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EZB-Forum Sintra: Nur 14% der EU-Jobs durch KI gefährdet

Veröffentlicht: 01.07.2026 um 16:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

OpenAI-Chefökonom Chatterji sieht KI als Job-Ergänzung, nicht als Ersatz. Stabile Beschäftigung in den USA und Europa untermauern diese These.

OpenAI-Ökonom: KI-Befürchtungen am Arbeitsmarkt übertrieben
EZB-Forum - Eine futuristische, leuchtende neuronale Netzwerkgrafik überlagert arbeitende Menschen im Büro, symbolisiert KI und Jobs. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Arbeitsmarktdaten würden diese Befürchtungen nicht stützen.

Chatterji sprach am 30. Juni und 1. Juli 2026 auf dem Jahresforum der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. Seine Kernbotschaft: KI-Technologie fungiere bislang überwiegend als Ergänzung menschlicher Arbeit – nicht als Ersatz.

Stabile Beschäftigung trotz KI-Boom

Trotz der rasanten Verbreitung von KI-Werkzeugen hätten die großen Volkswirtschaften stabile Beschäftigungsniveaus gehalten, betonte der Ökonom. Die Arbeitslosigkeit in den USA liege weiterhin unter fünf Prozent. Auch in Europa seien keine signifikanten Arbeitsplatzverluste durch KI erkennbar.

Besonders deutlich wird dies im Softwareentwicklungssektor. Frühe Prognosen hatten hier massive Automatisierungseffekte vorhergesagt. Statt zu schrumpfen, blieb die Nachfrage nach Entwicklern jedoch stabil. Chatterji erklärte dies mit dem sogenannten Jevons-Paradoxon: Sinkt durch KI der Preis für bestimmte technische Aufgaben, steigt die Gesamtnachfrage nach diesen Dienstleistungen – und damit der Bedarf an Arbeitskräften.

Zur Veranschaulichung zog er einen historischen Vergleich: Die Einführung des Personal Computers in den 1980er-Jahren habe ebenfalls keine Massenarbeitslosigkeit ausgelöst, sondern Produktivität gesteigert und Arbeitsweisen verändert.

„AI Washing" bei Entlassungen

Chatterji prägte in diesem Zusammenhang den Begriff „AI Washing". Damit meint er Unternehmen, die allgemeine Personalreduzierungen fälschlicherweise auf KI-Implementierungen zurückführen. Tatsächlich seien Entlassungen in verschiedenen Branchen oft auf andere wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen – nicht auf direkte Substitution durch automatisierte Systeme.

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Diese Einschätzung deckt sich mit früheren Aussagen der OpenAI-Führung. Bereits im Mai 2026 hatte CEO Sam Altman eingeräumt, dass seine früheren Prognosen einer massiven Arbeitsmarktstörung nicht eingetroffen seien. Chatterji, der am 22. Oktober 2024 zu OpenAI stieß, plädierte dafür, dass Unternehmen stärker in Humankapital und Umschulung investieren sollten, statt ausschließlich auf Automatisierung zu setzen.

EZB: Chancen und Risiken

Das Forum in Sintra bot auch Einblicke in die Perspektiven europäischer Zentralbanker. EZB-Präsidentin Christine Lagarde mahnte zur Vorsicht bei den langfristigen Auswirkungen von KI und stellte Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen und Haftungsfragen.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane beobachtete eine rasche KI-Adoption in Europa, die der Region einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte. Die Diskussionen drehten sich auch um wirtschaftliche Nebeneffekte: Während KI-Investitionen kurzfristig inflationär wirken könnten, könnten sie bei realisierten Produktivitätsgewinnen langfristig preisdämpfend wirken. Andrew Bailey warnte zudem vor dem enormen Energiebedarf der für KI-Infrastruktur benötigten Rechenzentren.

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Nur 14 Prozent der EU-Jobs hochgradig gefährdet

Ein von OpenAI vorgelegter Bericht bezifferte die voraussichtlichen Auswirkungen auf die europäische Belegschaft. Demnach sind lediglich 14 Prozent der Arbeitsplätze in der Europäischen Union einem hohen Automatisierungsrisiko ausgesetzt. 47 Prozent der Stellen würden voraussichtlich keine unmittelbare Veränderung erfahren. Rund 12 Prozent der Sektoren könnten sogar von einem Beschäftigungswachstum durch KI profitieren.

Chatterjis Fazit: Die Politik solle Innovationen weiter fördern. Die zentrale Herausforderung der nahen Zukunft sei die Entwicklung neuer Fähigkeiten für die Zusammenarbeit mit KI – nicht die massenhafte Verdrängung von Arbeitskräften.

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