Euro-Office startet 9. Juni: Europas Antwort auf Microsoft und Google
29.05.2026 - 17:30:04 | boerse-global.deAm 3. Juni 2026 stellt die EU-Kommission ein umfassendes Maßnahmenpaket vor, das Europas technologische Eigenständigkeit stärken soll. Vier Säulen stehen im Zentrum: Stresstests für Cloud-Nutzung im öffentlichen Sektor, eine Reform des Chips Act, die Förderung von Open-Source-Software und die Mobilisierung privater Investitionen.
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Milliarden für eigene Infrastruktur
Die Zahlen sind beeindruckend: Europäische Unternehmen und Behörden geben derzeit rund 264 Milliarden Euro jährlich für proprietäre US-Software aus. Das soll sich grundlegend ändern. Die Kommission plant, die Rechenzentrums-Kapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Bis 2036 sind Investitionen von etwa 200 Milliarden Euro in Datenzentren nötig. Weitere 20 Milliarden Euro fließen in Digitalisierung und KI im Energiesektor, zwei Milliarden in die Forschung.
Doch es geht nicht nur ums Geld. Ein neues Vier-Stufen-Modell zur Souveränität soll verhindern, dass Unternehmen nur vorgeben, europäisch zu sein – ein Konzept, das Insider bereits als Schutz vor „Sovereignty Washing" bezeichnen. Geprüft wird, wer die Kontrolle über Unternehmensstrukturen, Lieferketten, KI-Datenverarbeitung und den physischen Standort der Infrastruktur hat.
Euro-Office: Die Antwort auf Microsoft und Google
Pünktlich zum regulatorischen Vorstoß kommt neue Konkurrenz auf den Markt. Am 9. Juni 2026 startet Euro-Office, eine europäische Alternative zu Microsoft Office und Google Docs. Dahinter steht ein Konsortium aus Ionos, Nextcloud, EuroStack und Open-Xchange.
Die Web-Anwendung basiert auf dem Open-Source-Code von OnlyOffice – allerdings überschattet ein Streit über Lizenzbedingungen und Transparenz den Launch. Die Entwickler planen, Euro-Office in den Nextcloud Hub zu integrieren und später auch mobile und Desktop-Versionen anzubieten. Unterstützt werden gängige Formate wie DOCX und XLSX sowie OpenDocument-Standards.
Industrie zieht mit: Airbus und BMW setzen auf heimische KI
Die Bewegung kommt nicht nur von oben. Airbus und BMW haben eine Partnerschaft mit dem französischen KI-Startup Mistral AI geschlossen. Gemeinsam entwickeln sie spezialisierte Systeme für Flugsicherheit, Verteidigungstechnik und Crashtest-Simulationen. Ein klares Signal: Selbst die Schwergewichte der Industrie setzen zunehmend auf europäische Technologie.
Auch im Gesundheitssektor tut sich etwas. Die Zyklus-Tracking-App Clue kooperiert mit der deutschen Privatversicherung SDK, um ihren Mitgliedern Premium-Dienste anzubieten.
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Regulierung greift durch: Temu muss zahlen
Die EU-Kommission zeigt gleichzeitig Härte gegenüber ausländischen Plattformen. Gegen den chinesischen Online-Händler Temu verhängte sie ein Bußgeld von 200 Millionen Euro – wegen Verstößen gegen den Digital Services Act. Konkret geht es um den Verkauf unsicherer Produkte. Temu hat bis zum 28. August 2026 Zeit, einen Maßnahmenplan vorzulegen.
Nationale Regierungen nutzen ebenfalls ihre Möglichkeiten. Die Niederlande blockierten die Übernahme von Solvinity, dem Betreiber des nationalen DigiD-Systems, durch die US-Firma Kyndryl. Ein Präzedenzfall mit Signalwirkung.
Digitale Identität und Satellitenfunk
Bis Ende 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten die European Digital Identity Wallet bereitstellen. Experten empfehlen eine Architektur, bei der die Identitätsprüfung direkt auf dem Gerät erfolgt – ohne externe Datenspeicherung oder -übertragung.
Im Telekom-Sektor zeichnen sich Reformen beim Satelliten-Spektrum ab, die nach 2027 wirksam werden sollen. Ein Drittel des 2-GHz-MSS-Bandes bleibt dem Staat vorbehalten, ein Teil des kommerziellen Spektrums ist speziell für neue EU-Marktteilnehmer reserviert.
Ein konkretes Beispiel für die neue Ära liefert Spanien: Telefónica und Google Cloud haben ein hybrides Sovereign-Cloud-Modell eingeführt. Die Verschlüsselungsschlüssel verwaltet ausschließlich Telefónica – ein Modell, das Schule machen könnte.
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