Euro-Office 1.0 startet am 9. Juni: Europas Microsoft-365-Alternative
03.06.2026 - 04:50:43 | boerse-global.deAm 9. Juni 2026 startet mit Euro-Office 1.0 eine europäische Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace.
Die webbasierte Open-Source-Office-Suite soll europäischen Organisationen mehr Datenkontrolle und digitale Unabhängigkeit bieten. Entwickelt wird sie von einem breiten Konsortium, zu dem unter anderem IONOS, Nextcloud, Tuta, Proton, XWiki und OpenProject gehören. Auch Open-Xchange, Abilian und Soverin sind mit an Bord.
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Eine Suite aus europäischer Hand
Euro-Office basiert auf einem Fork von OnlyOffice und steht unter der AGPLv3-Lizenz. Die Suite umfasst einen Dokumenteneditor, eine Tabellenkalkulation, ein Präsentationswerkzeug sowie einen PDF-Editor – alle mit Echtzeit-Kollaboration. Gängige Formate wie DOCX, XLSX und PPTX werden ebenso unterstützt wie die OpenDocument-Formate ODT und ODS.
Das Besondere: Euro-Office ist keine reine Standalone-Lösung. Es soll tief in bestehende europäische Cloud-Ökosysteme integriert werden. Nextcloud plant die Einbindung in sein Hub-26-Release noch im Juni 2026. IONOS will seinen Managed-Nextcloud-Kunden im Sommer 2026 Zugang verschaffen. XWiki folgt voraussichtlich im vierten Quartal 2026.
Die erste Version erscheint ausschließlich webbasiert und wird auf GitHub verfügbar sein. Desktop- und Mobile-Apps sollen im Sommer 2026 folgen. Für die Integration in professionelle Arbeitsumgebungen ist ein Preis von rund zehn Euro netto vorgesehen.
Warum Europa jetzt handelt
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Die Ausgaben für Softwarelizenzen sind drastisch gestiegen: Deutschland gab 2025 rund 481 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus – ein Anstieg von 76 Prozent binnen zwei Jahren. Immer mehr öffentliche Einrichtungen steigen deshalb um.
Schleswig-Holstein etwa erwartet nach der Migration von rund 40.000 Beamten jährliche Einsparungen von 15 Millionen Euro. Frankreich hat angekündigt, bis 2027 rund 2,5 Millionen Staatsbedienstete von Plattformen wie Microsoft Teams und Zoom auf Alternativen wie Visio und Linux-basierte Systeme umzustellen.
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Laut einer IDC-Marktstudie nennen rund 45 Prozent der europäischen Organisationen geopolitische Instabilität als Hauptgrund für ihr wachsendes Interesse an digitaler Souveränität. Der Start von Euro-Office fällt zudem mit einem wichtigen politischen Schritt zusammen: Die EU-Kommission will noch heute den „Cloud and AI Development Act“ vorlegen.
Wettbewerb und offene Baustellen
Die europäische Initiative trifft auf einen Markt, der ebenfalls in Bewegung ist. Die Document Foundation (TDF) hat kürzlich eine Strategie für LibreOffice vorgelegt – mit Plänen für eine responsive Oberfläche und eine browsergestützte Version auf Basis von WebAssembly (WASM). OnlyOffice selbst hat Version 9.4 veröffentlicht, die unter anderem Mistral-KI für die mobile Textbearbeitung integriert.
Doch nicht alles einträchtig: Hinter den Kulissen schwelt ein Rechtsstreit mit OnlyOffice. Es geht um angebliche Verstöße gegen die AGPLv3-Lizenz sowie um Marken- und Namensrechte. Während einige Projektverantwortliche betonen, die Konflikte seien auf dem Weg der Lösung, widerspricht OnlyOffice – ein finales Abkommen gebe es noch nicht.
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