Hummeln, Hitzestress

Extreme Hitze schädigt Entwicklung von Hummeln und verkürzt ihr Leben

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Extreme Hitze kann Hummeln bereits während der Puppenentwicklung schwer schädigen. Eine Studie der Universität Regensburg zeigt unter anderem eine erhöhte Sterblichkeit, Fehlbildungen und eine verkürzte Lebensdauer erwachsener Tiere.

Hummeln sind wichtige Bestäuber und tragen damit zur biologischen Vielfalt bei. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
Hummeln sind wichtige Bestäuber und tragen damit zur biologischen Vielfalt bei. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa

Extreme Hitze kann einer Studie zufolge die Entwicklung von Hummeln schädigen, ihre Lebensdauer verkürzen und damit die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen beeinträchtigen.

Bis zu 30 Prozent der Puppen sterben

Das Forschungsteam um Christoph Kurze von der Universität Regensburg untersuchte im Labor die Auswirkungen von Hitzestress auf die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Larven und Puppen wurden dabei kontrollierten Temperaturen ausgesetzt, die mit Bedingungen an extrem heißen Sommertagen vergleichbar waren.

Die Temperatur stieg alle zwölf Stunden auf Höchstwerte von tagsüber bis zu 38 Grad. Dabei starben den Angaben zufolge bis zu 30 Prozent der Puppen. Entwicklungsschäden verdoppelten zudem das Sterberisiko erwachsener Hummeln und verkürzten ihre Lebensdauer.

Verkrüppelte Flügel und Antennen

Bei den betroffenen Tieren traten außerdem häufiger Deformationen wie verkrüppelte Flügel und Antennen auf. Nach Einschätzung von Studienleiter Kurze beeinträchtige die Hitze den Gewebeumbau während des Puppenstadiums massiv.

In schweren Fällen könnten Hummeln dadurch flugunfähig sein. Auch ihr Geruchssinn könne beeinträchtigt werden, was den Sammelerfolg oder das Erkennen von Nestgenossen mindere.

Folgen für Bestäubung möglich

Hummeln gehören zu den wichtigen Bestäubern vieler Wild- und Nutzpflanzen. Ein Rückgang der Tiere kann deshalb Folgen für die biologische Vielfalt und die Lebensmittelproduktion haben.

Die Forschenden halten starken Hitzestress bei im Boden nistenden Arten wie der Dunklen Erdhummel für eher unrealistisch. Gefährdeter könnten oberirdisch nistende Arten wie die Ackerhummel sowie Hummelvölker sein, die zur Bestäubung in Gewächshäusern eingesetzt werden.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift Communications Biology veröffentlicht worden. Die Dunkle Erdhummel zählt nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland zu den häufigsten Hummelarten in Deutschland.

Hitze trifft eine empfindliche Entwicklungsphase

Die Untersuchung macht deutlich, dass nicht nur erwachsene Hummeln durch hohe Temperaturen belastet werden. Besonders kritisch ist die Entwicklung von Larven und Puppen: In dieser Phase entstehen Flügel, Antennen und weitere Körperstrukturen. Schäden können deshalb später die Flugfähigkeit, Orientierung und soziale Organisation im Volk beeinträchtigen.

Die Laborwerte lassen sich nicht unmittelbar auf jedes Hummelnest übertragen. Die Forschenden simulierten kontrollierte Hitzeperioden und stellten dabei bis zu 38 Grad am Tag ein. Zugleich weisen sie darauf hin, dass unterirdische Nester der Dunklen Erdhummel besser vor kurzfristigen Spitzen geschützt sein dürften als oberirdische Nistplätze. Für andere Arten und für Völker in Gewächshäusern kann die Belastung daher anders ausfallen.

Bedeutung für Bestäubung und Landwirtschaft

Hummeln können bei niedrigen Temperaturen und unter Bedingungen sammeln, unter denen viele andere Bestäuber weniger aktiv sind. Ein Rückgang oder eine geringere Leistungsfähigkeit der Völker betrifft daher nicht nur Wildpflanzen, sondern potenziell auch Obst- und Gemüseanbau. Die Studie beschreibt einen zusätzlichen Belastungsfaktor neben Lebensraumverlust, Pestiziden, Krankheiten und fehlendem Nahrungsangebot.

Der zeitliche Zusammenhang mit der Klimaentwicklung ist relevant: In Deutschland sind Hitzewellen und heiße Tage häufiger geworden. Für die Praxis gewinnt damit der Schutz geeigneter Nistplätze, ausreichender Blühpflanzen und kühler Rückzugsräume an Bedeutung. Bei kommerziell eingesetzten Hummeln in Gewächshäusern können zudem Temperaturkontrolle und Belüftung helfen, Entwicklungsstress zu begrenzen.

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