Euro-Office startet am 9. Juni: Europäische Alternative zu Microsoft 365
30.05.2026 - 05:27:18 | boerse-global.de
Am 9. Juni 2026 kommt mit Euro-Office eine neue, europäische Büro-Suite auf den Markt. Entwickelt von einem Konsortium um Nextcloud und Ionos, tritt die Software gegen etablierte Konkurrenz wie LibreOffice und OnlyOffice an. Der Start wird von einem erbitterten Lizenzstreit überschattet.
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Ein Fork mit politischer Mission
Euro-Office ist kein kompletter Neuanfang. Die Suite basiert auf einem Fork von OnlyOffice und bietet webbasierte Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen. Der Fokus liegt auf Echtzeit-Zusammenarbeit und hoher Kompatibilität mit Microsoft-Formaten wie DOCX, XLSX und PPTX. Hinter dem Projekt stehen namhafte europäische Technologieunternehmen – darunter Nextcloud, Ionos, EuroStack, XWiki und OpenProject.
Die Idee: Eine souveräne, europäische Alternative zu US-Diensten wie Microsoft 365 oder Google Docs schaffen. Genau dieses Ziel hat nun einen handfesten Konflikt ausgelöst.
Lizenzstreit eskaliert kurz vor dem Launch
OnlyOffice wirft dem Euro-Office-Team vor, gegen die Bedingungen der AGPLv3-Lizenz zu verstoßen. Konkret geht es um die Entfernung von Markenelementen und Logos. Die Nextcloud-Verantwortlichen kontern: Der Fork sei notwendig gewesen, weil OnlyOffice jahrelang Pull-Requests ignoriert habe. Zudem habe der Quellcode Kommentare auf Russisch enthalten – die Euro-Office-Entwickler übersetzten sie ins Englische.
Während Nextcloud den Konflikt als geklärt betrachtet, widerspricht OnlyOffice: Eine Einigung habe es nie gegeben. Der Streit dürfte sich noch hinziehen.
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LibreOffice schwenkt auf Browser-Kurs um
Nur wenige Tage vor dem Euro-Office-Start kündigte The Document Foundation (TDF) eine strategische Neuausrichtung für LibreOffice an. Am 28. Mai 2026 präsentierte die Organisation Pläne für eine browserbasierte Version auf Basis von WebAssembly und dem Qt-6-Framework. Hinzu kommen native Apps für Android und iOS.
Der Clou: Anders als Google Docs oder Microsoft 365 soll LibreOffice im Browser rechenintensive Aufgaben lokal auf dem Gerät des Nutzers ausführen. Langfristig ist sogar eine Peer-to-Peer-Zusammenarbeit geplant. Konkrete Termine für diese Funktionen gibt es noch nicht.
Drei Wege, ein Ziel
Ein aktueller Vergleich der führenden Open-Source-Suiten zeigt klare Unterschiede:
- LibreOffice bleibt die erste Wahl für Power-User – mit dem größten Funktionsumfang, aber einer oft als veraltet kritisierten Oberfläche.
- OnlyOffice punktet mit modernem Design und herausragender Kompatibilität zu Microsoft Word und Excel, bietet aber weniger Tiefe.
- Euro-Office positioniert sich als souveräne Alternative für Behörden und Unternehmen. Die Suite wird ab Launch in Nextcloud Hub 26 Spring und diverse Ionos-Produkte integriert sein.
Was kommt nach dem Start?
Die Marktbeobachter sind gespalten. Einerseits zersplittert die Open-Source-Landschaft weiter – neben Euro-Office gibt es zahlreiche weitere Forks. Andererseits hat genau dieser Wettbewerb in der Vergangenheit immer wieder für Innovationen gesorgt.
Die Euro-Office-Entwickler planen nach der Veröffentlichung im Juni bereits die nächsten Schritte: Desktop- und Mobile-Anwendungen sowie eine erweiterte Unterstützung für OpenDocument-Formate (ODF) sollen folgen. Ob der Lizenzstreit mit OnlyOffice diese Pläne beeinträchtigt, bleibt abzuwarten.
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