Fettleber-Screening, Gamma-GT

Fettleber-Screening: Gamma-GT übertrifft FIB-4 als möglicher Erstlinientest

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Biomarker und Bildgebung erfassen fortgeschrittene Fibrose präzise; für frühe MASLD-Stadien und die Routineanwendung bleiben Fragen offen.
Moderne, sterile medizinische Laborumgebung mit Analysegeräten und Zentrifugen in einer klinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Diagnose und Einstufung von Fettlebererkrankungen stützt sich traditionell auf invasive Gewebeentnahmen. Umfassende Untersuchungen des europäischen LITMUS-Konsortiums in den Fachzeitschriften The Lancet und Nature Medicine zeigen nun, dass moderne nicht-invasive Verfahren die Erkrankungen MASLD und MASH präzise diagnostizieren und die Notwendigkeit von Leberbiopsien deutlich verringern können.

Weltweit betrifft die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) bis zu einen von drei Erwachsenen; bei Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes steigt der Anteil auf bis zu sieben von zehn Betroffenen.

Umfangreiche Datenbasis zu Biomarkern und Bildgebung

Die im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Hauptstudie des LITMUS-Konsortiums analysierte 26 überwiegend blutbasierte Biomarker in Kombination mit Ultraschall-Elastographie.

An 37 Leberzentren in 13 Ländern Europas und den USA wurden dafür im Zeitraum von 2018 bis 2023 insgesamt 1.590 Patienten rekrutiert. Innerhalb dieser Studienkohorte wiesen 585 Personen (37 Prozent) eine fortgeschrittene Fibrose auf, während bei 164 Patienten (10 Prozent) eine Zirrhose vorlag.

Ergänzend evaluierte eine in Nature Medicine publizierte Bildgebungsstudie 24 diagnostische Tests bei 357 Patienten aus neun Ländern, für die gepaarte Biopsie- und Bilddaten vorlagen. Dabei wurden MRT-Verfahren und Elastographie mit Blutbiomarkern verglichen.

Die höchste diagnostische Genauigkeit bei fortgeschrittener Fibrose und Zirrhose erzielten das SOMAScan-Proteomik-Panel, die Magnetresonanz-Elastographie (MRE) sowie FibroScan inklusive Agile 3+. Bei Zirrhose übertrafen zudem die Verfahren ELF und ADAPT die geforderten Schwellenwerte.

Die statistische Auswertung ergab für das SomaSignal-Panel bei fortgeschrittener Fibrose eine Fläche unter der Kurve (AUC) von 0,92. FibroMeter-VCTE erreichte bei Zirrhose einen AUC-Wert von 0,94. Die MRE wies für fortgeschrittene Fibrose und Zirrhose einen Wert von 0,91 auf sowie 0,75 für sogenannte at-risk MASH.

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Bei der Diagnose einer at-risk MASH erfüllte im Bluttestbereich lediglich das SOMAScan-Panel mit einem AUC-Wert von 0,83 die Schwellenkriterien. Für frühe Stadien einer MASLD ohne Fibrosierung erreichte hingegen keines der getesteten Verfahren die geforderten Schwellenwerte.

Zudem erwies sich der an der Universitätsmedizin Mainz entwickelte Blutmarker Thrombospondin-2 (TSP2) im Rahmen der Untersuchung als vielversprechender Einzelmarker für fortgeschrittene Fibrose und at-risk MASH. Bei TSP2 handelt es sich um ein Bindegewebsprotein, dessen Konzentration im Blut Rückschlüsse auf fibrotische Umbauprozesse zulässt.

Vorschlag für mehrstufige Diagnosepfade

Auf Basis der Resultate schlägt das Konsortium einen strukturierten Untersuchungspfad vor: Als Erstlinientest übertraf der Gamma-GT-Blutwert den etablierten FIB-4-Score.

Auf das Screening mittels Gamma-GT könnten Folgeuntersuchungen über ELF oder FibroScan aufbauen, während spezialisierte Bildgebungsverfahren spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben sollen. Die europäischen Leitlinien aus dem Jahr 2024 empfehlen bislang FIB-4 als Einstiegstest; der Ansatz über Gamma-GT erfordert demnach noch eine weitere Validierung.

Einschränkungen und internationale Zusammenarbeit

Fachleute weisen auf methodische Grenzen der Datensätze hin. Die Probanden der Studien waren bereits vorab biopsiert worden, womit keine unausgewählte Screening-Population vorlag. Zudem fehlen bislang klinische Verlaufsdaten. In späten Studienphasen sowie zur Bestätigung von at-risk MASH in Spätphasen-Studien bleibt die Gewebebiopsie daher vorerst unersetzlich.

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Ein in The Lancet veröffentlichter Kommentar vom 31. Oktober 2026 mahnt zudem zur Vorsicht: Nicht-invasive Tests zur Bestimmung von Fibrosestadien könnten im medizinischen Routinealltag andere Ergebnisse liefern als unter kontrollierten Studienbedingungen.

Eine fehlerhafte Klassifikation berge die Gefahr, dass Patienten notwendige Therapien oder Überweisungen vorenthalten würden, weshalb eine sorgfältige Evaluierung vor einer breiten Anwendung notwendig sei.

Das LITMUS-Konsortium umfasst 53 Partner und wird mit 34 Millionen Euro über die Innovative Medicines Initiative 2 (Horizon 2020/EFPIA) gefördert; die Koordination liegt bei Professor Quentin Anstee von der Universität Newcastle.

Aus Deutschland fungiert das Universitätsklinikum Würzburg als nationales Leitzentrum, das eine der größten Studienkohorten rekrutierte. An der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen waren die Professoren Papatheodoridis und Tiniakos beteiligt, wobei Tiniakos die zentrale Auswertung von rund 2.000 Leberbiopsien leitete.

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