FaceTime-Betrug: Interpol stoppt 5.811 Täter in 97 Ländern
Veröffentlicht am: 14.07.2026 um 21:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Statt auf Schadsoftware setzen sie auf psychologische Tricks – und räumen so Bankkonten leer.
So läuft der Betrug ab
Die Täter brauchen keine Hacker-Tools. Sie rufen ihre Opfer einfach per FaceTime an und geben sich als Apple-Mitarbeiter, Bankangestellte, Polizisten oder sogar als potenzielle Partner aus. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen – und dann zuzuschlagen.
Oft beginnt der Betrug mit einer SMS über angebliche verdächtige Kontobewegungen. Im Videoanruf setzen die Kriminellen ihre Opfer dann unter Druck: Sie sollen den Bildschirm teilen, um angebliche Sicherheitsprobleme zu beheben. In Wahrheit schnappen die Angreifer so Passwörter und TANs ab.
Apple stellt klar: Legitime Mitarbeiter werden niemals unaufgefordert per FaceTime anrufen oder nach Passwörtern fragen.
Interpol schlägt Alarm
Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Bei der Interpol-Aktion „First Light 2026“ gab es in 97 Ländern 5.811 Festnahmen. Die Ermittler sicherten Vermögenswerte in Höhe von 293 Millionen US-Dollar und identifizierten rund 142.000 Opfer.
Besonders KI-gestützte Angriffe bereiten Sorgen. Während klassisches Phishing auf etwa 12 Prozent Klickrate kommt, liegt die Quote bei KI-Angriffen bei erschreckenden 54 Prozent. In Berlin verlor eine Frau über eine Million Euro – sie war auf ein Deepfake-Video eines TV-Moderators hereingefallen.
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Die EU reagiert: Ab August greifen Transparenzpflichten des AI Act. Auch die Haftung für Banken wird verschärft.
Betrugsfälle auch in Deutschland
In Gifhorn verlor eine 66-Jährige am Wochenende über 40.000 Euro. Die Täter hatten per Call-ID-Spoofing die Nummer ihrer Bank gefälscht. In der Schweiz gelang der Polizei am Montag die Festnahme zweier Verdächtiger, die ein Seniorenpaar betrügen wollten.
Parallel warnen Verbraucherschützer vor Phishing gegen Commerzbank-Kunden. Per E-Mail oder SMS sollen Nutzer ihr PhotoTAN-Verfahren aktualisieren. Auch die Telekom warnt: Nach Smartphone-Diebstählen geben sich Kriminelle als Finder aus und kapern über gefälschte Links die Apple-ID oder das Google-Konto.
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Apple arbeitet an Gegenmaßnahmen
In der Beta von iOS 26.6 steckt eine neue Funktion namens „Malicious Message Detected“. Sie soll vor gefährlichen iMessages warnen und das Melden an Apple ermöglichen. Das Update kommt Ende des Monats.
Experten raten: Bei unaufgeforderten Anrufen misstrauisch bleiben, niemals den Bildschirm teilen und im Zweifel über offizielle Hotlines zurückrufen. Verdächtige FaceTime-Aktivitäten können direkt an Apple gemeldet werden.
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