FactoryX, NHN

FactoryX: NHN Cloud baut KI-Infrastruktur mit 27,4 Exaflops

26.05.2026 - 12:30:33 | boerse-global.de

NHN Cloud launcht mit FactoryX eine Full-Stack-KI-Plattform und strebt bis 2027 einen KI-Umsatzanteil von über 50 Prozent an.

FactoryX: NHN Cloud baut KI-Infrastruktur mit 27,4 Exaflops - Foto: über boerse-global.de
FactoryX: NHN Cloud baut KI-Infrastruktur mit 27,4 Exaflops - Foto: über boerse-global.de

Der südkoreanische Technologiekonzern NHN Cloud will mit seiner neuen Full-Stack-KI-Marke FactoryX zum nationalen Vorreiter für KI-Infrastruktur aufsteigen. Das gab CEO Kim Dong-hoon am heutigen Dienstag bekannt.

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Vom LLM-Wettlauf zur Infrastruktur-Revolution

Der globale KI-Wettbewerb habe sich längst von der Entwicklung großer Sprachmodelle auf die zugrundeliegenden Betriebsumgebungen verlagert, erklärte Kim Dong-hoon bei der Vorstellung. FactoryX bündelt GPU-Ressourcen, Plattform-Tools und KI-Agenten-Dienste in einem einzigen Ökosystem. Ziel ist es, die erheblichen Ineffizienzen im aktuellen Enterprise-KI-Markt zu beseitigen.

Die Ambitionen sind ehrgeizig: Der Anteil der KI-bezogenen Dienstleistungen am Gesamtumsatz soll von 13 Prozent im Jahr 2025 auf 38 Prozent bis Ende 2026 steigen. Für 2027 peilt das Unternehmen sogar mehr als 50 Prozent an. NHN Cloud will zudem bis Ende 2026 die Gewinnschwelle erreichen – gestützt auf organisatorische Erweiterungen und die Integration spezialisierter Technologiepartner.

Das Milliarden-Problem der ungenutzten GPUs

Ein zentrales Problem adressiert FactoryX direkt: die katastrophale Auslastung teurer Hardware. Nur sieben Prozent der Unternehmen nutzen ihre GPUs mit hoher Effizienz, lediglich sieben Prozent erreichen Auslastungsraten von über 85 Prozent. Die finanziellen Folgen sind enorm – ein ungenutzter H100-Chip kostet umgerechnet knapp zwei Euro pro Stunde. Bei nur 50 Prozent Auslastung könnten Unternehmen jährlich umgerechnet rund 140 Milliarden Won verschwenden.

Dagegen setzt NHN Cloud das Management-Tool GPU Live, das Arbeitslasten dynamisch verteilt und die Auslastung maximiert. Ergänzt wird dies durch AI EasyMaker, eine Entwicklungsplattform, die die Erstellung und Bereitstellung von KI-Modellen vereinfacht. Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist zudem Project X angekündigt – ein KI-Agenten-Dienst, der auch Nicht-Entwicklern den Zugang zu komplexen KI-Aufgaben ermöglicht.

Flüssigkeitskühlung für 27,4 Exaflops Rechenleistung

Das Herzstück der neuen Marke ist das Rechenzentrum FactoryX Seoul. Es beherbergt 7.656 Nvidia B200-GPUs und erreicht eine Rechenleistung von 27,4 Exaflops. Die immense Hitze wird durch eine vollständige Flüssigkeitskühlung abgeführt – ein Wechsel, der die Ausfallrate von Hardwarekomponenten um den Faktor drei senken soll.

International expandiert NHN Cloud ebenfalls: Ein neues Rechenzentrum in Pohang ist in Planung, für Japan sind Investitionen zwischen 2027 und 2028 vorgesehen. Das Unternehmen wächst jährlich um rund 24 Prozent und hat kürzlich die Übernahme von Innogrid abgeschlossen, um seine Cloud- und Virtualisierungsfähigkeiten zu stärken.

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Wettlauf um souveräne KI in Südkorea

NHN Cloud ist nicht allein im Rennen um KI-Infrastruktur. Ende Mai 2026 gaben SK Group und Nvidia eine Partnerschaft zum Bau einer „KI-Fabrik" mit über 50.000 Nvidia-GPUs bekannt. Die erste Phase soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. SK Telecom entwickelt parallel verteidigungsspezifische KI-Modelle für das südkoreanische Verteidigungsministerium.

Auch Samsung drängt in den Markt: Der Konzern entwickelt Nearline-SSDs mit Kapazitäten von 250 Terabyte bis zu einem Petabyte für die datenintensiven Anforderungen von KI-Clustern. Das Forschungsinstitut ETRI präsentierte mit OmniXtend eine Technologie, die den „Memory Wall"-Engpass beim Training großer Sprachmodelle überwinden soll.

Vom Baukonzern zum KI-Infrastrukturbauer

Der Trend zu Full-Stack-Lösungen wie FactoryX verändert ganze Branchen. Südkoreanische Baukonzerne verlagern ihren Fokus zunehmend von Wohnungsbau auf Halbleiterfabriken und KI-Rechenzentren. SK Ecoplant verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 74,7 Prozent im Hightech-Bereich.

Auch international verschärft sich der Wettbewerb: Huawei präsentierte erst vor wenigen Tagen seine eigene Full-Stack-Dateninfrastruktur für KI-Rechenzentren. Der Markt reift rasant – Anbieter konkurrieren zunehmend über integrierte Software-Hardware-Effizienz statt über reine Rechenleistung.

Ausblick: Wird Südkorea zur KI-Nation?

Der Erfolg von NHN FactoryX und der Partnerschaften zwischen südkoreanischen Firmen und globalen Hardware-Anbietern wird maßgeblich über die digitale Souveränität des Landes entscheiden. Naver Cloud, ein weiterer großer Player, exportiert bereits sein souveränes KI-Modell global und baut mit Dell und Nvidia Rechenzentren in Thailand und Saudi-Arabien.

Für NHN Cloud wird die Markteinführung von Project X in der zweiten Jahreshälfte 2026 zum entscheidenden Test. Gelingt es dem Unternehmen, die Lücke zwischen leistungsfähiger Hardware und einfacher Bedienbarkeit für Nicht-Techniker zu schließen, könnte das ambitionierte Umsatzziel von 50 Prozent bis 2027 erreichbar sein. Die nächsten zwei Jahre versprechen eine intensive Phase des physischen und operativen Wachstums.

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