Fettzellen-Gedächtnis: Warum der Jo-Jo-Effekt so hartnäckig ist
09.06.2026 - 15:02:53 | boerse-global.de
Aktuelle Forschung zeigt: Für Gewichtsreduktion und Gesundheit ist entscheidend, wie der Körper auf bestimmte Kohlenhydrate reagiert – nicht, wie viele wir essen.
Komplexe Kohlenhydrate sättigen länger
Ernährungsexperten wie Henning Fenselau (Max-Planck-Institut) und Hans Hauner (TU München) betonen: Das Gehirn braucht täglich etwa 120 Gramm Glukose. Doch die Verwertung der Kohlenhydrate unterscheidet sich massiv.
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Vollkornprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte enthalten komplexe Kohlenhydrate. Sie werden langsam verdaut und halten lange satt. Zucker und Weißmehl dagegen lassen den Blutzucker rapide steigen und fallen – mit Heißhunger als Folge.
Ein Problem der modernen Ernährung: die sinkende Ballaststoffzufuhr. Vor 100 Jahren lag sie bei 70 Gramm täglich, heute sind es nur noch 25 Gramm. Ein einfacher Trick hilft: Wer zuerst Fette und Proteine isst und dann die Kohlenhydrate, vermeidet Blutzuckerspitzen.
Gekühlt und aufgewärmt: Resistente Stärke spart Kalorien
Die Zubereitung macht den Unterschied. Christian Sina (Institut für Ernährungsmedizin Schleswig-Holstein) erklärt: Gekochte Kartoffeln, Nudeln oder Reis wandeln nach 12 bis 24 Stunden Kühlung einen Teil ihrer Stärke in resistente Stärke um.
Der Effekt: Bis zu 15 Prozent Kalorien weniger. Resistente Stärke wird nicht im Dünndarm verdaut, sondern wirkt im Dickdarm präbiotisch und setzt entzündungshemmende Buttersäure frei. Ähnliches passiert beim Einfrieren und Toasten von Brot.
Epigenetisches Gedächtnis: Warum der Jo-Jo-Effekt so hartnäckig ist
Warum nehmen viele nach einer Diät schnell wieder zu? Eine Studie der ETH Zürich, veröffentlicht am 8. Juni in Nature, liefert eine Antwort: Fettzellen haben ein epigenetisches Gedächtnis.
Forscher um Ferdinand von Meyenn entdeckten, dass Fettzellen – sie können bis zu zehn Jahre alt werden – Informationen über früheres Übergewicht speichern. Im Tierversuch nahmen Diät-Probanden bei erneuter fettreicher Fütterung schneller zu als eine Kontrollgruppe. Auch in menschlichen Gewebebiopsien fanden sich diese epigenetischen Markierungen.
Genetik bestimmt, wie gut Abnehmspritzen wirken
Auch bei Medikamenten wie Ozempic oder Wegovy gibt es große Unterschiede. Eine Studie der Stanford University in Genome Medicine (8. Juni) zeigt: Genetische Varianten des Enzyms PAM beeinflussen die Wirksamkeit erheblich.
Etwa jeder zehnte Mensch trägt diese Varianten und hat eine sogenannte GLP-1-Resistenz. Nach sechs Monaten erreichten nur 12 Prozent der Betroffenen ihre Blutzuckerziele – in der Vergleichsgruppe ohne diese Veranlagung waren es 25 Prozent.
Parallel dazu rückt der Muskelerhalt in den Fokus. Laut FAZ (8. Juni) zeigt eine Phase-2-Studie: Der Antikörper Apitegromab kann den Muskelschwund bei GLP-1-Therapien signifikant reduzieren. Normalerweise machen verlorene Muskeln 25 bis 40 Prozent des Gewichtsverlusts aus.
Ketogene Diät: Hilfe bei psychischen Erkrankungen?
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Die ketogene Diät wird zunehmend in der Psychiatrie erforscht. Eine Pilotstudie der Stanford University (8. Juni) untersuchte Patienten mit Schizophrenie und bipolaren Störungen.
Bei maximal 20 Gramm Kohlenhydraten pro Tag verbesserten sich die psychiatrischen Symptome nach vier Monaten um durchschnittlich 32 Prozent. Die Forscher vermuten: Ketone bieten dem Gehirn eine alternative Energiequelle und reduzieren oxidativen Stress sowie Entzündungen.
Wichtig: Bei Vorerkrankungen wie schwerem Leberversagen oder fortgeschrittenen Nierenerkrankungen ist diese extreme Ernährungsform nicht geeignet.
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