Fehldiagnosen, Autoimmunerkrankungen

Fehldiagnosen bei Autoimmunerkrankungen: 43 Prozent der Frauen betroffen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Befragung von 6.607 Erkrankten zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede bei Fehldiagnosen und der Dauer bis zur korrekten Diagnose.

Autoimmunerkrankungen: Frauen erhalten häufiger psychische Fehldiagnosen
Ein leerer, minimalistischer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einem leeren Stuhl und einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Frauen mit chronischen körperlichen Beschwerden sehen sich im Gesundheitssystem oft mit psychologisierenden Erklärungsansätzen konfrontiert. Eine in der Fachzeitschrift Lancet eClinicalMedicine veröffentlichte Untersuchung der University of Cambridge und der University of East Anglia belegt nun ein deutliches Geschlechtergefälle: Weibliche Betroffene erhalten bei Autoimmunerkrankungen wesentlich häufiger psychiatrische oder psychosomatische Fehldiagnosen als männliche Patienten, wie Berichte vom 12.10.2026 zeigen.

Signifikante Unterschiede bei psychologisierenden Zuschreibungen

Für die wissenschaftliche Erhebung befragten die Forschungsteams 6.607 Patienten mit Autoimmunerkrankungen, bei denen es sich überwiegend um Frauen aus dem Vereinigten Königreich handelte. Die Auswertung ergab, dass 43 Prozent der Frauen berichteten, ihre Erkrankung sei zunächst auf eine psychiatrische Ursache zurückgeführt worden.

Bei den männlichen Teilnehmern lag dieser Anteil bei 33 Prozent. Zudem gaben 34 Prozent der Frauen an, eine psychosomatische Fehldiagnose erhalten zu haben, während dies lediglich 22 Prozent der Männer betraf.

Auch nach einer statistischen Adjustierung für Faktoren wie Alter, Erkrankungsgruppe, Kontinent und Haushaltseinkommen blieb die Diskrepanz signifikant bestehen: Frauen erhielten 46 Prozent häufiger eine psychiatrische und 74 Prozent häufiger eine psychosomatische Fehldiagnose als Männer.

Die Wahrscheinlichkeit war für Frauen damit fast 50 Prozent höher beziehungsweise fast 75 Prozent höher als bei den befragten Männern. Bei rein körperlichen Fehldiagnosen zeigte sich hingegen ein umgekehrtes Bild: Diese fielen bei Männern mit 48 Prozent etwas häufiger aus als bei Frauen mit 44 Prozent.

Ungleiche Wartezeiten und Krankheitsbilder

Neben der Art der Fehldiagnosen dokumentiert die Untersuchung deutliche Unterschiede im Zeitverlauf bis zur korrekten Befundung. Frauen warteten im Schnitt 1 bis 2 Jahre und konsultierten mehrere Behandler, bevor die tatsächliche Erkrankung festgestellt wurde. Bei Männern erfolgte die Diagnosestellung meist innerhalb von unter 3 Monaten.

Anzeige

Die Untersuchung der University of Cambridge und der University of East Anglia zeigt: Frauen mit Autoimmunerkrankungen warten im Schnitt ein bis zwei Jahre auf die richtige Diagnose — und erhalten fast 75 Prozent häufiger eine psychosomatische Fehldiagnose als Männer. Wer sich auf das nächste Arztgespräch vorbereiten will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden eine Checkliste, ein Diagnose-Tagebuch und einen Wegweiser zu spezialisierten Fachzentren. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Unter den teilnehmenden Frauen machten Autoimmun-Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto oder Morbus Basedow fast ein Viertel der Fälle aus, während etwa jede siebte an systemischem Lupus litt.

Bei den männlichen Befragten zählten hingegen rheumatoide Arthritis, Vaskulitis sowie das Antiphospholipid-Syndrom (APS) zu den am häufigsten registrierten Krankheitsbildern. Finanziert wurde das Projekt durch Organisationen wie The Lupus Trust, Vasculitis UK, Sjögren's UK, Lupus UK und SRUK.

Belastungen für Betroffene und strukturelle Tendenzen

Die Konsequenzen fehlerhafter Zuschreibungen reichen weit über die körperliche Belastung hinaus. Hauptautorin Melanie Sloan von der University of Cambridge wies darauf hin, dass die Schäden für das Vertrauen in medizinisches Personal und das Selbstwertgefühl der Betroffenen lang anhaltend seien. Co-Autorin Shaista Tayabali betonte zudem, dass historische Geschlechtervorurteile in der klinischen Praxis weiterhin fortbestehen.

Anzeige

Viele Betroffene verlieren nach Jahren der Fehldiagnosen das Vertrauen in ihre Behandler — und in sich selbst. Genau hier setzt dieser kostenlose Leitfaden an: Er begleitet Sie Schritt für Schritt dabei, Ihre Beschwerden zu dokumentieren, im Gespräch zu vertreten und den Weg zu spezialisierten Fachzentren zu finden. Wegweiser zur richtigen Diagnose sichern

Ergänzende Erhebungen verdeutlichen ähnliche Tendenzen im Gesundheitswesen: Laut einer YouGov-Umfrage unter rund 5.000 Erwachsenen gaben 70 Prozent der Frauen an, dass Hausärzte ihre Sorgen nicht ernst genommen hätten, gegenüber 52 Prozent der befragten Männer.

Auch Daten der niederländischen Rundfunkanstalt BNNVARA zeigen, dass rund 80 Prozent der Patienten mit unerklärten Beschwerden Frauen sind. Zudem hielt der Austrian Health Report 2026 fest, dass Frauen deutlich häufiger als Männer berichten, ihre Beschwerden würden als psychisch oder psychosomatisch abgetan.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70313793 |