Fettleber: Jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist betroffen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie metabolische steatotische Lebererkrankung, kurz MASLD, entwickelt sich weltweit zu einer der verbreitetsten chronischen Erkrankungen. Nach Einschätzung von Prof. Dr. ?brahim Ertu?rul aus dem Fachbereich Gastroenterologie am Medicana Ataköy Hastanesi ist eine frühzeitige medizinische Abklärung von zentraler Bedeutung.
Zu den primären Risikogruppen zählen Personen mit Übergewicht, Diabetes mellitus, Hypertonie, Insulinresistenz sowie erhöhten Blutfettwerten. Da die Erkrankung über weite Strecken unbemerkt voranschreitet, raten Mediziner betroffenen Risikogruppen zu einer ärztlichen Untersuchung, selbst wenn keinerlei körperliche Beschwerden vorliegen.
Symptomloser Verlauf und gravierende Spätfolgen
Aus pathologischer Sicht liegt eine Fettleber (Steatose) vor, wenn der Fettgehalt in mehr als 5 Prozent der Leberzellen überschritten wird. Schätzungen zufolge betrifft MASLD weltweit etwa 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, wie eine im Fachjournal Hepatology im Jahr 2023 veröffentlichte Analyse ausweist.
In Deutschland ist nach Branchenberichten etwa jeder vierte Erwachsene betroffen. Bei Personen mit starkem Übergewicht oder Typ-2-Diabetes steigt dieser Anteil sogar auf rund 85 Prozent.
Die Gefahr liegt vor allem im schleichenden Charakter der Erkrankung: In frühen Stadien verursacht sie in der Regel keine Schmerzen und hinterlässt häufig keine Auffälligkeiten im Blutbild.
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Unbehandelt kann die Fettansammlung jedoch entzündliche Prozesse auslösen (MASH) und über das Stadium einer Leberfibrose bis hin zu einer Zirrhose mit Leberinsuffizienz oder Leberkrebs führen. Neben Leberschäden erhöht eine Fettleber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck erheblich.
Risikomarker und Trugschlüsse bei der Früherkennung
Mediziner weisen darauf hin, dass auch schlanke beziehungsweise normalgewichtige Menschen eine Fettleber entwickeln können, insbesondere bei einer vorliegenden Insulinresistenz, viel viszeralem Fett und geringer Muskelmasse. Zudem können zuckerhaltige Getränke, Fruchtsäfte oder dauerhaft zu große Portionsgrößen die Einlagerung von Leberfett selbst bei einer fettreduzierten Kost begünstigen.
Im Rahmen von Screenings gelten Parameter wie ein Taillenumfang ab 80 Zentimetern bei Frauen und ab 94 Zentimetern bei Männern, ein Body-Mass-Index ab 25 kg/m², ein Nüchternblutzucker ab 5,6 mmol/l sowie Triglyceridwerte ab 1,7 mmol/l als Warnsignale.
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Dr. D??ng Minh Tu?n vom B?nh vi?n B?ch Mai hebt hervor, dass normale Leberenzymwerte eine Leberschädigung keineswegs ausschließen und das im Ultraschall sichtbare Ausmaß der Verfettung nicht zwingend dem tatsächlichen Fibrosestadium entspricht. Erst bei einer aktiven Entzündung steigen Enzyme wie ALT, AST und GGT typischerweise an.
Für eine verlässliche Ersteinschätzung kommt daher regelmäßig der nicht-invasive FIB-4-Score zum Einsatz, der das Alter sowie Routineblutwerte wie Thrombozyten und Enzyme kombiniert. Bei mittlerem oder hohem Risiko wird eine weiterführende Elastografie mittels FibroScan durchgeführt.
Behandlungsansätze durch nachhaltige Lebensstiländerung
Im Anfangsstadium ist eine metabolische Fettleber bei rechtzeitiger Intervention meist vollständig reversibel. Wie Fachärzte unterstreichen, beruht das Fundament jeder Therapie auf einer Reduktion des Körpergewichts, einer ausgewogenen Ernährung sowie der konsequenten medikamentösen Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.
Zur Steigerung des Energieverbrauchs und zum Abbau von viszeralem Fett werden wöchentlich rund 150 Minuten moderate Bewegung in Kombination mit Krafttraining empfohlen. Da Stoffwechselveränderungen eng miteinander verzahnt sind, führt die erfolgreiche Regulierung von Triglycerid- und Blutzuckerwerten in den meisten Fällen auch zu einer messbaren Erholung der Leberbefunde.
