Euro-Office, Europas

Euro-Office 1.0: Europas Open-Source-Antwort auf Microsoft startet

09.06.2026 - 04:39:26 | boerse-global.de

Euro-Office 1.0 startet als Open-Source-Alternative zu Microsoft, wird aber von Kritik an der Vermarktung und Formatwahl begleitet.

Euro-Office 1.0: Europas Antwort auf Microsoft startet mit Konflikt
Euro-Office - Digital icons for documents, spreadsheets, and presentations interwoven with code and data, over a faint map of Europe. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die neue Open-Source-Alternative zu Microsoft Office kommt aus Europa – doch der Start wird von einem heftigen Streit mit der LibreOffice-Gemeinde überschattet.

Seit heute steht Euro-Office 1.0 als kostenloser Download auf GitHub bereit. Die browserbasierte Büro-Suite ist das Ergebnis einer europäischen Technologie-Allianz. Sie umfasst Editoren für Dokumente, Tabellen, Präsentationen und PDFs – und setzt auf Echtzeit-Zusammenarbeit. Entwickelt wurde sie auf Basis einer Abspaltung von OnlyOffice unter der AGPLv3-Lizenz.

Ein Bündnis für digitale Souveränität

Anzeige: Wer die Abhängigkeit von Microsoft-Office-Lizenzen reduzieren will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schritte für den Umstieg auf Euro-Office – inklusive ODF-Checkliste und Whitepaper zur digitalen Souveränität. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Hinter dem Projekt steht ein Konsortium europäischer Unternehmen: IONOS, Nextcloud, Eurostack, OpenProject, OpenXchange, XWiki und Tuta haben sich zusammengetan. Die Suite ist ab sofort auch in Nextcloud Hub 26 Spring integriert und über IONOS Managed Nextcloud verfügbar.

Desktop-Versionen für Windows, Mac und Linux sowie mobile Apps sollen in späteren Veröffentlichungen folgen. Der Fokus liegt zunächst auf der Browser-Nutzung – ein strategischer Schachzug, der auf die wachsende Nachfrage nach cloudbasierten Lösungen abzielt.

Scharfe Kritik von LibreOffice

Doch der Launch kommt nicht ohne Kontroversen. Einen Tag vor dem offiziellen Start veröffentlichte The Document Foundation (TDF), die Organisation hinter LibreOffice, einen offenen Brief. Darin attackiert sie die Vermarktung von Euro-Office als „erste europäische Open-Source-Büro-Suite".

TDF weist darauf hin, dass OpenOffice.org bereits 2001 in Europa gegründet wurde und LibreOffice 2010 folgte. Der Vorwurf wiegt schwer: Euro-Office betreibe „Geschichtsklitterung".

Der Format-Streit: OOXML gegen ODF

Der eigentliche Konfliktpunkt ist technischer Natur. Euro-Office setzt vorrangig auf Microsofts OOXML-Format (DOCX, XLSX, PPTX). TDF sieht darin einen fatalen Fehler: Die Suite agiere als „Freeware-Klon", der Microsofts Marktdominanz eher stärke als schwäche. Nur das offene ODF-Format (Open Document Format) biete echte digitale Unabhängigkeit.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der CEO von Nextcloud kündigte an, dass die nächste Version von Euro-Office volle ODF-Unterstützung bieten werde. Man setze auf hohe Kompatibilität mit Microsoft-Formaten, um den Umstieg für bestehende Nutzer zu erleichtern.

Rechtliche Querelen und offene Fragen

Kompliziert wird die Lage zusätzlich durch rechtliche Spannungen. OnlyOffice hat Lizenzverletzungen im Zusammenhang mit der Nutzung seines Codes beanstandet. Vertreter von Nextcloud wiesen die Vorwürfe öffentlich zurück.

Europas Weg aus der digitalen Abhängigkeit

Der Start von Euro-Office fällt in eine Zeit politischer Weichenstellungen. Erst im Juni 2026 brachte die EU-Kommission ein Tech-Souveränitäts-Paket auf den Weg. Es sieht unter anderem ein Klassifizierungssystem für Cloud-Anbieter nach Datenkritikalität vor.

Der Draghi-Report aus dem Jahr 2024 hatte alarmierende Zahlen geliefert: 80 Prozent der in Europa genutzten digitalen Produkte stammen von ausländischen Anbietern. Die Reaktion folgt nun auf mehreren Ebenen:

Anzeige: Die EU-Kommission treibt die digitale Souveränität voran – doch viele KMU sind noch unsicher, wie sie ODF-kompatibel werden. Dieser Report liefert eine konkrete Checkliste und zeigt, wie Sie mit Euro-Office Ihre Abhängigkeit von Microsoft-Formaten reduzieren. ODF-Checkliste jetzt sichern

  • Das EU-Parlament wechselte zur Suchmaschine Qwant
  • Die französische Verwaltung setzt auf LaSuite
  • Die niederländische Regierung migriert von GitHub

Analysten erwarten, dass der geplante Cloud and AI Development Act (CADA) der EU-Kommission den Trend weiter beschleunigen wird. Indem der Staat als Ankerkunde für europäische Software auftritt, könnte sich der Markt nachhaltig verändern.

Ob Euro-Office diesen Anspruch einlösen kann, wird sich zeigen. Der Streit mit LibreOffice zeigt jedenfalls: Der Weg zur digitalen Souveränität ist nicht nur technisch, sondern auch politisch steinig.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69504615 |