Euro-Office: Nextcloud bringt Microsoft-Alternative auf den Desktop
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die europäische Allianz um Nextcloud, IONOS, Open-Xchange und Office.eu weitet ihr Software-Angebot deutlich aus. In den kommenden Wochen soll die Open-Source-Suite Euro-Office erstmals als eigenständige Desktop-Anwendung für die Betriebssysteme Windows, macOS und Linux erscheinen. Damit bricht das Projekt die bisherige Beschränkung auf rein browserbasierte Anwendungen auf und tritt in direkten Wettbewerb mit etablierten Office-Lösungen.
Die geplante Desktop-Version deckt eine breite Hardware-Basis ab. Unterstützt werden unter Windows sowohl die x64- als auch die ARM64-Architektur. Linux-Nutzer können die Suite auf AMD64- und Arm64-Systemen einsetzen, während für macOS eine 64-Bit-Version speziell für Apple-Silicon-Prozessoren (Arm64) bereitgestellt wird.
Lokale Bearbeitung und Cloud-Synchronisation
Ein zentraler Aspekt der neuen Desktop-App ist die Möglichkeit zur lokalen Bearbeitung von Textdokumenten, Tabellenkalkulationen und Präsentationen. Dies erlaubt Anwendern, auch ohne aktive Internetverbindung an ihren Projekten zu arbeiten.
Die Speicherung der Dokumente kann dabei wahlweise lokal auf dem Endgerät oder direkt auf einem Nextcloud-Server erfolgen. Eine integrierte Synchronisationsfunktion soll dabei für die notwendige Datensicherheit und Aktualität sorgen.
Über die reine Bearbeitung hinaus bietet die Anwendung Funktionen wie die Einbindung benutzerdefinierter Schriftarten, erweiterte Sicherheitsmerkmale sowie Möglichkeiten zur Echtzeit-Kollaboration. Frank Karlitschek, Gründer von Nextcloud, hob die strategische Bedeutung der Entwicklung hervor. Das Unternehmen biete damit eine wirklich souveräne Alternative zu Microsoft Office an.
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Technische Basis und lizenzrechtliche Diskussionen
Technisch basiert die Desktop-Anwendung auf der Codebasis von OnlyOffice. Da es sich bei Euro-Office um einen Fork dieses Projekts handelt, kam es in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen bezüglich des Brandings und der Lizenzierung unter der AGPLv3.
Zudem gab es fachliche Kritik vonseiten der Document Foundation. Diese bemängelte, dass der Fokus der Suite stark auf den Microsoft-Dateiformaten DOCX, XLSX und PPTX liege, anstatt das OpenDocument-Format (ODF) prioritär zu behandeln. Euro-Office positioniert sich jedoch explizit als kostenlose Open-Source-Alternative für Nutzer, die eine hohe Kompatibilität zu gängigen Marktstandards benötigen.
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Integration in das Nextcloud-Ökosystem
Während der erste stabile Release von Euro-Office 1.0 bereits im Juni erfolgte, war die Suite bislang primär als Cloud-Lösung in das Nextcloud-Ökosystem integriert. Die Basis für die nun angekündigte Desktop-Version bildet das Paket Nextcloud Hub 26 Summer.
Dieses Software-Paket wurde vor wenigen Tagen offiziell vorgestellt und ist bereits verfügbar, während die Desktop-App als separate Ergänzung in den nächsten Wochen folgen wird.
Der neue Hub bringt verschiedene Optimierungen mit sich, darunter verbesserte Dokumentenfilter, eine überarbeitete Benutzeroberfläche sowie geteilte Arbeitsbereiche. Zudem wurden relationale Spalten in Tabellen, Einmal-Passwörter zur Erhöhung der Sicherheit und eine leistungsfähigere Dokumentsuche implementiert.
Die Relevanz der Plattform zeigt sich in der Nutzerbasis: Allein in Frankreich nutzen rund 550.000 Personen aus dem Bildungssektor und der Verwaltung die Nextcloud-Infrastruktur. Auch das Land Schleswig-Holstein sowie die niederländische Organisation SURF setzen auf die quelloffene Lösung. Genaue Details zu spezifischen Versionsnummern oder detaillierten Systemanforderungen der kommenden Desktop-App wurden bisher nicht öffentlich kommuniziert.
