FASD: Universität Heidelberg beziffert Lebenszeitkosten auf bis zu 1,5 Mio. Euro
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deAlkoholkonsum während der Schwangerschaft zieht erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für das ungeborene Kind nach sich. Eine Untersuchung der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg belegt erstmals die enormen ökonomischen Folgekosten dieses Phänomens.
Im Auftrag der AOK Baden-Württemberg ermittelten die Forscher die lebenslangen finanziellen Belastungen durch Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) für das Bundesland Baden-Württemberg. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung wurden in der Fachzeitschrift Public Health publiziert, wie aus einem Bericht von swr.de vom 25.09.2026 hervorgeht.
Hohe finanzielle Belastungen pro Betroffenem und Jahrgang
Die Berechnungen der Universität Heidelberg verdeutlichen das erhebliche finanzielle Ausmaß der Folgeerscheinungen. Den Studienergebnissen zufolge belaufen sich die Lebenszeitkosten für einen einzelnen betroffenen Menschen auf rund 0,9 bis 1,5 Mio. Euro.
Auf die Gesamtheit eines einzelnen Geburtsjahrgangs hochgerechnet, ergeben sich daraus beträchtliche Summen. Die Wissenschaftler beziffern die inflationsbereinigten Kosten pro Geburtsjahrgang auf 11,1 bis 19,8 Mrd. Euro. Wird auf eine entsprechende rechnerische Umrechnung verzichtet, belaufen sich die Aufwendungen pro Jahrgang sogar auf bis zu 53 Mrd. Euro.
Welche Kostenfaktoren in die Berechnung einflossen
Für die Ermittlung dieser Werte berücksichtigte die Universität Heidelberg ein breites Spektrum an direkten und indirekten ökonomischen Folgen. In die Kalkulation flossen unter anderem die Aufwendungen für unterstütztes Wohnen, sonderpädagogische Förderung und psychiatrische Versorgung ein.
Eine Untersuchung der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg zeigt erstmals, wie teuer Alkohol in der Schwangerschaft wird: Bis zu 1,5 Mio. Euro Lebenszeitkosten trägt die Gesellschaft pro betroffenem Menschen. Für werdende Eltern zählt vor allem eines — früh zu wissen, wie sie ihr Kind schützen. Unser kostenloser Leitfaden begleitet Sie mit einer Monat-für-Monat-Checkliste für eine alkoholfreie Schwangerschaft und zeigt, wo Sie Unterstützung finden. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern
Ebenfalls einbezogen wurden die Behandlungskosten für alkoholbezogene Folgeerkrankungen sowie die volkswirtschaftlichen Produktivitätsverluste, die durch die Einschränkungen der Betroffenen entstehen.
Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass die tatsächlichen Gesamtkosten noch höher ausfallen könnten. Mehrere wesentliche Bereiche blieben in der vorliegenden Analyse unberücksichtigt: So flossen die allgemeine medizinische Versorgung sowie die Pflegeleistungen durch Angehörige nicht in die Rechnung ein. Auch Faktoren wie eine vorzeitige Sterblichkeit und Einbußen bei der individuellen Lebensqualität wurden in den ermittelten Summen nicht abgebildet.
Hohe Konsumraten im regionalen und globalen Vergleich
Hintergrund der ökonomischen Analyse sind anhaltend besorgniserregende Konsumdaten. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) trinken in manchen Regionen Deutschlands bis zu 38% der schwangeren Frauen Alkohol.
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Auch auf internationaler Ebene bleibt das Problem weit verbreitet. Eine internationale Schätzung geht davon aus, dass weltweit rund 9,8% der Frauen während der Schwangerschaft Alkohol zu sich nehmen. Den Schätzungen zufolge bringt dabei jede 67. dieser Frauen ein Kind zur Welt, das das Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) aufweist.
Die Erhebung der Universität Heidelberg unterstreicht somit, dass Präventionsmaßnahmen nicht nur aus medizinischer Sicht, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive von zentraler Bedeutung sind.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von SWR.
