Fernchirurgie: Erste Krebsoperationen über 10 km Distanz gelungen
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 19:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 31. August 2026 wurde in der italienischen Chirurgie ein bedeutender technischer Fortschritt verzeichnet. Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Policlinico Gemelli und dem Ospedale Isola Tiberina in Rom gelang es Fachärzten erstmals, zwei bösartige Tumore mithilfe eines roboterassistierten telechirurgischen Systems über eine Distanz von mehr als 10 Kilometern zu entfernen.
Die Eingriffe betrafen eine Patientin mit einem kolorektalen Karzinom sowie einen männlichen Patienten mit einem Prostatatumor. Die Chirurgen Sergio Alfieri und Bernardo Rocco steuerten die Operationen von einer Konsole im Ospedale Isola Tiberina aus, während sich die Patienten im Policlinico Gemelli befanden.
Technologische Grundlagen und klinische Umsetzung
Die Operationen wurden mit dem Toumai Laparoscopic Surgical System des Herstellers MicroPort MedBot durchgeführt. Diese Technologie erhielt bereits im Juni 2026 die erforderliche CE-Zertifizierung und bildet die Grundlage für ein umfangreiches klinisches Programm. Laut den Projektverantwortlichen sind im Rahmen dieser Initiative insgesamt 20 Eingriffe geplant, um die Sicherheit und Präzision der telechirurgischen Versorgung weiter zu validieren.
Erste Ergebnisse dieser Pilotphase wurden bereits auf wissenschaftlicher Ebene diskutiert. Eine entsprechende Präsentation der Daten erfolgte auf dem ERUS26-Kongress, der vom 9. bis zum 11. September 2026 in Padua stattfand. Die erfolgreiche Durchführung der Eingriffe belegt die Funktionsfähigkeit der Fernsteuerung bei onkologischen Operationen, die eine besonders hohe Genauigkeit erfordern.
Internationale Entwicklungen im Bereich der Fernversorgung
Die Fortschritte in Italien stehen im Einklang mit einer globalen Zunahme von Projekten im Bereich der roboterassistierten Fernchirurgie. In den letzten Monaten konnten auch in Nordeuropa und Asien ähnliche Erfolge verbucht werden.
Die ersten onkologischen Eingriffe über mehr als 10 Kilometer Distanz sind in Rom gelungen — mit einem System, das seit Juni 2026 CE-zertifiziert ist und in einem Programm mit 20 geplanten Eingriffen validiert wird. Wer jetzt die Infrastruktur für Telechirurgie plant, sollte die technischen und organisatorischen Anforderungen kennen, bevor der Chirurgenmangel in ländlichen Häusern den Handlungsdruck erhöht. Kostenlosen Leitfaden zur Fernchirurgie-Infrastruktur anfordern
So wurde in Dänemark die erste länderübergreifende Fernoperation zwischen zwei öffentlichen Krankenhäusern dokumentiert. Dabei operierte der Chirurg Jan Krzak von Aabenraa aus einen Patienten in Tórshavn auf den Färöer-Inseln.
Bei diesem Eingriff, einer unkomplizierten Behandlung einer Leistenhernie, wurde die Datenübertragung über einen isolierten Kanal gesichert. Zur Gewährleistung der Patientensicherheit war vor Ort in Tórshavn ein vollständiges Operationsteam anwesend, zudem stand ein lokaler Chirurg als personelle Absicherung bereit. Der Eingriff wurde den Angaben zufolge um 12:50 Uhr erfolgreich abgeschlossen.
Zukünftige technologische Benchmarks und Studien
Neben der direkten klinischen Anwendung rücken auch die technischen Rahmenbedingungen für größere Distanzen in den Fokus der Forschung. In Japan startete im Jahr 2026 eine auf zwei Jahre angelegte Machbarkeitsstudie zwischen der Kyushu-Universitätsklinik in Fukuoka und dem Beppu-Krankenhaus in Oita.
Das Projekt, an dem unter anderem NTT Docomo Business und NTT Innovative Devices beteiligt sind, untersucht die Fernsteuerung eines Mikrochirurgie-Roboters über eine Strecke von etwa 110 Kilometern.
Bei Fernoperationen entscheidet die Latenz über die Patientensicherheit: In Dänemark sicherte ein isolierter Kanal die Übertragung, vor Ort stand ein vollständiges OP-Team bereit, in Japan soll eine Machbarkeitsstudie bis 2027 Latenzen unter 0,005 Sekunden erreichen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Netz-, Backup- und Sicherheitsanforderungen Kliniken vor dem ersten ferngesteuerten Eingriff klären müssen. Latenz- und Sicherheits-Checkliste jetzt abrufen
Das Ziel dieser bis 2027 laufenden Untersuchung ist die Nutzung des IOWN APN (Innovative Optical and Wireless Network), um extrem niedrige Latenzzeiten von unter 0,005 Sekunden zu erreichen. Während für das Jahr 2026 zunächst Tests zum Videotransfer vorgesehen sind, soll im darauffolgenden Jahr die vollständige Fernsteuerung des Roboters erprobt werden.
Diese Entwicklungen verdeutlichen das wachsende Potenzial der chirurgischen Fernversorgung. Durch die Entkoppelung des Standorts von Spezialisten und Patienten könnten künftig hochkomplexe Eingriffe unabhängig von der geografischen Lage der Beteiligten realisiert werden, sofern die technologische Infrastruktur eine nahezu verzögerungsfreie Datenübermittlung sicherstellt.
