläge zur Verbesserung der Versorgungsqualität, die nun der Deutschen Schmerzgesellschaft vorliegen. Zwar betonten die Forscher, dass Deutschland keine mit Nordamerika vergleichbare Opioidkrise erlebe. Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sieht jedoch „erhebliches Optimierungspotenzial" bei der Verordnung und dem Management dieser Medikamente.
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Fortschritte bei nicht-opioiden Alternativen
Parallel zu den Verschreibungsstudien wird an besseren Therapieoptionen gearbeitet. Auf der ISPOR-Konferenz 2024 in Philadelphia Mitte Mai wurde eine Studie mit über 6.400 opioid-naiven Patienten vorgestellt, die sich einer ambulanten Schultergelenkersatzoperation unterzogen hatten. Der Einsatz eines bestimmten langwirksamen Lokalanästhetikums war demnach mit einem geringeren postoperativen Opioidverbrauch und niedrigeren Gesamtkosten über 90 Tage verbunden.
Neue Immuntherapie zeigt vielversprechende Daten
Am 27. Mai 2026 wurden zudem klinische Ergebnisse zu TNX-1500 veröffentlicht, einem anti-CD40L-Antikörper. In einer Phase-1-Studie mit 26 gesunden Erwachsenen zeigte sich das Medikament als gut verträglich – ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Die im Journal of Clinical Immunology veröffentlichten Daten wiesen eine Halbwertszeit von 34 bis 38 Tagen aus, was eine monatliche intravenöse Gabe ermöglichen könnte. Bei einer Dosis von 3 mg/kg reduzierte sich die T-Zell-abhängige Antikörperantwort um rund 70 Prozent.
Eine Phase-2-Studie zur Nierentransplantat-Abstoßung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 am Massachusetts General Hospital geplant – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.
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