EZB, Tokenisierung

EZB startet Tokenisierung: Zentralbankgeld für die Blockchain-Welt

05.05.2026 - 21:43:18 | boerse-global.de

Die EZB führt mit dem Pontes-Projekt tokenisiertes Zentralbankgeld für Blockchain-Transaktionen ein, um die geldpolitische Souveränität zu sichern.

EZB startet Tokenisierung: Zentralbankgeld für die Blockchain-Welt - Foto: über boerse-global.de
EZB startet Tokenisierung: Zentralbankgeld für die Blockchain-Welt - Foto: über boerse-global.de

Ab September 2026 stellt das Eurosystem tokenisiertes Zentralbankgeld über das Pontes-Projekt bereit. Das gab EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone am 4. Mai bekannt. Ziel ist es, Transaktionen auf Blockchain-Plattformen (DLT) sicherer und effizienter zu machen – und die geldpolitische Souveränität der Eurozone zu wahren.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Private Stablecoins gewinnen rasant an Bedeutung. Ohne ein zentralbankgestütztes Gegengewicht drohe der Markt in die Hände privater Anbieter zu fallen, warnte Cipollone. Das könnte die Wirksamkeit der Geldpolitik untergraben und die Stabilität des Euro gefährden. Mit der tokenisierten Variante des Zentralbankgeldes schafft die EZB eine sichere, regulierte Alternative.

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Pontes-Projekt: Die Brücke zur dezentralen Finanzwelt

Das Pontes-Projekt schließt eine entscheidende Lücke. Bislang fehlte in DLT-Umgebungen ein verlässliches, von der Zentralbank gestütztes Abwicklungsinstrument. Das soll sich nun ändern. Ab Herbst 2026 können Finanzinstitute tokenisierte Vermögenswerte direkt auf dezentralen Plattformen handeln und abrechnen – mit der Sicherheit von Zentralbankgeld im Hintergrund.

Die Initiative reiht sich ein in eine umfassende Digitalisierungsoffensive des europäischen Finanzsektors. Aktuelle Studien von Deutscher Bank und TechQuartier zeigen: Während „Open Finance“ die nötige Datenarchitektur bereitstellt, ist es die künstliche Intelligenz, die diese Daten in verwertbare Erkenntnisse verwandelt. Branchenexperten warnen jedoch: Fehlen regulierte Open-Finance-Standards, droht unkontrolliertes „Screenscraping“ durch KI-Agenten – ein Albtraum für Datenschützer.

Wero erobert den Markt – und bleibt doch Außenseiter

Parallel zur EZB-Innovation wächst das bestehende digitale Zahlungsökosystem. Die europäische Zahlungsinitiative Wero hat bereits 53 Millionen Nutzer, davon acht Millionen in Deutschland. Seit dem Online-Start Ende 2025 mit Partnern wie Eventim, Lidl und Rossmann positioniert sich Wero als kostengünstige Alternative zu globalen Anbietern.

Die Zahlen sprechen für sich: Händler zahlen bei Wero rund 0,77 Prozent plus sieben Cent pro Transaktion. Zum Vergleich: PayPal verlangt 2,49 Prozent. Dennoch liegt Wero in Deutschland erst bei vier Prozent Marktanteil – PayPal kommt auf 56 Prozent. Der stationäre Handel soll als nächstes folgen.

Ivy sammelt Millionen – KI dominiert Start-up-Finanzierung

Auch Wagniskapital fließt weiter in den Zahlungsverkehr. Das Berliner Start-up Ivy sicherte sich 20 Millionen US-Dollar in einer Series-A-Runde unter Führung von Valar Ventures. Die Bewertung liegt zwischen 80 und 90 Millionen Dollar. Ivys Plattform ermöglicht Händlern die Abwicklung von Echtzeit-Überweisungen per API – angebunden an 500 Millionen Bankkonten in über 50 Ländern.

Der Finanzierungsboom ist Teil eines größeren Trends. Laut KfW Research sammelten deutsche Start-ups im ersten Quartal 2026 insgesamt 1,7 Milliarden Euro ein – ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. KI-Unternehmen dominierten mit 58 Prozent des Gesamtvolumens, rund 967 Millionen Euro verteilt auf 71 Finanzierungsrunden.

