Fachkräftemangel: 56% nutzen KI, aber nur 27% sind geschult
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit entstehen neue Partnerschaften zwischen Tech-Konzernen und Hochschulen, um den wachsenden Fachkräftemangel in KI, Cloud-Computing und Cybersicherheit zu bekämpfen. Während Unternehmen generative KI immer schneller einführen, hinkt die Mitarbeiterqualifikation hinterher – ein Problem, das nun mit beschleunigten Zertifikatsprogrammen angegangen wird.
Indien: Google schult 300.000 Studierende
Am 22. Juli unterzeichnete Google eine Absichtserklärung mit der Visvesvaraya Technological University (VTU). Ziel: 300.000 Studierende an 220 Ingenieurhochschulen in den Bereichen KI, Cloud, Datenwissenschaft und Cybersicherheit ausbilden. Das Programm ist Teil eines größeren Pakets, das auch eine Zusammenarbeit mit Qualcomm für ein „Edge AI Center of Excellence" und eine Investition von 200 Millionen Rupien (rund 2,2 Millionen Euro) der Bharat Skills Foundation umfasst.
Parallel dazu startete die Bildungsplattform upGrad in Kooperation mit iHUB DivyaSampark am IIT Roorkee Offline-Zertifikatskurse. Ab sofort werden an 23 Standorten in ganz Indien Programme in Datenwissenschaft und Full-Stack-Entwicklung angeboten – mit Masterclasses von Dozenten der renommierten Indian Institutes of Technology (IITs) und National Institutes of Technology (NITs).
Das IIT Delhi eröffnete zudem die Bewerbungsphase für den vierten Durchgang seines „Executive Programme in Tech Product Management". Der sechsmonatige Online-Kurs kostet umgerechnet rund 2.000 Euro und behandelt den gesamten Produktlebenszyklus sowie Tools wie JIRA, Figma und SQL.
EU-Regulierung treibt den Druck
Der Vorstoß für mehr digitale Kompetenzen kommt nicht von ungefähr. Seit Februar 2025 gilt im Rahmen des EU AI Acts eine Pflicht zur KI-Kompetenz – und ab August 2026 kommen weitere Anforderungen hinzu. Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre Mitarbeiter über ausreichende Kenntnisse im Umgang mit KI-Systemen verfügen.
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Die Dringlichkeit belegt die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026, für die 500 Unternehmen befragt wurden. Ergebnis: 56 Prozent der Organisationen nutzen bereits generative KI – aber nur 27 Prozent haben ihre Mitarbeiter dafür geschult. Und obwohl 87 Prozent der Firmen Weiterbildung für essenziell halten, besitzt lediglich ein knappes Drittel eine schriftliche Strategie zur Kompetenzentwicklung. Das World Economic Forum prognostiziert, dass sich bis 2030 rund 39 Prozent der Kernkompetenzen in Berufen grundlegend verändern werden.
Für den deutschen Arbeitsmarkt heißt das: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete allein im ersten Quartal 2026 rund 1,15 Millionen offene Stellen – viele davon mit hohen digitalen Anforderungen. Anbieter wie das IFDE bieten daher zertifizierte KI-Programme an, die über staatliche Bildungsgutscheine finanzierbar sind.
Express-Zertifikate in nur zwei Tagen
Auch private Anbieter verkürzen die Zeit bis zur Zertifizierung drastisch. Am 21. Juli startete ONLC sein „Microsoft Express"-Programm: Zweitägige Präsenzkurse zum Preis von je 995 US-Dollar (rund 920 Euro). Sie bereiten auf Microsoft-Zertifikate in KI, Datenkompetenz und Cloud-Sicherheit vor.
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Für Führungskräfte haben DigitalWinners und DenkArbeit.Ruhr einen neuen 12-wöchigen Zertifikatskurs für KI-Strategieberater angekündigt. Start ist der 18. September 2026. Der Kurs adressiert ein massives Problem: Laut einer zitierten MIT-Studie scheitern 95 Prozent aller KI-Pilotprojekte. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) meldet, dass KI-Beratung 2025 um 18,8 Prozent wuchs – für 2026 wird ein Plus von 22 Prozent erwartet.
Inklusion: Förderung für benachteiligte Gruppen
Mehrere Initiativen zielen darauf ab, auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen an die digitale Wirtschaft anzubinden. Das Bundesland Hessen stellte am 22. Juli eine jährliche Förderung von rund 15.000 Euro für das Projekt „NEXT GEN DIGITAL" bereit. Getragen vom Kolpingwerk Fulda, bietet es Workshops für 15- bis 27-Jährige zu Datenschutz, KI und Social Media.
In Pakistan vergab Tech Valley 500 Google Career Certificate-Stipendien an die Organisation Developments in Literacy (DIL). Die Zertifikate decken 14 Spezialisierungen ab – von UX-Design bis Projektmanagement.
Die KI-gestützte Plattform Zuvy meldete am 22. Juli über 8.000 aktive Lernende in 25 indischen Bundesstaaten, mit Schwerpunkt auf Frauen und Erstakademikern. Die Plattform vermittelte über 130 Absolventen an Unternehmen wie Google, Microsoft und SAP – nach Trainingsprogrammen, die zwischen 80 und 1.400 Stunden dauern.
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