Excel Copilot: Microsoft zeigt KI-Datenquellen und Code transparent
24.06.2026 - 03:56:26 | boerse-global.de
Der Softwarekonzern macht die Datenquellen und Programmlogik seiner KI-Funktion transparent – ein wichtiger Schritt für Unternehmen.
Microsoft hat am Dienstag neue Transparenzfunktionen für die =COPILOT-Funktion in der Excel-Insider-Beta vorgestellt. Nutzer können künftig einsehen, welche Datenquellen die Künstliche Intelligenz verwendet und welchen Python-Code sie für Berechnungen generiert. Die Neuerung kommt nur einen Tag nach der Ankündigung, dass der klinische Entwicklungsdienstleister ICON plc Microsoft zu seinem bevorzugten Technologiepartner ernannt hat.
Die neue Transparenz bei Microsofts Copilot ist ein wichtiger Schritt, da der EU AI Act Unternehmen nun verpflichtet, KI-Systeme präzise zu dokumentieren und Risiken zu bewerten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Einblick in die KI-Werkstatt
Die Informationskarten im Tabellenblatt zeigen konkret, woher die KI ihre Daten bezieht. Zu den genannten Quellen gehören unter anderem World Population Review, Wikipedia und GeographyHost.com. Zusätzlich lässt sich der generierte Python-Code für komplexe Berechnungen einsehen – inklusive Kopierfunktion zur manuellen Prüfung oder Weiterverwendung.
Dieser Schritt adressiert ein zentrales Problem vieler Unternehmen: die mangelnde Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen. „Bislang war die KI für viele Anwender eine Blackbox", erklärt ein Microsoft-Sprecher. „Mit den neuen Funktionen schaffen wir Vertrauen durch Transparenz."
Abrechnung nach Verbrauch
Die Transparenzoffensive folgt auf eine grundlegende Änderung der Microsoft-Commercial-Strategie. Seit dem 16. Juni 2026 gilt für Copilot Cowork ein nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell über sogenannte Copilot Credits. Dieses kommt zusätzlich zur Standardlizenz von 30 Euro pro Nutzer und Monat für Microsoft 365 Copilot.
IT-Administratoren müssen nun Kreditpools einrichten und den Verbrauch überwachen, um Kostenfallen zu vermeiden. Branchenkenner gehen davon aus, dass typische agentische KI-Aufgaben zwischen 50 und 200 Credits pro Nutzer und Tag verbrauchen. Diese Aufgaben benötigen schätzungsweise 1000-mal mehr Tokens als einfache Textabfragen. Microsoft prüft Berichten zufolge, ob ein optionales, feinjustiertes DeepSeek V4-Modell auf Azure die Betriebskosten senken könnte.
Wettbewerb mit Google
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist kein Zufall. Google rollt derzeit eine Gemini-gestützte Formelkorrektur in Google Sheets aus, die bis zum 15. Juli für die meisten Geschäfts- und Enterprise-Kunden verfügbar sein soll. Das Tool erkennt typische Fehler wie #REF! oder #VALUE! und behebt sie per Klick durch Analyse der umliegenden Zellen.
Während KI-Tools wie Copilot und Gemini den Arbeitsalltag effizienter gestalten, stellen sie Unternehmen auch vor neue rechtliche Herausforderungen bei der Compliance. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Microsoft setzt dagegen auf praktischen Nutzen im Arbeitsalltag. Auf dem Cannes Lions Event am Dienstag betonten Marketingverantwortliche, dass die Copilot-Werbung künftig weniger auf Zukunftsvisionen setzt, sondern konkrete Verbesserungen wie Tabellenanalyse und Meeting-Zusammenfassungen in den Vordergrund stellt.
Mehr Kontrolle für Administratoren
Parallel zur Transparenzoffensive erhalten IT-Verantwortliche erweiterte Steuerungsmöglichkeiten. Eine neue Einstellung für Purview-Vertraulichkeitslabels, die zwischen Mitte Juni und Ende Juli allgemein verfügbar sein wird, erlaubt es Organisationen, Copilot und andere vernetzte Dienste von der Analyse sensibler Inhalte in Word, Excel und PowerPoint auszuschließen.
Zudem hat Microsoft mit der automatischen Installation der Microsoft 365 Copilot-App auf kommerziellen Windows-11-Geräten begonnen. Geräte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind von diesem Rollout vorerst ausgenommen – eine Anpassung an die strengen europäischen Datenschutzbestimmungen.
