Fibromyalgie, Genregionen

Fibromyalgie: 26 Genregionen zeigen neurologische Ursachen

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 20:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die bisher umfangreichste Genomstudie zu Fibromyalgie identifiziert 26 Risiko-Genregionen und stützt die Theorie einer neurologischen Schmerzverarbeitungsstörung.

Fibromyalgie: Größte Genomstudie findet 26 Risiko-Genregionen
Abstrakte 3D-Visualisierung eines menschlichen Gehirns mit hervorgehobenen neuronalen Netzwerken und synaptischen Verbindungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die bislang größte Genomstudie zu Fibromyalgie stützt die Theorie, dass die Erkrankung eine neurologische Störung der Schmerzverarbeitung ist. Forscher identifizierten 26 Risiko-Genregionen.

26 Genregionen entdeckt

Ein internationales Team unter Leitung von Isabel Kerrebijn von der Universität Toronto analysierte die Erbgut-Daten von über 2,5 Millionen Menschen, darunter rund 54.000 Fibromyalgie-Patienten. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher am 3. August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine.

Die genetischen Risikofaktoren finden sich fast ausschließlich in Geweben des Zentralnervensystems, besonders im Kortex und Hippocampus. Hinweise auf immunologische Ursachen oder entzündliche Marker fanden die Wissenschaftler nicht – ein deutliches Signal gegen die Autoimmun-Theorie.

Huntingtin-Gen als Schlüssel

Die stärkste genetische Verbindung entdeckten die Forscher im HTT-Gen, das für das Protein Huntingtin kodiert. Eine spezifische Variante erhöht das Erkrankungsrisiko um etwa zehn Prozent. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um die Mutation, die Huntington auslöst.

„Die Ergebnisse liefern eine klare biologische Basis für die Erkrankung", sagt Dr. Michael Wainberg von der Universität Toronto. Das könnte helfen, das soziale Stigma der Betroffenen zu verringern.

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Als mögliche Angriffspunkte für künftige Medikamente gelten der GPR52-Rezeptor und das Gen CELF4. Beide sind an der Regulation des Nervensystems beteiligt.

Gleiche Ursachen bei Männern und Frauen

Obwohl etwa 90 Prozent der Betroffenen weiblich sind, ist die genetische Architektur bei beiden Geschlechtern nahezu identisch. Die biologischen Ursachen sind also offenbar ähnlich – nur die Diagnosehäufigkeit unterscheidet sich.

Für Betroffene in Deutschland bleibt die Lage schwierig: Im Schnitt dauert es 16 Jahre bis zur Diagnose. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin empfiehlt einen multimodalen Behandlungsansatz mit Bewegungstherapie, während Opioide kritisch gesehen werden.

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Die Studie zeigt zudem: Fibromyalgie teilt über 70 Prozent ihrer genetischen Grundlagen mit chronischen Kreuzschmerzen und Reizdarmsyndrom. Auch zur posttraumatischen Belastungsstörung bestehen Verbindungen.

Die 26 identifizierten Genregionen erklären allerdings nur etwa zehn Prozent der genetischen Varianz. Ein Gentest zur Diagnose steht daher noch nicht zur Verfügung. Die Daten liefern jedoch wichtige Ansatzpunkte für Therapien, die direkt am Nervensystem ansetzen.

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