Fettleber bei Diabetes: MASLD betrifft bis zu 70 Prozent der Patienten
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 09:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Berichte belegen ein signifikantes Risiko für das Auftreten einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD) bei Diabetes-Patienten. Parallel zu dieser epidemiologischen Entwicklung verzeichnet die medizinische Diagnostik deutliche Fortschritte bei nicht-invasiven Testverfahren, die darauf abzielen, Gewebeschäden frühzeitig zu erfassen und invasive Leberbiopsien zu reduzieren.
Hohe Prävalenzraten bei Stoffwechselerkrankungen
Die Häufigkeit von Lebermanifestationen bei metabolischen Erkrankungen wird durch mehrere Auswertungen unterstrichen. Im Rahmen des SID-Kongresses bezifferten Experten die Prävalenz von MASLD sowie der entzündlichen Verlaufsform MASH bei Betroffenen mit Typ-2-Diabetes auf bis zu 70 Prozent.
Diese Größenordnung deckt sich mit Daten aus den Kliniken der University of Florida: Eine dort durchgeführte Querschnittsstudie an 1.446 Erwachsenen ergab eine MASLD-Prävalenz von 68 Prozent bei bestehendem Typ-2-Diabetes sowie 55 Prozent bei Vorliegen eines Prädiabetes. Zudem wiesen 16 Prozent der untersuchten Patienten mit gleichzeitiger Adipositas und Typ-2-Diabetes eine signifikante Leberfibrose auf.
Eine in der Fachzeitschrift Diabetology & Metabolic Syndrome publizierte Untersuchung an 759 hospitalisierten Typ-2-Diabetikern zeigte ferner einen direkten Zusammenhang zwischen Leberverfettung und Blutzuckereinstellung: Demnach steigt das Risiko für einen HbA1c-Wert von mindestens 7,0 Prozent pro Anstieg der Ultraschall-Leberfettfraktion (UDFF) um 5 Prozentpunkte um den Faktor 1,253.
Differenzierte Leistung nicht-invasiver Biomarker
Angesichts der hohen Fallzahlen rücken labormedizinische Nachweisverfahren verstärkt in den Fokus. Ergebnisse des europäischen LITMUS-Projekts, das Daten von 1.590 Patienten aus 13 Ländern analysierte, zeigen jedoch methodische Grenzen in den Frühphasen auf.
Kein untersuchter Bluttest erreichte den geforderten Schwellenwert für frühe Krankheitsstadien ohne vorliegende Fibrose. Demgegenüber erbrachten mehrere Verfahren bei bereits fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose verlässliche Ergebnisse.
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Innerhalb des LITMUS-Projekts erwies sich das SOMAScan-Proteomik-Panel als der einzige Test, der die Schwellenwerte zur Identifikation des Risikos einer Steatohepatitis (MASH) erfüllte. Zudem ergab die Auswertung, dass ein einfacher Gamma-GT-Bluttest den bisherigen klinischen Standard-Score FIB-4 in der Erstliniendiagnostik übertrifft.
Weiterführende Ansätze liefert eine im Journal Cell & Bioscience vorgestellte validierte Studie: Eine dort analysierte Signatur aus elf Proteinen, gewonnen aus extrazellulären Vesikeln des Blutplasmas, erreichte bei der Detektion fortgeschrittener Fibrosestadien eine Genauigkeit mit einem AUROC-Wert von 0,807.
Integration strukturierter Testpfade in klinische Leitlinien
Für die Praxis empfehlen Experten zunehmend mehrstufige Diagnosekonzepte. Ein veröffentlichter Scoping Review legt dar, dass ein sequenzieller Testpfad – beginnend mit einer Ersttriage über den FIB-4-Index und gefolgt von einer transienten Elastographie – die Identifikation fortgeschrittener Fibrosen optimiert und zugleich die Zahl unnötiger Facharztüberweisungen verringert.
Gleichzeitig schlägt sich der Stellenwert apparativer Messungen in den Empfehlungen der Fachgesellschaften EASL, EASD und EASO nieder. Die entsprechende Leitlinie bindet die Lebersteifigkeitsmessung (LSM) mittels VCTE/FibroScan fest in die Pfade für moderne MASH-Therapien wie Resmetirom und Semaglutid ein.
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Als Voraussetzung für den Zugang zu medikamentösen MASH-Therapien bei nicht-zirrhotischen Patienten definiert die Richtlinie entweder einen biopsiebestätigten Fibrosegrad im Stadium F2 bis F3 oder einen Lebersteifigkeitswert zwischen 10 und 20 Kilopascal.
