Exilby, Erstes

Exilby: Erstes Cannabis-Arzneimittel gegen Rückenschmerzen zugelassen

16.06.2026 - 17:42:49 | boerse-global.de

Studien belegen: Darmbakterien beeinflussen Depressionen, während neue Ansätze wie Cannabis und Nervenstimulation chronische Schmerzen lindern.

Darm-Hirn-Achse: Neue Therapien für Psyche und Schmerz
Exilby - Eine ältere Person berührt ihren Bauch, mit einer angedeuteten, leuchtenden neuronalen Verbindung zwischen Darm und Gehirn. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt Symptome isoliert zu behandeln, rücken Forscher die Wechselwirkungen zwischen Verdauungstrakt, Immunsystem und Nervensystem in den Fokus. Besonders für Senioren und chronische Schmerzpatienten ergeben sich dadurch neue Behandlungsansätze.

Probiotika gegen Depressionen – mit einem Haken

Kann die Darmflora die Psyche beeinflussen? Eine Studie der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) aus dem Jahr 2022 liefert klare Hinweise. Patienten, die zusätzlich zu Antidepressiva Probiotika einnahmen, zeigten über 31 Tage eine stärkere Abnahme depressiver Symptome. Auch die Hirnaktivität bei emotionaler Verarbeitung normalisierte sich.

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Doch der Effekt ist nicht von Dauer: Etwa vier Wochen nach Absetzen der Probiotika klang die Wirkung ab. Die Forscher raten daher von einer alleinigen Therapie mit Darmbakterien ab.

Parallel dazu läuft die EU-geförderte SmartAge-Studie am Universitätsklinikum Jena. Sie untersucht, wie Bewegung und Entspannung Gehirn und Darm von 60- bis 75-Jährigen beeinflussen. Acht Wochen lang analysieren die Forscher Hirnalter, Immunmarker und die Zusammensetzung des Mikrobioms.

Wenn Nerven entzündet sind: Neue Hoffnung bei chronischen Schmerzen

Neuroinflammation – die Entzündung von Nervengewebe – rückt als Ursache für chronische Schmerzen in den Fokus. Das EU-Projekt RESOLVE setzt hier an: Mit 1,2 Millionen Euro Förderung entwickelt ein internationales Konsortium unter Beteiligung des Universitätsklinikums Essen Therapien auf Basis extrazellulärer Vesikel aus Stammzellen. Diese sollen Entzündungen regulieren und die Nervenreparatur fördern. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung könnten von chronischen Nervenschmerzen betroffen sein.

Auch die Ernährung spielt eine Schlüsselrolle. Studien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zeigen: Ballaststoffreiche Kost fördert die Produktion kurzkettiger Fettsäuren wie Butyrat. Das senkt wiederum die Produktion des Proteins Zonulin, das die Darmwand durchlässig macht und Autoimmunreaktionen begünstigt. Eine ballaststoffreiche Ernährung wird daher als zusätzlicher Therapieansatz bei Arthritis empfohlen.

Cannabis-Medikament und Nervenstimulation

Die Pharmakotherapie macht Fortschritte: Im Juni 2026 erteilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung für Exilby. Es ist das erste cannabisbasierte Fertigarzneimittel in Europa zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente. In einer Phase-3-Studie mit 820 Teilnehmern zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion – ohne nachweisbares Abhängigkeitspotenzial. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant.

Parallel dazu gewinnen Stimulationsverfahren an Bedeutung. Am Universitätsklinikum Dresden wird die periphere Nervenstimulation (PNS) bei chronischen Knieschmerzen eingesetzt. Implantierte Elektroden ermöglichen Schmerzreduktionen von über 50 Prozent. Forscher der Fudan-Universität identifizierten zudem spezifische Schaltkreise im Hirnstamm, die auf Vagusnerv-Stimulation reagieren und Schmerzsignale modulieren. Ähnliche Ansätze werden in Bonn und Tübingen zur Behandlung körperlicher Depressionssymptome erforscht.

Früherkennung per App und Warnung vor Nahrungsergänzung

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Digitale Anwendungen revolutionieren die Früherkennung. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) aus dem Jahr 2026 zeigt: Regelmäßige Gedächtnistests per Smartphone-App erkennen kognitiven Abbau bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) schneller als herkömmliche jährliche Untersuchungen.

Gleichzeitig warnen Forscher vor bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Studie von UF Health deutet darauf hin, dass Glucosamin bei Alzheimer-Patienten das Risiko für schnelleren Gedächtnisverlust um 25 Prozent erhöhen könnte. Da Glucosamin die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, vermuten die Forscher einen Zusammenhang mit Hyperglykosylierungen im Gehirn.

Und noch eine überraschende Verbindung: ADHS-Symptome treten bei Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzen etwa doppelt so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Forscher vermuten eine Verbindung über zentrale Sensibilisierungsprozesse und Entzündungsreaktionen im Nervensystem.

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