Fachkräftemangel, Deutschland

Fachkräftemangel: Deutschland fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte bis 2036

18.06.2026 - 06:41:42 | boerse-global.de

Bis 2036 droht Deutschland ein Verlust von über 4,3 Millionen Erwerbspersonen. KI-Kenntnisse werden zum entscheidenden Gehaltsfaktor.

Arbeitskräftemangel bis 2036: 4,3 Millionen fehlen der Wirtschaft
Fachkräftemangel - Eine Gruppe von Geschäftsleuten betrachtet eine holografische Projektion mit Daten zur Personalplanung und demografischen Trends. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom Juni 2026. Der Grund: Die Babyboomer gehen in Rente, der Nachwuchs fehlt.

Zwischen 2022 und 2036 scheiden rund 16,5 Millionen Menschen aus dem Erwerbsleben aus. Nur 12,5 Millionen junge Arbeitskräfte rücken nach. Die Folge: Das Erwerbspersonenpotenzial sinkt von 55 Millionen (2025) auf voraussichtlich 51,2 Millionen im Jahr 2036.

Fachkräftemangel: Entspannung nur auf den ersten Blick

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Das KfW-Ifo-Fachkräftebarometer für das zweite Quartal 2026 zeigt: 21 Prozent der Unternehmen melden einen Mangel an Fachkräften. Das klingt nach einer Verbesserung – zum Höchststand von fast 50 Prozent im dritten Quartal 2022. Doch Experten warnen: Der Rückgang liegt an der schwachen Konjunktur, nicht an strukturellen Verbesserungen.

Besonders hart trifft es das Bauhauptgewerbe: Hier fehlt in knapp jedem dritten Betrieb Personal. Im Dienstleistungssektor sind 25 Prozent der Firmen betroffen, in der Industrie 14 Prozent.

KI als Gehaltstreiber: 62 Prozent mehr Lohn

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Arbeit, sondern auch die Gehälter. Eine PwC-Studie aus dem Juni 2026 zeigt: KI-exponierte Unternehmen steigerten ihre Produktivität seit 2018 um 163 Prozent – das Fünffache des Branchendurchschnitts.

Wer KI-Kenntnisse vorweisen kann, verdient im Schnitt 62 Prozent mehr. In der Konsumgüterbranche sind es sogar bis zu 118 Prozent. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach diesen Skills explodiert.

Laut einer KPMG-Erhebung bewerten inzwischen 98 Prozent der Unternehmen KI als relevant für ihr Geschäftsmodell. 2024 lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Dennoch: 67 Prozent der Firmen planen, vorerst weniger als zehn Prozent ihres Budgets direkt in KI zu investieren.

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Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bezeichnete die Technologie Mitte Juni als existenzielle Frage für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Souveränität. Er fordert den Ausbau eigener Infrastrukturen wie Rechenzentren und Chipfertigungen.

Schluss mit Diplomen: Unternehmen setzen auf Skills

Die Halbwertszeit von Qualifikationen sinkt rapide. Roland Berger schätzt sie auf nur noch 12 bis 18 Monate. 60 Prozent der heutigen Studierenden werden später in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt.

Die Konsequenz: Unternehmen verändern ihre Einstellungskriterien. Statt auf formale Abschlüsse achten sie auf Zukunftskompetenzen. Die VW-Tochter Moia sucht für autonomes Fahren gezielt Personal über Tests der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit – klassische Diplome sind zweitrangig.

Der Trend zeigt sich auch auf Jobplattformen: Der Anteil an Stellen, die explizit für Quereinsteiger offen sind, hat sich in den letzten Jahren mehr als versechsfacht.

Politik reagiert: Neue Allianzen und regionale Projekte

Mitte Juni startete die neue Allianz für Aus- und Weiterbildung für den Zeitraum 2026 bis 2029. Sie soll die Fachkräftesicherung bundesweit koordinieren. Parallel dazu entstehen regionale Initiativen wie der Zukunftskonvent der Region Stuttgart, der die digitale Transformation durch sechs definierte Missionen vorantreibt.

Auch auf kommunaler Ebene tut sich etwas: Wien plant eine spezialisierte IT-Schule für 600 Schüler zum Schuljahr 2029/30 sowie ein großflächiges Robotik-Labor. In Berlin wurden Mitte Juni innovative Ausbildungskonzepte ausgezeichnet – etwa Projekte, die digitale Elemente in Schülerpraktika integrieren oder die Praxisanleitung in der Verwaltung optimieren.

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