SAP investiert Milliarden in KI-Forschung

Die integration von Künstlicher Intelligenz treibt auch die großen Player um. Am 4. Mai gab SAP gleich zwei Übernahmen bekannt. Der Softwarekonzern kauft Dremio, um SAP- und Nicht-SAP-Daten in der Business Data Cloud zu vereinen. Die Plattform basiert auf Apache Iceberg und soll „agentische KI“ unterstützen.

Noch ambitionierter ist der zweite Deal: SAP übernimmt Prior Labs und investiert über vier Jahre mehr als eine Milliarde Euro in ein Forschungslabor für Tabular Foundation Models (TFMs). Das Ziel: Modelle wie TabPFN-2.6, das auf der TabArena-Plattform führend ist, für Unternehmenskunden weiterzuentwickeln. Es ist eines der ehrgeizigsten KI-Forschungsprojekte eines europäischen Unternehmens.

„Germany Stack“: Der digitale Staat soll endlich Fahrt aufnehmen

Digitalminister Dr. Karsten Wildberger machte auf dem OMR Festival am 5. Mai deutlich: Deutschland hinkt bei der digitalen Marktkapitalisierung meilenweit hinterher. Zum Jahreswechsel 2026 standen US-Börsen mit 69 Billionen Dollar zu Buche – Deutschland gerade einmal mit 2,4 Billionen. Wildbergers Rezept: ein nationales Verwaltungs-IT-System namens „Germany Stack“.

Konkrete Projekte sind bereits in der Pipeline:
- Die „Germany App“: Pilotphase im Sommer 2026, voller Rollout 2027. Bürger sollen Behördengänge per Smartphone erledigen können.
- EUDI-Wallet: Digitale Identität und Führerschein – Start zum Jahreswechsel 2026/2027.
- Rechenzentren: Eine nationale Strategie vom März 2026 sieht vor, die Gesamtkapazität bis 2030 zu verdoppeln, für KI und Hochleistungsrechnen sogar zu vervierfachen.

Regulierungsstau: EU-AI-Gesetz und Omnibus hängen fest

Der Weg zur vollständigen Digitalisierung ist steinig. Der zweite politische Trilog zum „Digital Omnibus on AI“ endete am 28. April ohne Einigung. Streitpunkt: Konformitätsbewertungen für KI in regulierten Produkten.

Die Folgen sind konkret: Die Durchsetzung von Hochrisiko-KI-Pflichten wurde verschoben. Für bestimmte Hintergrundkategorien gilt nun der 2. Dezember 2027, für regulierte Produkte der 2. August 2028. Ohne Omnibus-Einigung drohen die allgemeinen Hochrisiko-Pflichten des EU-AI-Gesetzes bereits am 2. August 2026 in Kraft zu treten.

Der Industrieverband ZVEI schlägt Alarm. Man fordere einen robusten Mechanismus, um Konflikte zwischen dem AI-Gesetz und bestehenden sektorspezifischen Regelungen zu vermeiden. Immerhin gibt es einen Lichtblick: In Baden-Württemberg startete am 5. Mai ein „Reallabor für rechtskonforme KI und Robotik“ – mit zwei Millionen Euro Landesförderung, um kleinen und mittleren Unternehmen durch den Regulierungsdschungel zu helfen.

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Ausblick: Digitale Souveränität als gemeinsames Ziel

Der erfolgreiche Start des Pontes-Projekts im September könnte der entscheidende Katalysator sein. Endlich verbindet er moderne DLT-Plattformen mit der Stabilität von Zentralbankgeld. Die Hoffnung: Beschleunigte Echtzeit-Abwicklung für Groß- und Einzelhandelstransaktionen.

Doch die Transformation hängt von mehr ab als von einer einzelnen Initiative. Verwaltungsdigitalisierung, KI-Forschung und Infrastrukturinvestitionen müssen gleichzeitig voranschreiten. Während der „Germany Stack“ und die Rechenzentrumsstrategie den Fahrplan für mehr digitale Souveränität liefern, richten sich alle Blicke auf den Start der EUDI-Wallet und die Integration von KI-Agenten in Finanzprozesse.

Start-ups wie Ivy und etablierte Konzerne wie SAP ziehen weiterhin Kapital und Talente an. Die europäische Digitalwirtschaft tritt in eine neue Phase ein: die Verschmelzung von regulierter Finanzstabilität und rasanter technologischer Innovation. Ob das gelingt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

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