EuroOffice, Europäische

EuroOffice: Europäische Bürosoftware soll die Abhängigkeit von Microsoft senken

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 09:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
EuroOffice soll Europas Datenhoheit stärken, während Umstellungen auf quelloffene Programme mit Kompatibilitäts- und Supportproblemen verbunden sind.
Moderne Glasarchitektur eines Verwaltungsgebäudes in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Öffentliche Verwaltungen sowie privatwirtschaftliche Unternehmen in Europa intensivieren ihre Suche nach quelloffenen Büroanwendungen. Wie am 6. November 2026 bekannt wurde, rücken Suiten wie Collabora und EuroOffice zunehmend in den Fokus, um die Abhängigkeit von proprietären Programmen des US-Konzerns Microsoft schrittweise zu verringern und die digitale Souveränität zu stärken.

Europäische Initiativen setzen auf gewohnte Bedienmuster

Eine zentrale Rolle in den aktuellen Bestrebungen nimmt die Plattform EuroOffice ein, an der ein Konsortium europäischer Akteure beteiligt ist, darunter IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und BTactic.

Das Projekt ist als europäisch geführte Software-as-a-Service-Lösung konzipiert, die als souveränes Gegenstück zu Microsoft Office und Google Docs dienen soll. Um den Umstieg für Institutionen und Mitarbeiter zu erleichtern, orientiert sich die Benutzeroberfläche eng an Microsoft 365. Primäres Ziel des Verbunds sind Datenhoheit und operative Kontrolle für europäische Organisationen.

Achim Weiss, Vorstandsvorsitzender von IONOS, betonte am 6. November 2026 vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage den dringenden Bedarf an einer zu Microsoft kompatiblen Bürosoftware in Europa. Der offizielle Start von EuroOffice ist für den 9. Juni geplant.

Als zusätzlicher Beleg für den Trend zu mehr europäischer Unabhängigkeit gilt der von Frankreich vollzogene Wechsel von Windows zu Linux sowie die Ablösung von Microsoft Teams durch eine national entwickelte Plattform.

Praktische Hürden und Lehren aus gescheiterten Umstellungen

Der Weg zu quelloffenen Arbeitsplätzen verläuft in der Praxis jedoch nicht ohne Rückschläge. Beschäftigte des dänischen Digitalisierungsministeriums berichteten laut einem Bericht vom 8. November 2026 von erheblichen Schwierigkeiten im operativen Einsatz, darunter Probleme mit Layouts, Formatierungen, leeren Seiten und der Änderungsverfolgung. Der Abbruch des Vorhabens fiel zeitlich mit der Ausrufung vorgezogener Neuwahlen zusammen.

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Prof. Mikkel Flyberbom von der Copenhagen Business School mahnte an, die im öffentlichen Sektor gesammelten Erfahrungen transparent zu teilen. Zu den größten Hindernissen zählten weiterhin die Kompatibilität mit bestehenden Alt-Dokumenten, der Mangel an spezialisiertem Support sowie die von vielen Anwendern als unausgereift empfundene Benutzererfahrung bei LibreOffice.

Für die hinter LibreOffice stehende Organisation The Document Foundation stellt auch die Finanzierung eine Herausforderung dar: Sie erwirtschaftete im Jahr 2025 über 90 Prozent ihrer Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro über Spenden.

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Steigende Ausgaben für Microsoft und politische Forderungen

Trotz der Souveränitätsdebatte wachsen die Ausgaben für proprietäre Software weiter. Zahlen der Bundesregierung verdeutlichen die anhaltende Bindung: Über einen Rahmenvertrag mit einem Handelspartner rief der Bund im Jahr 2023 rund 274,1 Millionen Euro netto für Microsoft-Produkte ab.

Dieser Betrag stieg 2024 auf knapp 347,7 Millionen Euro und erreichte 2025 rund 481,4 Millionen Euro. Bezugsberechtigt sind Bundesressorts, nachgeordnete Behörden und weitere öffentliche Einrichtungen.

Demgegenüber standen im ursprünglichen Haushaltsentwurf für 2027 rund 50 Millionen Euro für das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) – zuständig für openCode und openDesk – sowie die Sovereign Tech Agency bereit.

Über den IT-Zustimmungsvorbehalt des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) wurden bis September 2026 mehr als 4.000 IT-Vorhaben gemeldet; bei Projekten mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro griff das Ministerium korrigierend ein.

In Frankreich schätzte der Rechnungshof Cour des comptes in einem Bericht vom 22. Oktober 2026 die möglichen jährlichen Einsparungen für den Staat durch verstärkte Open-Source-Nutzung auf 30 bis 65 Millionen Euro.

Ein dortiger parlamentarischer Untersuchungsausschuss bezifferte die finanzielle Abhängigkeit der Behörden von US-Anbietern auf mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, wovon sich rund eine Milliarde Euro auf quelloffene Systeme umlenken ließe.

In Deutschland fordert Miriam Seyffarth von der Open Source Business Alliance (OSBA), mindestens 20 Prozent der ministeriellen Softwareausgaben verbindlich in Open Source zu lenken – eine Forderung, die auf zugrunde liegenden Haushaltstiteln von rund 7 Milliarden Euro basiert.

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