EZB, Brasilien

EZB und Brasilien: Zahlungssysteme Pix und TIPS werden verbunden

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Brasiliens Pix und das EZB-System TIPS sollen verbunden werden. Ein Pilotprojekt ist für Juni 2028 vorgesehen, um Kosten zu senken.

Pix und TIPS: Brasilien und EZB planen gemeinsame Zahlungsbrücke
Ein minimalistischer, leerer Architekturraum mit klaren Linien und natürlichem Licht, der eine moderne und strukturierte Umgebung darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Die brasilianische Zentralbank und die Europäische Zentralbank (EZB) haben Verhandlungen über eine technologische Brücke zwischen ihren jeweiligen Sofortzahlungssystemen aufgenommen. Ziel der Gespräche ist es, das brasilianische System Pix direkt mit dem europäischen Dienst TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) zu verbinden.

Aktuell befinden sich die Partner in einer Voruntersuchungsphase, in der rechtliche Rahmenbedingungen sowie technische Anforderungen und Sicherheitsaspekte analysiert werden. Diese Phase soll bis September 2026 abgeschlossen sein.

Zeitplan und wirtschaftliche Zielsetzung

Nach Angaben der beteiligten Institutionen ist die Durchführung eines Pilotprojekts für die Pix-TIPS-Verbindung voraussichtlich für Juni 2028 geplant. Die Europäische Zentralbank bestätigte bereits den laufenden Austausch über das Vorhaben. Ein wesentlicher Treiber hinter der geplanten Interoperabilität ist die Senkung von Transaktionskosten.

Fachleute gehen davon aus, dass eine direkte Verknüpfung der Infrastrukturen die Abhängigkeit von klassischen Korrespondenzbankgebühren deutlich verringern könnte, was insbesondere den internationalen Zahlungsverkehr effizienter gestalten würde.

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Für Brasilien stellt die internationale Ausweitung von Pix einen zentralen Baustein der Finanzstrategie dar. Die Zentralbank des Landes hat bereits Abkommen zum Informationsaustausch bezüglich Pix mit 65 ausländischen Gegenparteien unterzeichnet.

Dennoch stößt die globale Expansion des Systems auch auf politischen Widerstand. So wurde Pix in den USA im Juli im Kontext von Diskussionen um Zölle in Höhe von 25 % auf brasilianische Waren als Beispiel für eine unfaire Praxis angeführt.

Die Rolle digitaler Infrastrukturen bei der EZB

Parallel zu den Verhandlungen mit Brasilien treibt die EZB die Modernisierung der europäischen Zahlungsverkehrsinfrastruktur voran. Im September 2026 startet das Projekt „Pontes“, das darauf abzielt, Distributed-Ledger-Technologien (DLT) mit dem bestehenden TARGET-System zu verbinden.

Vorangegangene Tests mit 64 beteiligten Institutionen konnten bereits ein Transaktionsvolumen von 1,6 Mrd. € erfolgreich abwickeln. Ein entsprechender Bauplan für die weitere Integration, bezeichnet als „Appia“, wird für das Jahr 2028 erwartet.

Diese Entwicklung fügt sich in eine breitere Strategie zur Digitalisierung der Währungsreserven ein. Ende August forderte EZB-Direktorin Isabel Schnabel im Rahmen des Jackson-Hole-Symposiums die Ausgabe von Zentralbankgeld-Reserven auf einer Blockchain. Dies sei notwendig, um die tragende Rolle des Zentralbankgeldes im modernen Finanzsystem langfristig zu sichern. Bereits seit dem 27. Januar 2026 lässt die EZB zudem DLT-basierte Vermögenswerte als Sicherheiten zu.

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Internationale Hürden und Wettbewerb

Während die Verhandlungen zwischen Brasilien und der Eurozone voranschreiten, verdeutlichen andere Projekte die Komplexität grenzüberschreitender Vernetzungen. Ein Vorschlag des Zahlungsdienstleisters Alipay+, die indische Schnittstelle UPI anzubinden, ist aufgrund von Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit ins Stocken geraten. Hierbei stehen insbesondere Fragen zur Datenspeicherung und der künftigen Datennutzung im Vordergrund.

Gleichzeitig drängen private Akteure in den Markt für digitale Euro-Zahlungen. So startete das Finanzunternehmen Revolut Ende August 2026 seinen Stablecoin EURR zunächst in Dänemark, Polen und Portugal. Solche Entwicklungen erhöhen den Druck auf staatliche Akteure, die staatliche Infrastruktur wie TIPS durch internationale Kooperationen wettbewerbsfähig zu halten.

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