Europaparlament, Qwant

Europaparlament wechselt zu Qwant: Google verliert 720 Abgeordnete

05.06.2026 - 15:07:37 | boerse-global.de

Das EU-Parlament macht Qwant zur neuen Standardsuchmaschine und sendet ein starkes Signal für digitale Unabhängigkeit von US-Konzernen.

EU-Parlament setzt auf Qwant: Google verliert Standardplatz
Europaparlament - Das Europäische Parlament bei Nacht, mit einem stilisierten, leuchtenden blauen 'Q'-Logo, das in die Architektur integriert ist. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 4. Juni dient die europäische Suchmaschine Qwant als Standardeinstellung auf den Dienstrechnern der 720 Abgeordneten und der parlamentarischen Verwaltung. Der französische Anbieter löst damit den US-Marktführer in den Browsern Firefox und Edge ab.

Strategischer Fokus auf Datenhoheit

Der Schritt ist Teil eines größeren Plans: Die EU will ihre digitale Abhängigkeit von US-Konzernen systematisch reduzieren. Ein entscheidender Faktor für die Wahl von Qwant ist der Datenschutz. Das Unternehmen verzichtet nach eigenen Angaben auf die Speicherung personenbezogener Daten und die Erstellung von Nutzerprofilen.

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Google bleibt zwar weiterhin manuell nutzbar. Doch die geänderte Standardeinstellung setzt ein deutliches politisches Signal für den Schutz der Datenhoheit innerhalb der EU-Institutionen.

Die marktbeherrschende Stellung von US-Anbietern bleibt indes massiv. Laut StatCounter lag Googles Marktanteil in Europa im April bei rund 87,5 Prozent. Bing kommt auf etwa 5,6 Prozent.

Teil des europäischen Souveränitätspakets

Der Suchmaschinenwechsel ist nur ein Baustein. Anfang Juni stellte die EU-Kommission ein umfassendes Maßnahmenpaket zur technologischen Souveränität vor. Es umfasst den „Chips Act 2.0“ und den „Cloud and AI Development Act“ (CAIDA/CADA).

Letzterer sieht ein vierstufiges Vertrauenssystem für Cloud-Dienste vor. Ab einem bestimmten Level müssten Anbieter externe Prüfungen zulassen. Sie müssten zudem sicherstellen, dass kein KI-Training außerhalb der EU stattfindet. In der höchsten Stufe könnten Anbieter ohne EU-Hauptsitz für sensible Daten ganz ausgeschlossen werden.

Die Kommission will zudem die europäischen Rechenzentrumskapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren verdreifachen.

Euro-Office als Microsoft-Alternative

Parallel zur Neuausrichtung der Suchinfrastruktur wächst das Angebot europäischer Software. Für den 9. Juni ist der Start von „Euro-Office“ angekündigt. Die Cloud-basierte Office-Suite soll als Alternative zu Microsoft oder Google positioniert werden. Entwickelt wurde sie von einem Konsortium europäischer Unternehmen, darunter IONOS, Nextcloud und Tuta.

Zusätzlich plant die EU, über sieben Jahre rund zwei Milliarden Euro in Open Source zu investieren. Die wirtschaftliche Dimension dieser Bestrebungen ist enorm: Europäische Organisationen geben derzeit jährlich schätzungsweise 264 Milliarden Euro für US-Software aus. US-Anbieter kontrollieren rund 80 Prozent des europäischen Cloud-Marktes.

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Regulatorischer Druck auf Google

Während die EU ihre eigene Infrastruktur stärkt, wächst der Druck auf etablierte Suchmaschinenbetreiber. Anfang Juni verpflichtete die britische Wettbewerbsbehörde CMA Google dazu, Website-Betreibern eine Opt-out-Möglichkeit für KI-generierte Zusammenfassungen einzuräumen.

Betreiber sollen keine Nachteile in der klassischen Websuche erleiden, wenn sie ihre Inhalte nicht für KI-Übersichten freigeben wollen. Google begann unmittelbar nach der Anordnung mit Tests entsprechender Funktionen in seiner Search Console. Die regulatorischen Maßnahmen flankieren die europäischen Bemühungen, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

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