Euro-Office startet am 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft
02.06.2026 - 01:30:16 | boerse-global.deAm 9. Juni 2026 soll mit Euro-Office eine quelloffene Büro-Suite an den Start gehen, die Daten europäisch halten will. Der Vorstoß ist Teil einer breiten Bewegung: Immer mehr Unternehmen und Behörden suchen nach Alternativen zu US-Cloud-Diensten – aus Sorge vor dem Zugriff amerikanischer Behörden.
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Euro-Office: Die Antwort auf Microsoft 365
Hinter dem Projekt steht ein Schulterschluss bekannter europäischer Player: IONOS, Nextcloud, XWiki und OpenProject haben sich zusammengetan. Die Suite basiert auf einer Abspaltung von OnlyOffice und bietet webbasierte Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen – inklusive Kompatibilität mit Microsoft-Formaten.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Seit Jahren wächst die Kritik am US-amerikanischen CLOUD Act, der US-Behörden erlaubt, auf Daten von US-Anbietern zuzugreifen – unabhängig vom Serverstandort. Euro-Office soll genau diese Lücke schließen. Die Integration in Nextcloud Hub 26 Spring ist bereits geplant, IONOS-Kunden erhalten sofortigen Zugriff.
Die Nachfrage ist gewaltig: Analysten erwarten, dass die weltweiten Ausgaben für souveräne Cloud-Lösungen 2026 auf umgerechnet rund 73 Milliarden Euro steigen – ein Plus von 35,6 Prozent. Einige Marktforscher prophezeien, dass Europa Nordamerika in diesem Segment bereits 2027 überholen wird.
Neue Plattformen für sichere Zusammenarbeit
Parallel drängen weitere europäische Anbieter auf den Markt. Die französische Firma Pydio hat am 1. Juni 2026 Version 5 ihrer Kollaborationsplattform Pydio Cells veröffentlicht. Neu sind „Pages" für interne Wikis und ein überarbeitetes Metadaten-System für Compliance-Anforderungen. Die Architektur setzt auf native Microservices – Cloud-Anbieter-Lock-in soll so verhindert werden.
Ebenfalls am 1. Juni startete der Sicherheitsspezialist KnowBe4 seine Messaging Security Platform. Das Tool schützt E-Mails und Microsoft Teams vor Phishing-Angriffen – ein wachsender Risikobereich, denn Kriminelle zielen zunehmend auf Kollaborationsplattformen.
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Etablierte Player wie das Münchner Unternehmen Stackfield setzen weiterhin auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Standards BSI C5 sowie ISO 27001. Die Messenger-Plattform Wire bleibt eine der wenigen staatlich zugelassenen Lösungen für Verschlusssachen – dank des MLS-Protokolls (Messaging Layer Security).
Niederlande blockieren US-Übernahme
Der politische Druck verschärft sich. Ende Mai 2026 stoppte die niederländische Regierung die Übernahme des Cloud-Anbieters Solvinity durch die US-Firma Kyndryl. Der Grund: Solvinity betreibt DigiD, die nationale digitale Identitätsplattform der Niederlande. Die Regierung berief sich auf die Kontrolle kritischer Infrastruktur.
In Deutschland hatte die Datenschutzkonferenz bereits 2022 festgestellt, dass Microsoft 365 nicht automatisch für Behörden compliant ist. Und im Mai 2026 kritisierten europäische Anbieter sowie der Verband CISPE das neue C3A-Framework des BSI. Ihre Sorge: Es erlaube US-Hyperscalern, als Subunternehmer aufzutreten – ohne die Risiken des US-Datenzugriffs auszuschließen.
Frankreich geht mit seiner „Cloud-de-Confiance"-Strategie und der SecNumCloud-Zertifizierung voran. Das Bildungsministerium hat Google Workspace und Microsoft 365 bereits eingeschränkt, Universitäten nutzen Nextcloud über den Forschungsverbund RENATER.
Neue Partnerships für souveräne Infrastruktur
Auch die Infrastruktur wächst. Am 31. Mai 2026 kündigte Schwarz Digits – die IT-Sparte der Schwarz-Gruppe – eine Partnerschaft mit dem niederländischen Telekommunikationsanbieter KPN an. Gemeinsam entwickeln sie eine souveräne Cloud-Lösung auf Basis der Stackit-Plattform. Alle Daten bleiben in den Niederlanden und unterliegen europäischem Recht.
Dieser Ausbau schafft die Basis für eine ganze Reihe europäischer Cloud-Dienste. Anbieter wie Scaleway und OVHcloud aus Frankreich sowie Infomaniak und Proton Drive aus der Schweiz positionieren sich als compliant-Alternativen – für Start-ups ebenso wie für Organisationen, die die Risiken des Schrems-II-Urteils und des CLOUD Act umgehen wollen.
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