Feuerwehr Gladbeck testet DJI-Drohne: Bis zu vier Minuten Zeitgewinn
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Einsatz unbemannter Systeme bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie in Konfliktgebieten verzeichnet eine deutliche Intensivierung. Während deutsche Feuerwehren, die Polizei und Rettungsdienste ihre operativen Kapazitäten durch automatisierte Flugsysteme erweitern, kommen in aktiven Kriegsgebieten spezialisierte Hochgeschwindigkeits-Evakuierungsroboter zur Bergung von Verletzten zum Einsatz.
Automatisierte Brandbekämpfung und Lageerkundung in Gladbeck
Die Feuerwehr Gladbeck hat eine dreimonatige Testphase für den Einsatz der automatisierten Drohne DJI Matrice 4TD eingeleitet, die seit etwa zwei Wochen läuft. Das System ist auf dem Dach der Feuerwache stationiert und wird nach einer Freigabe durch einen Fernpiloten für autonome Flüge eingesetzt.
Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 54 km/h steuert die Drohne Einsatzorte an, wobei drei integrierte Kameras inklusive einer Wärmebildkamera Live-Bilder an die Zentrale übermitteln.
Nach Einschätzung der Feuerwehr ergibt sich durch diesen Vorab-Flug ein Zeitvorteil von etwa zwei bis vier Minuten bei Bränden, Unfällen oder Gefahrguteinsätzen, da bereits vor dem Eintreffen der ersten Bodenkräfte ein präzises Lagebild vorliegt. Die Kosten für die Miete des Systems belaufen sich auf rund 120.000 Euro pro Jahr. Eine Entscheidung über den dauerhaften Verbleib der Technik in Gladbeck soll nach Abschluss des Tests fallen.
Innovationen aus dem Deutschen Rettungsrobotik-Zentrum
Das 2018 in Dortmund gegründete Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ) spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien für den Katastrophenschutz. Das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanzierte Zentrum vereint Expertise von Feuerwehren, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
Zu den jüngsten Entwicklungen gehört ein von der Informatikerin Lena Kremer entworfenes Kameramodul, das Rettungsdrohnen mit einer 360-Grad-Sicht und Wärmebildtechnik ausstattet.
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Neben Flugsystemen entwickelt das DRZ unter der Leitung des Vorsitzenden Dirk Aschenbrenner, der auch der Dortmunder Feuerwehr vorsteht, bodengebundene Systeme. Ein Raupenfahrzeug in der Größe eines Kühlschranks ist speziell für Erkundungen in einsturzgefährdeten Gebäuden konzipiert und verfügt über Sensoren sowie einen Anschluss für Feuerwehrschläuche.
Dass solche vernetzten Systeme bereits in der Praxis unterstützen, zeigte der Einsatz eines mit Monitoren ausgestatteten Einsatzfahrzeugs während der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.
Aktuelle Übungen im Kreis Ahrweiler unterstreichen diesen Trend. Bei Mayschoß kommen Drohnen zum Einsatz, deren Echtzeitdaten in einer simulierten Leitstelle des DRK-Ortsvereins Bad Neuenahr-Ahrweiler verarbeitet werden, um die Koordination der Einsatzkräfte zu optimieren.
Zivil-militärische Zusammenarbeit und Sicherheitsrisiken
Am 23. September 2026 rückten die Chancen und Risiken unbemannter Systeme in den Fokus der Europäischen Drohnen-Fachtagung auf der Messe Security Essen. In rund 20 Fachvorträgen wurden Themen wie der Schutz kritischer Infrastrukturen und europäische Sicherheitsstrategien erörtert. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul thematisierte dabei die zivil-militärische Zusammenarbeit.
Parallel zur technologischen Aufrüstung der Rettungskräfte warnen Experten vor neuen Bedrohungsszenarien. Der Sicherheitsforscher Thilo Geiger beobachtet eine Zunahme verdächtiger Drohnenaktivitäten in der Nähe von zivilen Flughäfen und Militäranlagen in Deutschland. Er wertet dies als Anzeichen einer koordinierten hybriden Bedrohung.
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Drohnen könnten demnach kritische Infrastrukturen ausspähen oder Reaktionszeiten testen. Geiger forderte Investitionen in Detektionsnetze und KI-gestützte Analysen, da herkömmliche Radarsysteme für kleine, niedrig fliegende Objekte oft nicht optimal ausgelegt seien.
Hochgeschwindigkeits-Robotik in Konfliktzonen
In der Ukraine hat sich der Einsatz unbemannter Bodenfahrzeuge (UGV) zur Evakuierung verwundeter Soldaten etabliert. Besonders spezialisierte Modelle wie der MAUL-Evakuierungsroboter sind darauf ausgelegt, höhere Geschwindigkeiten zu erreichen als Roboter, die für Angriffe oder den Nachschub genutzt werden.
Laut Sanitätern und Entwicklern ermöglichen diese Maschinen die Bergung von Verletzten in Gebieten, die für menschliche Rettungsteams unerreichbar sind. Trotz des lebensrettenden Potenzials bergen diese Einsätze Risiken, da die Evakuierungsroboter häufig selbst zum Ziel feindlicher Angriffe werden.
