EZB fordert Milliarden für IT-Sicherheit: KI beschleunigt Cyberbedrohungen
02.07.2026 - 22:10:18 | boerse-global.de
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht dringenden Handlungsbedarf angesichts wachsender Cybergefahren durch Künstliche Intelligenz.
Claudia Buch, Chefin der EZB-Bankenaufsicht, machte am Donnerstag klar: Die Institute müssen Milliarden Euro in die Hand nehmen, um ihre Systeme gegen moderne Bedrohungen zu wappnen. Besonders neue KI-Modelle und Risiken für kritische Infrastrukturen setzen die Geldhäuser unter Druck.
KI als neue Gefahr für die Finanzstabilität
Der Vorstoß der EZB kommt nicht von ungefähr. Internationale Finanzaufseher sehen in Künstlicher Intelligenz inzwischen einen der größten Risikofaktoren für das gesamte Finanzsystem. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte am Donnerstag, dass KI die Entwicklung von Cyberbedrohungen massiv beschleunigt. Das sei keine reine IT-Frage mehr, sondern ein Problem der Finanzstabilität.
Die Bedrohungslage ist konkret: KI ermöglicht es Angreifern, Sicherheitslücken in Software schneller zu finden und täuschend echte Phishing-Mails zu erstellen. Auch die indische Zentralbank stufte KI-gestützte Cyberangriffe als größte kurzfristige Gefahr für den Bankensektor ein.
Auf einem Notenbanker-Forum in Sintra, Portugal, das Anfang der Woche zu Ende ging, warnten die Teilnehmer vor den Risiken der zunehmenden Abhängigkeit von Cloud-Diensten und KI-Anbietern. Die geteilte digitale Infrastruktur mache das gesamte System verwundbar.
Veraltete Systeme als Sicherheitsrisiko
Ein besonderes Problem: Viele Banken arbeiten noch mit veralteten IT-Systemen. Die EZB warnt, dass dies sowohl operative als auch Cyberrisiken erhöht. Einige Institute ziehen deshalb die digitale Wende jetzt entschlossen durch.
Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo gab am Donnerstag bekannt, dass sie ihr komplettes Kernbankensystem in die Cloud verlagert hat. Mehr als 800 Anwendungen wurden auf Cloud-Standorte in Turin und Mailand migriert, weitere 800 stillgelegt.
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Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigen aktuelle Zahlen der europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs). Allein 2025 gab es im Finanzsektor 3.383 größere IT-Störungen. Gut die Hälfte davon waren Systemausfälle, rund zehn Prozent reine Cyberangriffe. Besonders brisant: Fast ein Drittel der Vorfälle ging auf das Konto externer Dienstleister. Die Abhängigkeit von Drittanbietern wird damit zum systemischen Risiko.
Kapitalpuffer bleiben bestehen
Trotz der milliardenschweren Investitionsforderungen lehnt die EZB eine Lockerung der Kapitalvorschriften ab. Buch wies Forderungen nach niedrigeren Eigenkapitalanforderungen zurück. Es gebe keine Belege, dass die aktuellen Regeln die Kreditvergabe behinderten. Im Gegenteil: Die globale Fusions- und Übernahmewelle erreichte im ersten Halbjahr 2026 ein Rekordniveau.
Zwar zeigt sich die EZB offen für eine Vereinfachung der Berechnungsmethoden. Doch das Ziel bleibt: Banken müssen widerstandsfähig sein. Auch für den Austausch alter IT-Komponenten – das sogenannte "Rip-and-Replace" – müssen sie gewappnet sein.
Die Industrieverbände sehen das kritisch. Der irische Verband Ibec warnte zuletzt, dass geplante Änderungen des EU-Cybersicherheitsgesetzes zu riskanten Lieferanten ganze Branchen lahmlegen könnten.
Echtzeit-Überweisungen als neue Herausforderung
Banken mit veralteten IT-Systemen riskieren nicht nur operative Ausfälle, sondern auch regulatorische Sanktionen. Die EZB hat klare Vorgaben gemacht – dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Systeme in 5 Schritten auf den neuesten Stand bringen. IT-Sicherheits-Checkliste jetzt sichern
Parallel zur Sicherheitsoffensive treibt die EZB die Modernisierung des Zahlungsverkehrs voran. Seit Juli 2026 ist das neue TARGET Instant Payment Settlement (TIPS) in Betrieb. Euro-Überweisungen werden damit in zehn Sekunden abgewickelt.
Doch auch das birgt Risiken: Banken haben die EU-Anti-Geldwäschebehörde bereits gewarnt, dass die Geschwindigkeit der Echtzeitzahlungen die Überwachung von Transaktionen erschwert. Wer verdächtige Bewegungen in Sekundenschnelle prüfen muss, stößt schnell an Grenzen.
