Euro-Office 9.3.5.0: Kostenlose Office-Suite für Windows, Mac und Linux
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 08:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie quelloffene Bürosoftware Euro-Office erweitert ihren Aktionsradius und steht als Euro-Office Desktop Editors 9.3.5.0 in deutscher Sprachfassung kostenfrei für Windows, macOS sowie Linux zur Verfügung. Das Programmpaket vereint Anwendungen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen mit einem integrierten PDF-Editor. In einem Testbericht vom 23. Oktober 2026 bewertete das Fachportal CHIP die Anwendung als sehr gut.
Funktionsumfang und Anbindung an Cloud-Dienste
Die Desktop-Version setzt auf eine moderne Ribbon-Benutzeroberfläche mit Reiter-Navigation und ermöglicht die vollständige Offline-Nutzung. Das Programm zeichnet sich durch eine hohe Kompatibilität mit Microsoft-Dateiformaten wie DOCX, XLSX und PPTX sowie offenen Standards aus.
Neben dem reinen Offline-Betrieb bietet die Software optionale Anbindungen an Cloud-Speicherdienste wie Nextcloud, ownCloud und Seafile. Zusätzliche Funktionen lassen sich über Plugins und KI-Assistenten integrieren.
Während Euro-Office bislang vor allem als browserbasierte Lösung in Kombination mit Nextcloud bekannt war, richtet sich die Desktop-Suite vor allem an Privatanwender, Vereine sowie kleinere Betriebe, die ohne laufende Abonnements auskommen möchten. Für Anwender, die stark an die Infrastruktur von Microsoft 365 mit Diensten wie Teams, Outlook und Exchange gebunden sind, eignet sich das Paket laut Medienberichten dagegen weniger.
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Europäische Initiative für digitale Souveränität
Hinter Euro-Office steht eine europäische Kooperation. Der Internetdienstleister IONOS integriert die Open-Source-Suite in den Nextcloud Workspace. Wie ein Branchenbericht vom 23. Oktober 2026 hervorhob, wurde die Software vollständig in Europa entwickelt, finanziert und auf dortigen Servern unter strikter Einhaltung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung betrieben.
Entstanden ist das Vorhaben aus einer gemeinsamen Initiative von IONOS und Nextcloud, die unter anderem von Partnern wie Proton, XWiki und OpenProject unterstützt wurde. Die Entwicklung erfolgte ohne staatliche Fördergelder an Standorten in Berlin sowie im spanischen Logroño.
Der Quellcode der Software ist öffentlich einsehbar und unterliegt der freien Lizenz AGPLv3. Neben der Unterstützung von Makros und anspruchsvollen Layouts umfasst die Online-Ausführung von IONOS ein direktes Browser-Rendering zur gemeinsamen Bearbeitung in Echtzeit sowie Schnittstellen zu KI-Modellen über den konzerneigenen Hub. Als Zielgruppe nennt das Konsortium Behörden und regulierte Wirtschaftszweige mit hohen Souveränitätsanforderungen.
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Hintergründe zur Abspaltung und Debatte um Dateiformate
Die Software entstand als Abspaltung des Projekts ONLYOFFICE. Vorangegangen war die Aussetzung der achtjährigen Partnerschaft zwischen ONLYOFFICE und Nextcloud. Organisationen wie die Free Software Foundation sowie Bradley Kuhn von der Software Freedom Conservancy stützten den Schritt zur Abspaltung mit dem Verweis darauf, dass die AGPL-Lizenz derartige Forks ausdrücklich gestatte.
In der Open-Source-Gemeinschaft sorgte Euro-Office dennoch für Diskussionen. In einem offenen Brief vom 8. Juni bezeichnete die für LibreOffice verantwortliche Document Foundation das Projekt aufgrund der standardmäßigen Nutzung von DOCX als faktischen Verbündeten von Microsoft.
Die Entwickler von Euro-Office streben nach eigenen Angaben langfristig zwar die Etablierung des Open Document Formats (ODF) als Hauptstandard an; derzeit werden neue Dokumente jedoch standardmäßig als DOCX gespeichert, während erweiterte ODF-Optionen noch ausgearbeitet werden.
In Evaluierungen von Nextcloud schnitt die ODF-Unterstützung von Euro-Office bislang nur eingeschränkt ab, wobei Konkurrenzlösungen wie Collabora höhere Werte erzielten.
