Fachkräftemangel, Engpässe

Fachkräftemangel: 23,2% der Unternehmen berichten Engpässe

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

IW-Studie: Ohne Zuwanderung fällt die Zahl der Erwerbsfähigen in Ostdeutschland bis 2045 drastisch. Migration mildert den Rückgang bisher spürbar.

Ostdeutschland: Erwerbspersonenpotenzial sinkt bis 2045 um 22 Prozent
Ein moderner, menschenleerer Arbeitsplatz in einem Büro, der den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die demografische Entwicklung in Ostdeutschland steht vor einer kritischen Phase. Aktuelle Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln vom 21. August 2026 verdeutlichen, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren ohne eine kontinuierliche Zuwanderung massiv sinken wird.

Während in den neuen Bundesländern derzeit noch 7,74 Millionen Personen dieser Altersgruppe angehören, könnte dieser Wert bis zum Jahr 2035 auf 6,78 Millionen und bis 2045 auf lediglich 6 Millionen fallen. Dies entspräche einem Rückgang von 22 % gegenüber dem aktuellen Stand.

Langfristige Schrumpfung und regionale Disparitäten

Der beobachtete Abwärtstrend ist Teil einer jahrzehntelangen Entwicklung. Bereits im Zeitraum von 1995 bis 2025 sank die Zahl der Erwerbsfähigen in Ostdeutschland um 23 % – von ursprünglich 10,05 Millionen auf die heutigen 7,74 Millionen. Damit einhergehend verringerte sich der Anteil dieser Gruppe an der ostdeutschen Gesamtbevölkerung von 70,9 % auf 62,7 %.

Die Prognosen für das Jahr 2045 zeigen zudem eine deutliche Schere zwischen Ost- und Westdeutschland: Während das Potenzial im Osten ohne Migration um 22,4 % einbrechen dürfte, wird für den Westen ein Rückgang von 17,4 % erwartet.

Innerhalb Ostdeutschlands offenbaren sich erhebliche regionale Unterschiede. Besonders stark betroffen sind laut IW-Bericht Mecklenburg-Vorpommern mit einem prognostizierten Minus von 25 % und Sachsen-Anhalt mit einem Rückgang von 24 %.

In Sachsen wird ein Minus von 19,1 % erwartet, während Berlin mit einem Rückgang von 10,6 % vergleichsweise stabil bleiben dürfte. Das IW warnt in diesem Zusammenhang vor einem drohenden Teufelskreis: Ein Mangel an Dienstleistungen infolge fehlender Arbeitskräfte könne die Abwanderung weiter beschleunigen.

Die stabilisierende Wirkung der Migration

Die Daten belegen zudem, dass die Zuwanderung bereits in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes geleistet hat.

Seit 2012 stieg der Ausländeranteil in Ostdeutschland signifikant an – von 3,1 % im Jahr 2010 auf 9,9 % im Jahr 2025. In absoluten Zahlen ausgedrückt erhöhte sich die Zahl der ausländischen Personen im erwerbsfähigen Alter in diesem Zeitraum von 265.000 auf 765.000. Ohne diese Entwicklung wäre der Fachkräftemangel bereits heute weitaus deutlicher spürbar.

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Aktuelle Umfragen des Ifo-Instituts vom Juli 2026 bestätigen den hohen Druck auf die Wirtschaft: 23,2 % der befragten Unternehmen klagten über einen akuten Fachkräftemangel. Da Geburtenraten laut den Analysten erst ab dem Jahr 2040 einen spürbaren Effekt gegen den Rückgang erzielen können, bleibt die Steuerung der Erwerbsbeteiligung und Zuwanderung das zentrale Instrument der Personalplanung.

Das Ausscheiden der Babyboomer und technologische Lösungsansätze

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Renteneintrittsalter der sogenannten Babyboomer-Generation. Von den rund 19 Millionen Angehörigen der Jahrgänge 1954 bis 1969 befinden sich bereits 5 Millionen im Ruhestand. Weitere 14,1 Millionen stehen kurz davor.

Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der noch im Berufsleben stehenden Babyboomer auf 7,6 Millionen sinken, was einer Abnahme um 46,3 % entspricht. Bundesweit wird erwartet, dass das Erwerbspersonenpotenzial bis 2036 um 6,9 % auf 51,2 Millionen sinkt, da im selben Zeitraum lediglich 9,8 Millionen junge Menschen in das erwerbsfähige Alter nachrücken.

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Neben der Zuwanderung rücken technologische Innovationen als Kompensationsmöglichkeit in den Fokus. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert, dass sich in Deutschland innerhalb der nächsten 15 Jahre etwa 1,6 Millionen Arbeitsplätze durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz wandeln werden.

Der Einsatz generativer KI nimmt dabei rasant zu: Während im Jahr 2023 lediglich 5 % der Betriebe diese Technologie nutzten, waren es im August 2026 bereits 25 %.

In der Praxis werden bereits konkrete Ansätze zur Bewältigung des Wandels erprobt. Das Projekt „PerspektiveArbeit Lausitz“ (PAL), an dem seit 2021 fünf Hochschulen und zwei Dutzend Unternehmen beteiligt sind, präsentiert am 26. August 2026 an der BTU Cottbus-Senftenberg neue Möglichkeiten für intelligente Assistenzsysteme am Arbeitsplatz.

Solche Projekte zielen darauf ab, die Produktivität zu steigern und die verbleibenden Erwerbstätigen durch Technik zu unterstützen, um den demografischen Druck abzumildern.

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