Fettleber, Erwachsenen

Fettleber bei jungen Erwachsenen: Analyse von 4,09 Millionen zeigt Krebsrisiken

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse von mehr als vier Millionen jungen Erwachsenen verbindet Fettleber mit höheren Krebsrisiken, auch bei schlanken Personen.

Fettleber bei jungen Erwachsenen: Studien zeigen erhöhte Krebsrisiken
Moderne medizinische Laborausstattung mit diagnostischen Geräten in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Fachpublikationen und klinische Studien rücken verstärkt das Risiko steatotischer Lebererkrankungen bei Patienten in den Fokus, die keine klassischen kardiometabolischen Risikofaktoren aufweisen. Aktuelle Berichte verdeutlichen, dass auch schlanke Personen von einer Fettleber betroffen sein können und dabei ein signifikant erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen sowie eine gesteigerte Mortalität tragen.

Großflächige Analyse belegt erhöhtes Krebsrisiko bei jungen Erwachsenen

Eine umfassende Untersuchung des Ewha Womans University Seoul Hospital, die in der September-Ausgabe der Fachzeitschrift „Cancer Medicine“ veröffentlicht wurde, liefert detaillierte Daten zur Prävalenz und den Risiken bei jungen Erwachsenen. Auf Basis von Daten des National Health Insurance Service wurden 4.094.241 Personen im Alter von 20 bis 39 Jahren untersucht. Davon erhielten 254.897 Probanden (6,2 %) die Diagnose einer Fettleber.

Die Ergebnisse der Professoren Ji Yong-ho und Jeon Ho-soo zeigen eine deutliche Korrelation zwischen der Erkrankung und verschiedenen Krebsarten. Bei Männern mit Fettleber stieg das allgemeine Krebsrisiko um das 1,48-Fache, bei Frauen um das 1,23-Fache. Besonders markant war die Steigerung beim Leberkrebs, mit einem 2,39-fachen Risiko für Männer und einem 2,88-fachen Risiko für Frauen.

Bemerkenswert ist laut den Studienautoren, dass das Leberkrebsrisiko bei Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) unter 25 kg/m² sogar noch deutlicher erhöht war: Männer in dieser Gruppe wiesen ein 2,82-faches und Frauen ein 3,14-faches Risiko auf.

Auch bei Nichttrinkern zeigten sich erhöhte Werte für Leberkrebs (Männer 2,60-fach, Frauen 3,43-fach). Weitere signifikante Steigerungen wurden bei Schilddrüsenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Blasenkrebs beobachtet.

Drastischer Anstieg der Fallzahlen und erhöhte Sterblichkeit

Daten des Health Insurance Review and Assessment Service belegen eine massive Zunahme der Diagnosen. Die Zahl der Patienten mit nichtalkoholischer Fettleber stieg von rund 25.000 im Jahr 2014 auf etwa 138.000 im Jahr 2024, was einer Verfünfeinhalbfachung innerhalb eines Jahrzehnts entspricht.

Versicherungsdaten der Samsung Fire & Marine Insurance stützen diesen Trend: Bei Versicherten in den 20ern stieg die Prävalenz in zehn Jahren von 148 auf 216 pro 100.000 Personen, in den 30ern von 355 auf 443.

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Die klinische Relevanz wird durch eine schwedische Studie mit rund 13.000 Patienten unterstrichen, die im Rahmen des 49. Dreiländertreffens der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften (DEGUM) Ende September 2026 in Mainz thematisiert wurde.

Demnach ist bei Fettleber-Patienten die Sterblichkeit durch plötzlichen Herztod um 54 % und die krebsbedingte Sterblichkeit um 47 % erhöht. Dr. Sabine Guth von Sana Praevention Hamburg berichtete auf dem Kongress, dass bei rund 20.000 Vorsorgeuntersuchungen in etwa 30 % der Fälle eine Fettleber oder beginnende Gefäßveränderungen festgestellt wurden.

Grenzen des BMI und alternative Diagnoseverfahren

Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Freiburg legen nahe, dass der BMI als alleiniger Indikator für gesundheitliche Risiken unzureichend ist. Im MRT gemessenes viszerales Fettgewebe korreliere deutlich stärker mit metabolischen Risikofaktoren wie erhöhtem Blutzucker oder Entzündungswerten als der BMI.

Das Edmonton Obesity Staging System, welches Fettverteilung, Blutwerte und körperliche Beeinträchtigungen kombiniert, erlaube laut Studien eine genauere Vorhersage des Sterberisikos.

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Da MRT-Untersuchungen kostspielig und aufwendig sind, plädieren Forscher für die Weiterentwicklung kostengünstigerer Alternativen wie der Ultraschallmessung. Die DEGUM weist jedoch darauf hin, dass der gesetzliche Check-up ab 35 Jahren derzeit keine regelhafte Ultraschalluntersuchung umfasst.

Metabolische Marker und Schwellenwerte

Für die medizinische Einordnung der Risiken spielen zudem spezifische Laborparameter eine Rolle. Ein niedriges Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) gilt oft als metabolischer Hinweis, wobei die Referenzbereiche üblicherweise bei 10-57 nmol/L für Männer und 18-144 nmol/L für nicht schwangere Frauen liegen.

Insulinresistenz kann die hepatische SHBG-Produktion unterdrücken. Ein Nüchterninsulinwert von über 10-12 µIU/mL oder ein HOMA-IR-Wert von über 2,0-2,5 können auf eine solche Resistenz hindeuten.

Zusätzliche Risikofaktoren sind laut Fachkreisen Triglyceridwerte über 150 mg/dL sowie niedrige HDL-Werte (unter 40 mg/dL bei Männern, unter 50 mg/dL bei Frauen).

Als kritische Schwellenwerte für die Lebergesundheit gelten zudem ALT-Werte von mehr als 33 IE/L bei Männern und über 25 IE/L bei Frauen. Ein Taillenumfang von mehr als 102 cm bei Männern beziehungsweise 88 cm bei Frauen wird als zusätzliche Risikoschwelle für viszerales Fett definiert.

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