Europäische Kommission: Beschäftigte kritisieren Microsoft Teams und fordern Alternativen
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Innerhalb der Europäischen Kommission wächst die Diskussion um die Abhängigkeit von US-Softwarekonzernen. Beschäftigte der Brüsseler Behörde üben deutliche Kritik am weiteren Einsatz von Microsoft Teams und fordern den konsequenten Ausbau souveräner Kommunikationswerkzeuge.
Anlass interner Auseinandersetzungen sind geleakte Stellungnahmen aus der Belegschaft, in denen die Zuverlässigkeit von Microsoft-Diensten hinterfragt und der Schutz sensibler Behördendaten angemahnt wird.
So argumentieren Befürworter unabhängiger Systeme, dass Microsoft Teams letztlich lediglich das Versprechen biete, der US-Konzern lese nicht selbst mit, während der tatsächliche Datenzugriff durch US-Gesetze ungeklärt bleibe.
Parallele Systeme für den Krisenfall
Im Juli 2026 führte die Kommission die Anwendung Element Pro als zusätzliche Plattform ein. Laut einem internen Memo dient das System als Absicherung, um die Arbeitsfähigkeit bei einem Ausfall von Microsoft Teams aufrechtzuerhalten. Das Programm läuft parallel an den Standorten in Brüssel und weiteren EU-Dienstsitzen, während Microsoft Teams weiterhin als primäres Kommunikationswerkzeug genutzt wird.
Element Pro basiert auf dem dezentralen Matrix-Protokoll, bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und umfasst Funktionen für Audio- und Videoanrufe, Dateitransfers sowie thematische Projekträume. Entwickelt wird die Software von der britischen Firma Element, die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und den USA unterhält.
Da die Kommission die Serverkomponenten auf eigener Infrastruktur hostet, behält die Behörde die Kontrolle über Konten und Nachrichtenverläufe, was einen Schutz vor dem US CLOUD Act bieten soll.
Diese US-Gesetzgebung erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen, ungeachtet des weltweiten Speicherorts. Bereits 2025 hatte ein Vertreter von Microsoft Frankreich vor dem Senat eingeräumt, eine Weitergabe von Daten an US-Stellen nicht ausschließen zu können.
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Gemischte Resonanz unter den Mitarbeitenden
Die Einführung der Ausweichlösung stößt intern jedoch auf geteilte Reaktionen. Interne Rückmeldungen fielen teils stark ablehnend aus; Berichten zufolge stellten drei von vier Kommentaren den praktischen Mehrwert und die Bedienbarkeit des Werkzeugs infrage.
Einzelne Stimmen bezeichneten die Neuerung schlicht als unbrauchbar. Matthew Hodgson, Vorstandschef des Entwicklers Element, räumte anfängliche Hürden und Gewöhnungsschwierigkeiten beim Wechsel ein, verwies jedoch darauf, dass auch Organisationen wie die UN und die NATO die Software nutzen.
Demgegenüber heben Befürworter strategische Risiken hervor. Ein Beamter warnte davor, dass die Europäische Union im Ernstfall erpressbar sei, sollten US-Dienste abgeschaltet werden. Vorfälle aus dem Jahr 2025 verdeutlichen die Problematik: Nach US-Sanktionen gegen Chefankläger Karim Khan verlor der Internationale Strafgerichtshof den Zugriff auf Microsoft-Dienste und wechselte daraufhin zur deutschen Open-Source-Plattform openDesk.
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Europäische Verwaltungen suchen Alternativen
Die Debatte in Brüssel spiegelt einen allgemeinen Trend in den EU-Mitgliedstaaten wider. Die deutsche Bundeswehr nutzt mit dem BwMessenger bereits seit 2020 ein Matrix-basiertes System mit mehr als 100.000 aktiven Anwendern.
In Frankreich zählt der behördliche Dienst Tchap über 300.000 Nutzer, zudem plant die französische Verwaltung, bis 2027 Millionen Arbeitsplätze von Programmen wie Teams und Zoom auf die Eigenentwicklung Visio umzustellen. Auch das österreichische Militär vollzog im Vorjahr den Umstieg von Microsoft Office auf LibreOffice, um die technologische Unabhängigkeit der Verwaltung zu stärken.
