Demenz, Lancet-Studie

Fast jede zweite Demenz ist vermeidbar

22.05.2026 - 15:39:50 | boerse-global.de

Lancet-Studie zeigt: Bis zu 45 Prozent der Demenzfälle sind durch Prävention vermeidbar. Neue Bluttests und KI-Methoden revolutionieren die Früherkennung.

Fast jede zweite Demenz ist vermeidbar - Foto: über boerse-global.de
Fast jede zweite Demenz ist vermeidbar - Foto: über boerse-global.de

Das zeigen aktuelle Analysen der Lancet-Kommission. In Deutschland sind rund 1,8 Millionen Menschen betroffen, jährlich kommen etwa 450.000 Neudiagnosen hinzu. Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Identifikation von Risikogruppen – Jahre bevor erste Symptome auftreten.

14 Risikofaktoren im Visier der Forschung

Die Lancet-Kommission hat 14 Kriterien identifiziert, die das Erkrankungsrisiko maßgeblich beeinflussen. Dazu zählen Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes und Rauchen. Aber auch weniger beachtete Faktoren wie Hörverlust, soziale Isolation und die Verarbeitung von Traumata spielen eine Rolle.

Der Mediziner Dietrich Grönemeyer verwies in einem Fachgespräch am heutigen Freitag auf diese Erkenntnisse. Durch konsequente Beeinflussung der Faktoren ließen sich weltweit fast die Hälfte aller Demenzfälle vermeiden.

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Digitale Werkzeuge sollen die Erkenntnisse nun in die Breite bringen. Ein Beispiel ist der Präventionscoach des Projekts digiDEM Bayern. Das kostenfreie Tool hilft bei der Risikoeinschätzung und der Reduktion individueller Faktoren. Für den 26. Mai ist ein Webinar angekündigt, das die Möglichkeiten vertieft.

Wissenschaftsakademien wie Acatech und die Leopoldina fordern eine datengesteuerte Strategie. Systematisch erhobene Gesundheitsdaten könnten Risikogruppen identifizieren. Das würde gezielte Aufklärungskampagnen und Präventionsprogramme effizienter machen.

Infrarot-Sensoren erkennen Alzheimer Jahre vorher

Ein zentrales Problem der Demenztherapie: Die Diagnose kommt oft zu spät. Wenn Ärzte die Krankheit feststellen, sind die Schäden im Gehirn meist irreparabel. Neue Technologien versprechen nun einen Durchbruch.

Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum hat einen Immuno-Infrarot-Sensor entwickelt. Er erkennt Biomarker für Alzheimer und Parkinson im Blut – und zwar Jahre vor den ersten Symptomen. Die Methode zielt auf die Fehlfaltung von Proteinen wie Amyloid-beta und Alpha-Synuclein ab.

Die Ausgründung BetaSENSE treibt derzeit die Zulassung nach der europäischen In-vitro-Diagnostika-Verordnung (IVDR) voran. Ziel ist der Einsatz im klinischen Alltag.

Parallel dazu arbeitet das EU-Projekt 2D-BioPAD an einem graphenbasierten Biosensor für Hausarztpraxen. Er soll mehrere Biomarker gleichzeitig analysieren können – kostengünstig und schnell.

Dass die Suche nach Diagnostik-Methoden über Labortests hinausgeht, zeigt eine Studie der Universität Évora. Forscher analysierten die Handschrift älterer Probanden. Kognitive Beeinträchtigungen korrelieren demnach mit langsameren Bewegungen, verzögerten Starts und zerstückelten Abläufen beim Diktat.

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Immunzellen und Schlaf: Neue Erkenntnisse aus der Forschung

Die Grundlagenforschung liefert kontinuierlich neue Erklärungsmodelle. Ein internationales Team der Universitäten Augsburg und Leipzig entdeckte eine bislang unbekannte Immunzell-Population im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Die Mikroroskopiemethode CODEX-CNS zeigte: Diese speziellen Mikroglia-Zellen sammeln sich fast ausschließlich in der Nähe bestimmter Amyloid-beta-Plaques. Die Erkenntnis könnte neue therapeutische Ansätze ermöglichen.

Auch der Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Hirnstoffwechsel rückt in den Fokus. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Science betont die Rolle des glymphatischen Systems. Dauerhafte Schlafstörungen könnten den Abtransport schädlicher Proteine stören – und damit das Demenzrisiko erhöhen.

Smartwatches könnten hier helfen: Über die Überwachung der Herzfrequenz-Variabilität liefern sie Hinweise auf gestörte Reinigungsprozesse im Gehirn.

Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena identifizierten einen Mangel an Phosphatidylcholin als Ursache für mitochondriale Alterung. Eine Supplementierung stabilisierte in Versuchen die Energieleistung der Zellen. Besonders betroffen: Frauen in der Menopause.

Wirtschaftlicher Druck zwingt zum Umdenken

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Demenz-Epidemie sind enorm. Alzheimer allein ist für etwa 60 Prozent aller Fälle verantwortlich. Ein Fallbericht von Alzheimer Deutschland beschreibt eine 81-jährige Patientin, deren Zustand seit fünf Jahren stabil blieb – dank Transkranieller Pulsstimulation (TPS). Sie kann weiterhin zu Hause leben.

Solche Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, innovative Behandlungsformen kritisch zu prüfen. Gegebenenfalls gehören sie in die Regelversorgung.

Gleichzeitig wandeln sich pflegerische Konzepte. Auf der regionalen Pflegekonferenz in Alzey-Worms wurde das Modell Stambulant vorgestellt. Es verbindet ambulante und stationäre Pflegeelemente mit einer 24-Stunden-Bereitschaft – zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz in verschiedenen Stadien.

Der ökonomische Druck zwingt dazu, Prävention nicht nur als medizinische, sondern auch als volkswirtschaftliche Notwendigkeit zu begreifen. Investitionen in die Früherkennung könnten langfristig die Kosten für die stationäre Langzeitpflege senken.

KI und Bluttests: Wohin die Reise geht

Die kommenden Monate werden entscheidend für die Überführung der Forschung in die Praxis. Der Bewerbungsschluss für den Niedersächsischen Gesundheitspreis Ende Juli 2026 unterstreicht das politische Interesse. Die Kategorie „gesundes Altern und digitale Technologien“ zeigt die Richtung.

KI-gestützte Diagnosemodelle – etwa bei der Analyse von Darmbakterien – erreichen bereits eine Genauigkeit von 79 Prozent. Kombiniert mit flächendeckenden Screening-Angeboten könnten sie die Demenzversorgung grundlegend verändern.

Experten wie Grönemeyer plädieren dafür, Prävention bereits im mittleren Lebensalter zu verankern. Viele Prozesse beginnen Jahrzehnte vor der eigentlichen Diagnose.

Mit der Marktreife neuer Bluttests rückt das Ziel näher: Demenz von einer schicksalhaften Alterserscheinung zu einer beeinflussbaren und behandelbaren chronischen Erkrankung zu transformieren.

Ob die IVDR-Zulassungen für neue Testverfahren zeitnah erfolgen – und wie schnell Hausarztpraxen mit der Graphen-Technologie ausgestattet werden – bleibt eine der zentralen Fragen für die Branche im Jahr 2026.

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de | wissenschaft | 69402007 |