Euro-Office: Europäische Office-Suite kommt als Desktop-App
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der Vorstellung von Nextcloud Hub 26 Summer am 16. September 2026 in Valencia hat das Unternehmen Nextcloud die Veröffentlichung einer nativen Desktop-Anwendung für Euro-Office angekündigt.
Die bisher vorwiegend browserbasierte Office-Lösung soll damit in den kommenden Wochen als eigenständige Applikation für verschiedene Betriebssysteme verfügbar gemacht werden. Damit expandiert die europäische Office-Suite von einer reinen Web-Plattform hin zu einer lokal installierbaren Software.
Erweiterte Plattformunterstützung und Offline-Funktionalität
Die neue Anwendung unter dem Namen „Nextcloud Office“ wird für eine breite Palette an Systemen bereitgestellt. Unterstützt werden Windows und Linux jeweils in den Versionen für x64- und ARM64-Architekturen. Für macOS-Nutzer wird die Software ausschließlich für Rechner mit Apple-Silicon-Prozessoren (ARM64) angeboten; eine Unterstützung für ältere Macs mit Intel-Prozessoren ist nicht vorgesehen.
Ein zentraler Aspekt der Desktop-App ist die Verknüpfung von lokaler Bearbeitung und Cloud-Synchronisation. Nutzer sollen Dokumente direkt auf ihrem Endgerät bearbeiten können, während die Änderungen in Echtzeit mit der Nextcloud-Plattform synchronisiert werden. Dies ermöglicht eine Kollaboration zwischen Anwendern der Desktop-App und Nutzern der Web-Version.
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Die Anwendung erlaubt zudem eine Offline-Bearbeitung, wobei Dokumente wahlweise lokal oder direkt auf dem Server gespeichert werden können. Das Update bringt laut Entwicklerangaben zudem Verbesserungen bei der Dokumentenverwaltung sowie bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur ersten Web-Version, die Anfang 2026 eingeführt wurde.
Technischer Hintergrund und Lizenzfragen
Euro-Office versteht sich als eine kostenlose Open-Source-Alternative zu etablierten Büro-Suiten wie Microsoft Office. Die Suite umfasst klassische Anwendungen für die Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und das Erstellen von Präsentationen. Technisch basiert Euro-Office auf dem Code von ONLYOFFICE, wobei die erste stabile Version der Suite am 09.06.2026 veröffentlicht wurde.
In diesem Zusammenhang kam es jedoch zu Unstimmigkeiten innerhalb der Entwicklergemeinschaft. ONLYOFFICE wirft den Verantwortlichen einen Verstoß gegen die Lizenzbedingungen der AGPLv3 vor. Infolge dieser Differenzen hat ONLYOFFICE die aktive Partnerschaft mit Nextcloud ausgesetzt.
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Dennoch wird Euro-Office als eigenständiges Projekt weitergeführt, das eine hohe Kompatibilität zu Microsoft-Formaten wie .docx, .xlsx und .pptx sowie zum Open Document Format (ODF) anstrebt. Branchenbeobachter weisen jedoch darauf hin, dass die Verarbeitung komplexer Dateien, wie etwa Pivot-Tabellen, derzeit noch als Schwachpunkt der Suite gilt.
Souveräne Infrastruktur für europäische Institutionen
Hinter Euro-Office steht ein Konsortium europäischer IT-Unternehmen, dem neben Nextcloud auch IONOS, Open-Xchange und der E-Mail-Dienst Tuta angehören. Ziel der Kooperation ist es, eine produktive Arbeitsumgebung zu schaffen, bei der die Datenhoheit gewahrt bleibt. Sämtliche Daten werden in europäischen Rechenzentren gespeichert, was den Anforderungen an den Datenschutz und die digitale Souveränität entsprechen soll.
Das Projekt erfährt bereits Unterstützung durch öffentliche und bildungsnahe Institutionen. So haben das niederländische Konsortium SURF sowie das Land Schleswig-Holstein die Lösung nicht nur mitentwickelt, sondern setzen sie bereits aktiv ein.
Mit der kommenden Desktop-App wird der Funktionsumfang unter anderem um die Unterstützung eigener Schriftarten und erweiterte Sicherheitsfunktionen ergänzt, um den Anforderungen professioneller Anwender gerecht zu werden. Der Download der neuen Software soll in den nächsten Wochen freigeschaltet werden.
