Euro-Office: Europäische Entwickler fordern Kontrolle über Bürosoftware
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 13:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Europäische Entwickler forcieren den Aufbau unabhängiger Software-Infrastrukturen – allen voran mit Euro-Office, einer Abspaltung der OnlyOffice-Plattform. Das Projekt verspricht Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen mehr Kontrolle über ihre digitale Arbeitsumgebung.
Der Bruch mit OnlyOffice
Am 8. September 2025 entstand der GitHub-Repository von Euro-Office – aus Frustration über die Entwicklungspraxis des ursprünglichen Projekts. „Unbearbeitete Pull-Requests und unzuverlässige Build-Anleitungen“ nannten die Initiatoren als Hauptgründe für die Abspaltung. Der Streit eskalierte schnell: OnlyOffice wirft dem Fork Verstöße gegen die AGPLv3-Lizenz vor, konkret wegen der Entfernung des Original-Brandings. Ironie der Geschichte: Der Autor der AGPLv3-Lizenz selbst stellte sich öffentlich hinter Euro-Office.
Das Projekt wächst rasant: 25 öffentliche Repositories, über 6.100 Follower und prominente Komponenten wie der DocumentServer (1.676 Sterne) und DesktopEditors (415 Sterne) zeigen das Interesse. Doch technisch hakt es noch. Euro-Office benötigt einen separaten Dokumentenserver, die Integration mit Plattformen wie Nextcloud fehlt – ein Problem, das Konkurrenten wie Collabora Online längst gelöst haben. Auch Standard-Linux-Pakete (.deb, .rpm) sind noch nicht verfügbar, und der integrierte App-Store funktioniert in aktuellen Versionen nicht.
Wer sind die Konkurrenten?
Während Euro-Office auf den Enterprise-Einsatz vorbereitet wird – möglicherweise mit Partnern wie IONOS und Nextcloud – haben andere europäische Alternativen bereits einen festen Platz im Markt. Collabora Office mit Sitz in Deutschland und Großbritannien dominiert das Nextcloud-Ökosystem. LibreOffice aus Deutschland unterstützt 114 Sprachen, und das DSGVO-konforme FreeOffice ist ebenfalls im Rennen.
Während europäische Entwickler an neuen Office-Lösungen arbeiten, bietet diese bewährte Alternative bereits heute volle Kompatibilität zu Word und Excel – komplett ohne Lizenzgebühren. Das kostenlose LibreOffice Startpaket zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie sofort professionell und kostenlos arbeiten können. LibreOffice Startpaket gratis herunterladen
Ein wichtiger Meilenstein: Am 1. Juli 2026 veröffentlichte ownCloud die Version Web 12.5.0 mit funktionaler „Save-As“-Unterstützung für Collabora. Diese Version war die letzte eigenständige, bevor sie am 14. Juli in die ownCloud Infinite Scale (oCIS) integriert wurde. Die Botschaft ist klar: Speicherplattformen und webbasierte Editoren wachsen enger zusammen.
Performance-Tests zeigen zudem: OnlyOffice und seine Ableger bewahren Tabellenstrukturen und Änderungsverfolgung bei komplexen DOCX-Dateien oft besser als andere Open-Source-Lösungen – ein klarer Vorteil für Unternehmen mit hohen Formatierungsanforderungen.
Microsoft schaltet KI-Gang hoch
Die europäische Souveränitätsbewegung kommt nicht von ungefähr. Im Juli 2026 aktualisierte Microsoft Excel mit neuen Copilot-Funktionen: Inline-Zitate erlauben jetzt die Rückverfolgung KI-generierter Daten zu den Quelldateien. Zudem entfiel die bisherige Pflicht zur aktivierten AutoSave-Funktion bei der Nutzung von Copilot unter Windows und Mac.
Branchenbeobachter sehen darin einen Wendepunkt: KI-Tools wie Microsoft Copilot und Google Gemini werden vom Experiment zum essenziellen Enterprise-Bestandteil. Das verändert Berufsbilder und treibt die Nachfrage nach Weiterbildung. Gleichzeitig wächst bei datenschutzbewussten Organisationen der Wunsch nach souveränen Alternativen – getrieben durch Bedenken zur Datenhaltung und langfristigen Verfügbarkeit der Software.
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Für Nutzer, denen Kostenkontrolle wichtiger ist als KI-Features, gibt es weiterhin günstige Altversionen: Lizenzen für Microsoft Office Professional Plus 2019 waren Anfang der Woche für unter 20 Euro zu haben – ohne Abo-Zwang und mit Offline-Funktionalität.
Ausblick: Workshops und Events im August 2026
Die Open-Source-Community bereitet sich auf eine Reihe von Workshops im August vor, die das Thema digitale Autonomie vorantreiben sollen. Die Free Software Foundation startet am 6. August mit einem Fokus auf Reverse Engineering, gefolgt von LLM-Sicherheit am 8. August. Weitere Termine: GPG-Workshop am 14. August, Lizenz-Review am 15. August und eine Diskussion zu App-Stores am 16. August.
Diese Veranstaltungen dürften genau die Lizenz- und Souveränitätsfragen aufgreifen, die den aktuellen Konflikt zwischen Euro-Office und OnlyOffice prägen. Und auch im Desktop-Bereich tut sich was: Die Veröffentlichung von COSMIC Epoch 1.5 am 29. Juli 2026 brachte Verbesserungen bei der Compositor-Stabilität und GPU-Verarbeitung – ein weiteres Zeichen für die Innovationskraft der unabhängigen europäischen Software-Entwicklung.
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