Fettleber in Deutschland: Rund 20 Millionen Betroffene ahnen oft nichts
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Fettlebererkrankung hat sich zu einem weit verbreiteten Gesundheitsproblem entwickelt. Aktuelle Berichte thematisieren die hohe Prävalenz in Deutschland, neue wissenschaftliche Differenzierungen in verschiedene Krankheitstypen sowie den engen Zusammenhang zwischen individuellem Lebensstil und schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Leberkrebs. Da die Erkrankung im Anfangsstadium häufig ohne auffällige Symptome verläuft, bleibt sie bei vielen Betroffenen über lange Zeit unbemerkt.
Hohe Dunkelziffer und metabolische Ursachen
Nach Angaben der Deutschen Leberstiftung ist rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von einer Fettleber betroffen. Schätzungen der Stiftung zufolge entspricht dies etwa 20 Millionen Menschen, die vielfach nichts von ihrer Erkrankung wissen.
In Deutschland ist demnach etwa jeder vierte Erwachsene von einer metabolischen Fettleber betroffen. Auch im europäischen Ausland zeigt sich ein ähnliches Bild: Laut 1177 haben schätzungsweise eine Million Menschen in Schweden eine Fettleber.
Die metabolische Fettleber entsteht in den meisten Fällen durch zu geringe körperliche Bewegung sowie eine übermäßige Energiezufuhr. Sie steht in direktem Zusammenhang mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten.
Bleibt die Verfettung unbemerkt und unbehandelt, kann sie im weiteren Verlauf zu einer Leberzirrhose führen. Zudem begünstigt die Erkrankung selbst das Auftreten von Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht.
Lebensstiländerung und Umkehrbarkeit der Erkrankung
Wird die Veränderung der Leber frühzeitig diagnostiziert, bestehen gute Chancen auf eine Besserung. Wie Prof. Dr. Münevver Demir von der Charité Berlin darlegt, ist eine Fettleber bei rechtzeitiger Erkennung oft reversibel. Eine zentrale Rolle spielen dabei Anpassungen der täglichen Ernährung und des Lebensstils.
Fachleute aus der Ernährungsmedizin raten dazu, den Konsum von Alkohol deutlich zu reduzieren. Zudem wird empfohlen, auf Zucker – darunter Schokolade, zuckerhaltiges Obst, Weißbrot und Kuchen – weitgehend zu verzichten. Stattdessen sei auf eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß zu achten, beispielsweise über Hülsenfrüchte wie Linsen.
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Zur praktischen Umsetzung von Ernährungsumstellungen erschien am 12.08.2026 der Ratgeber „Medical Cooking: Fettleber“ von Dr. Andrea Wirrwitz-Bingger im TRIAS Verlag (200 Seiten, 120 Rezepte, ISBN 978-3-432-12167-3, 28 Euro).
Hinsichtlich medikamentöser Ansätze zeigten essentielle Phospholipide – ein pflanzliches Arzneimittel (Essentiale) aus Sojabohnen – in einer Untersuchung positive Effekte bei metabolischer Fettleber.
Fünf Subtypen der Fettleber identifiziert
Parallel zu den epidemiologischen Daten liefern neue Forschungsarbeiten vertiefte Einblicke in die Komplexität der Erkrankung. Die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), früher als nichtalkoholische Fettleber bezeichnet, betrifft rund 30% der weltweiten Bevölkerung.
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Eine in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung der US-amerikanischen Mayo Clinic zeigte, dass sich MASLD in fünf unterschiedliche Subtypen (C1 bis C5) einteilen lässt. Für die Studie analysierten die Wissenschaftler Daten von 1.532 Patienten und bestätigten die Resultate anhand von weiteren 3.070 Personen mittels Computermodellierung über einen Beobachtungszeitraum von bis zu 10 Jahren.
Die identifizierten Gruppen weisen unterschiedliche Verläufe auf:
- Subtyp C1: Umfasste etwa 30% der Teilnehmer. Dabei handelte es sich um ältere Patienten ohne Adipositas, die vergleichsweise hohe Raten an Leberkrebs und Lebertransplantationen verzeichneten.
- Subtyp C5: Machte rund 9% der Studienteilnehmer aus. Bei dieser Gruppe spielte die genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle für das MASLD-Risiko und auftretende Komplikationen.
Insgesamt wiesen die Subtypen unterschiedliche Risikoprofile für Herzerkrankungen, Leberversagen, Krebs sowie die Notwendigkeit von Transplantationen auf. Zudem wurden Verbindungen zu Depression und Schlafapnoe festgestellt. Die Autoren betonen jedoch, dass die Subtyp-Klassifikation vor einem möglichen Einsatz in der klinischen Praxis zunächst an größeren und diverseren Patientengruppen überprüft werden muss.
Genetische Faktoren beeinflussen das Krebsrisiko
Einen weiteren Baustein zum Verständnis der Krankheitsmechanismen lieferte eine im Fachblatt Nature Genetics veröffentlichte Untersuchung des Karolinska-Instituts. Die Wissenschaftler werteten genetische Daten und Magnetresonanztomographie-Ergebnisse von 71.488 Personen europäischer Herkunft aus der britischen Biobank aus.
Dabei identifizierte das Forschungsteam 60 unabhängige Genomregionen, die mit dem Leberfettgehalt im Zusammenhang stehen; 31 dieser Regionen waren zuvor unbekannt. Häufig vorkommende genetische Varianten erklären schätzungsweise etwa 25% der Unterschiede beim Fettgehalt des Organs.
Personen mit dem höchsten genetischen Risiko waren deutlich häufiger von Fettleber und Leberkrebs betroffen: Gegenüber der Gruppe mit dem niedrigsten Risiko lagen die Odds für eine Leberzirrhose bei rund dem 2,7-Fachen und für Leberkrebs bei etwa dem 7,5-Fachen.
Da die Analyse ausschließlich Personen europäischer Herkunft umfasste, sind zur Überprüfung der Ergebnisse in weiteren Bevölkerungsgruppen ergänzende Untersuchungen erforderlich.
