Euro-Office startet 9. Juni: Europäische Alternative zu Microsoft 365
31.05.2026 - 19:26:56 | boerse-global.deEin Bündnis europäischer Technologieunternehmen bringt mit Euro-Office eine quelloffene Büro-Suite auf den Markt, die als direkte Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace positioniert ist. Die Veröffentlichung der Version 1.0 auf GitHub ist für den 9. Juni 2026 geplant – nur wenige Tage nach einem erwarteten EU-Gesetzespaket zur digitalen Souveränität.
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Integration und technische Basis
Die webbasierte Plattform für Dokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen wird von Beginn an in mehrere Partnerlösungen integriert. Dazu gehören Nextcloud Hub 26, IONOS Managed Nextcloud und Office.eu. Weitere Partner wie OpenProject, Soverin, Abilian, BTactic und OpenXchange unterstützen das Projekt.
Die erste Version konzentriert sich auf die Zusammenarbeit im Browser. Desktop- und Mobile-Anwendungen sollen im Sommer 2026 folgen, die Integration für die XWiki-Plattform ist für das vierte Quartal desselben Jahres vorgesehen. Die Benutzeroberfläche orientiert sich bewusst an Microsoft-Produkten, um den Umstieg zu erleichtern. Volle Kompatibilität mit Standardformaten und dem Open Document Format (ODF) ist gewährleistet.
Strategischer Zeitpunkt
Der Launch fällt mit einer grundlegenden Neuausrichtung der EU-Digitalpolitik zusammen. Am 3. Juni 2026 wollen die europäischen Institutionen ein umfassendes Souveränitätspaket vorlegen. Es umfasst den Cloud and AI Development Act (CADA), eine zweite Version des Chips Act und eine spezielle Open-Source-Strategie für die öffentliche Verwaltung.
Hintergrund ist ein eklatantes Marktungleichgewicht: US-amerikanische Cloud-Anbieter halten rund 70 Prozent des europäischen Marktes. Der CADA-Entwurf sieht vor, die europäische Rechenzentrumskapazität zu verdreifachen und vier Stufen der Cloud-Souveränität zu etablieren. Öffentliche Stellen müssten künftig Risikobewertungen für ihre Datenverarbeitung durchführen. Ein "Open-Source-First"-Ansatz bei öffentlichen Ausschreibungen soll die Abhängigkeit von ausländischer Technologie reduzieren – und Risiken durch den US-Cloud-Act minimieren.
Ursprung und rechtliche Klärung
Euro-Office entstand als Abspaltung (Fork) von OnlyOffice. Der Schritt war von Bedenken hinsichtlich der Governance, Transparenz und möglicher Verbindungen zu russischen Stellen motiviert. Ein Lizenzstreit um die GNU Affero General Public License (AGPL) begleitete die Abspaltung.
OnlyOffice hatte Verstöße gegen die Lizenzbedingungen vorgeworfen. Die Free Software Foundation stellte sich jedoch auf die Seite der Euro-Office-Entwickler. Das Projekt konnte mit einem bereinigten Codebestand fortfahren. Die Führung von Nextcloud betont, dass die neue Suite auf europäische Governance-Strukturen setze und rechtliche Risiken für Organisationen mit sensiblen Daten reduziere.
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Marktchancen und öffentliche Nachfrage
Die nachfrage nach einer Microsoft-kompatiblen, aber souveränen Office-Lösung ist groß. Die IONOS-Führungsebene weist darauf hin, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen verlässliche Alternativen benötigen, die die DSGVO einhalten und Daten in europäischen Jurisdiktionen belassen.
Erste Bewegungen im öffentlichen Sektor sind bereits sichtbar. Die französische Regierung hat begonnen, bestimmte Verwaltungsbereiche auf Linux-basierte Systeme und alternative Visualisierungswerkzeuge umzustellen. Die Euro-Office-Allianz zielt gezielt auf den öffentlichen Sektor und den Bildungsbereich – Märkte, in denen die Sensibilität für digitale Souveränität und Datenkontrolle besonders hoch ist.
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