Fibromyalgie, Risikogene

Fibromyalgie: 26 Risikogene in größter Studie identifiziert

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Größte Genom-Analyse zu Fibromyalgie identifiziert 26 Risikogene und belegt die biologische Grundlage der chronischen Schmerzerkrankung.

Fibromyalgie-Studie: 26 Risikogene entdeckt, biologische Basis belegt
Ein modernes medizinisches Labor mit einer Glas-Petrischale, in der sich neuronale Netzwerkmuster spiegeln. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Forschung markiert eine am 31. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung einen bedeutenden Fortschritt im Verständnis der Fibromyalgie. Die von einem Team um Kerrebijn et al. durchgeführte Studie gilt als die bislang umfangreichste genetische Untersuchung zu diesem Krankheitsbild. Durch die Analyse von Daten von insgesamt 2.563.755 Personen aus sechs Ländern konnten Forscher 26 spezifische Risikogene beziehungsweise Risiko-Loci identifizieren, die mit der Erkrankung in Verbindung stehen.

Biologische Grundlagen und neuronale Schmerzverarbeitung

Die Ergebnisse der großflächigen Genomanalyse stützen die Einordnung der Fibromyalgie als eine Störung der zentralnervösen Schmerzverarbeitung. Den Daten zufolge basiert die Erkrankung auf einer klaren biologischen Grundlage und ist nicht als rein psychosomatische Störung zu betrachten. Die Analyse umfasste eine Gruppe von etwa 54.629 bis 55.000 Personen mit einer klinischen Fibromyalgie-Diagnose, wobei unter anderem Daten des finnischen FinnGen-Projekts einbezogen wurden.

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Identifikation der stärksten genetischen Assoziation innerhalb des HTT-Gens. Dieses Gen ist in der Medizin bereits durch seine Verbindung zur Huntington-Krankheit bekannt. Die Forscher stellten jedoch klar, dass es sich bei der im Kontext der Fibromyalgie gefundenen Variante nicht um die spezifische Huntington-Mutation handelt. Dennoch liefert dieser Befund wichtige Hinweise auf die molekularen Mechanismen, die der chronischen Schmerzerkrankung zugrunde liegen könnten.

Neue Zielstrukturen für die medikamentöse Therapie

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Neben der reinen Identifikation von Risikofaktoren liefert die Studie konkrete Ansatzpunkte für künftige Behandlungsstrategien. So wurde der GPR52-Rezeptor als potenzielles therapeutisches Ziel identifiziert. Dieser Rezeptor könnte als Angriffspunkt für neuartige Medikamente dienen, um die Schmerzverarbeitung bei betroffenen Patienten gezielter zu beeinflussen.

Die genetischen Daten zeigen zudem eine signifikante Überlappung der Fibromyalgie mit anderen chronischen Zuständen. Die Autoren stellten Gemeinsamkeiten mit dem Reizdarmsyndrom, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) sowie chronischen Rücken- und Kreuzschmerzen fest. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass verschiedene Formen chronischer Schmerzen und stressbedingter Störungen gemeinsame biologische Pfade nutzen könnten.

Geschlechterparadoxon und internationale Zusammenarbeit

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Ein bemerkenswerter Aspekt der am 31. Juli 2026 vorgestellten Ergebnisse betrifft die Geschlechterverteilung. Obwohl Frauen in der klinischen Praxis deutlich häufiger von Fibromyalgie betroffen sind als Männer, konnten die Forscher auf genetischer Ebene keine signifikanten Unterschiede im Risiko feststellen. Das genetische Fundament scheint somit bei beiden Geschlechtern ähnlich ausgeprägt zu sein, was darauf hindeutet, dass die Genetik zwar eine biologische Basis liefert, jedoch nicht allein deterministisch für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich ist.

Im Zuge der Forschungsarbeiten wurde zudem das Consorcio de Genómica del Dolor Crónico (Konsortium für Chronische-Schmerz-Genomik) ins Leben gerufen. Diese internationale Kooperation soll die Forschung zu den identifizierten Risikofaktoren weiter vorantreiben. Fachleute äußerten die Erwartung, dass diese tieferen Einblicke in die Biologie der Erkrankung langfristig zu schnelleren Diagnosen und verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für Millionen von Betroffenen führen werden. Weitere Studien zur Validierung und tiefergehenden Analyse der neu entdeckten genetischen Faktoren wurden bereits empfohlen.

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