Fettleber: Grüntee-Stoff EGCG lindert Schäden im Mausmodell über SIRT5
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), früher als nichtalkoholische Fettleber bezeichnet, betrifft nach Angaben von Forschenden mittlerweile rund 30 Prozent der weltweiten Erwachsenenbevölkerung.
Auf der Suche nach therapeutischen Ansätzen steht der Naturstoff Epigallocatechingallat (EGCG), das primäre Katechin aus grünem Tee, regelmäßig im Fokus der Wissenschaft.
Eine am 7. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research veröffentlichte Untersuchung analysierte vertiefend, über welche zellulären Signalwege die Substanz Leberschäden im Tiermodell mindern kann.
Mechanismen im Tiermodell: SIRT5, Ferroptose und Autophagie
In der am 7. Oktober 2026 erschienenen Studie an Mäusen wiesen Forschende nach, dass EGCG eine fruktose-induzierte MASLD lindern kann. Als zentraler Mechanismus wurde die Hochregulierung des Proteins SIRT5 identifiziert, über welche die Substanz Prozesse der Ferroptose und Autophagie moduliert.
Unter Gabe des Grüntee-Katechins reduzierten sich die Lipidakkumulation und Entzündungsreaktionen im Lebergewebe deutlich. Zudem senkte die Behandlung die Eisenüberladung sowie den oxidativen Stress, während die Expression des antioxidativen Enzyms GPX4 anstieg.
Parallel verbesserte EGCG zentrale Marker der Autophagie, darunter LC3-II/LC3-I, LAMP2 sowie SQSTM1/p62. Die essenzielle Rolle des vorgeschalteten Signalwegs belegten die Forschenden durch eine Deaktivierung von SIRT5: Bei einem solchen SIRT5-Knockdown blieben die protektiven Effekte von EGCG vollständig aus.
Klinische Datenlage und metabolische Effekte beim Menschen
Während präklinische Arbeiten Einblicke in molekulare Abläufe geben, zeichnen Humanstudien ein differenzierteres Bild hinsichtlich der praktischen Wirksamkeit.
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Eine Auswertung von 265 Humanstudien – darunter 156 randomisierte kontrollierte Studien und 61 Metaanalysen mit 12.147 Teilnehmenden mit Stand vom 5. Oktober 2026 – zeigte für Grüntee und Extrakte überwiegend moderate Veränderungen. Demnach führten Extrakte zu leicht niedrigeren Werten bei Gesamt- und LDL-Cholesterin, Blutzucker sowie HbA1c.
Bei übergewichtigen Probanden reduzierten Grüntee-Extrakte das Körpergewicht, den Body-Mass-Index (BMI) und den Körperfettanteil leicht; Getränke mit Tee-Catechinen verringerten das Bauchfett stärker als Placebo. Auch der Blutdruck sank geringfügig um rund 1 bis 2 mmHg.
Zudem führten Mundspülungen mit Grüntee-Extrakt zu einem Rückgang von Zahnbelag. Kontrollierte Studien mit meist kleinen Stichproben über drei bis sechs Monate bestätigten moderate Senkungen von LDL-Cholesterin und Blutdruck.
Größere Hoffnungen dämpft die Datenlage jedoch bei anderen Indikationen: Metaanalysen über Zeiträume von 12 bis 13 Wochen fanden keinen klinisch relevanten Gewichtsverlust.
Im Bereich der Krebsvorbeugung ergaben kontrollierte Studien überwiegend keine Unterschiede; ein Cochrane-Review über 142 Studien bezeichnete die Befunde als inkonsistent, und bei Vorstufen von Darm- und Prostatakrebs traten unter Grüntee-Extrakt weder weniger Adenome noch weniger Neuerkrankungen auf.
Sicherheitsgrenzen, Leberschäden und Wechselwirkungen
Der Einsatz von Grüntee-Präparaten erfordert eine klare Abgrenzung zwischen herkömmlichem Getränkekonsum und hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln. Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass hochdosierter Grüntee-Extrakt die Leber belasten kann, was sich in einem Anstieg des Leberenzyms ALT äußert und bei Personen mit einer bestimmten Genvariante verstärkt auftritt. Zudem senkt grüner Tee die Blutspiegel diverser Arzneistoffe, darunter Nadolol, Lisinopril, Atorvastatin, Rosuvastatin, Fexofenadin und Nintedanib.
Wer Grüntee-Extrakte einnimmt und gleichzeitig Medikamente wie Statine oder Blutdrucksenker verwendet, sollte die möglichen Wechselwirkungen kennen — ebenso wie die Dosierungsgrenze, ab der die Leber belastet werden kann. Der Ratgeber führt Sie durch den Wechselwirkungs-Check und zeigt, welche Menge laut Fachleuten als unbedenklich gilt. Wechselwirkungs-Check jetzt herunterladen
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die Aufnahme von Katechinen über den normalen Teekonsum als sicher ein. Sie verweist jedoch auf Leberrisiken bei hohen Dosierungen isolierter Extrakte ab etwa 800 mg EGCG pro Tag. Fachliche Empfehlungen raten daher zum Verzehr von ein bis drei Tassen klassisch aufgebrühtem Grüntee täglich anstelle hochdosierter Konzentrate.

