Euro-Office, Europas

Euro-Office 1.0: Europas Open-Source-Alternative zu Microsoft

13.06.2026 - 19:06:35 | boerse-global.de

Europäisches Konsortium launcht mit Euro-Office 1.0 eine Open-Source-Suite als Gegenentwurf zu US-Produktivitätsplattformen.

Euro-Office 1.0: Europas Open-Source-Antwort auf Microsoft 365
Euro-Office - A glowing EU flag symbol over a computer screen showing generic document, spreadsheet, and presentation software interfaces in a modern office. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

0 eine souveräne Open-Source-Alternative zu den dominierenden US-Produktivitätsplattformen veröffentlicht. Die browserbasierte Suite für Dokumente, Tabellen und Präsentationen markiert einen wichtigen Schritt in der EU-Strategie zur Verringerung der Abhängigkeit von amerikanischen Softwareanbietern.

Ein Konsortium für digitale Souveränität

Die Entwicklung von Euro-Office wird von einem breiten Bündnis europäischer Unternehmen getragen. Dazu gehören Nextcloud, IONOS, Eurostack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian, BTactic und Open-Xchange. Die Suite ist in Plattformen wie Nextcloud Hub 26 und Proton Docs integriert, wobei die Host-Plattform jeweils Speicherung und Dateifreigabe übernimmt.

Anzeige: Wer die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern reduzieren will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Schritte zur Migration auf Euro-Office – inklusive Kostenvergleich und Sicherheitsaudit. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Technisch basiert Euro-Office auf OnlyOffice, einer Produktivitätssuite mit Ursprüngen in Russland. Die Entscheidung zur Abspaltung des Codes begründeten die Koalitionsmitglieder mit begrenzten externen Beiträgen zum Originalprojekt und sich ändernden geopolitischen Rahmenbedingungen. Die Software steht unter der AGPLv3-Lizenz.

Erste Nutzerberichte zeigen jedoch, dass in der stabilen Version noch OnlyOffice-Markenzeichen sichtbar sind. Auch die Benutzeroberfläche weist veraltete Menüs und teils komplexe Konfigurationsoptionen auf. Branchenbeobachter bezeichnen die aktuelle Version daher eher als technische Vorschau denn als ausgereiftes Verbraucherprodukt.

Streit um Dateiformate spaltet Open-Source-Gemeinde

Ausgerechnet das Ziel digitaler Souveränität hat eine Debatte innerhalb der Open-Source-Community entfacht. Euro-Office 1.0 verwendet Microsofts Office Open XML (OOXML) als Standardformat – eine Entscheidung, die der Kompatibilität bei Migrationen von proprietären Systemen dienen soll.

Scharfe Kritik kommt von der Document Foundation, der Organisation hinter LibreOffice. Deren Vertreter argumentieren, dass die Bevorzugung von OOXML gegenüber dem offenen Open Document Format (ODF) Microsofts Marktdominanz weiter zementiere. Wahre Souveränität erfordere die Kontrolle über Dateistandards, nicht nur über den Standort der Server.

Nextclouds Christoph Weissthaner räumte die Hürden ein, die proprietäre Formate schaffen. Das Projekt wolle die ODF-Unterstützung jedoch schrittweise verbessern. In einem künftigen großen Update soll ODF dann zum Standard werden.

Sicherheitsprüfung und öffentliche Aufträge

Die Abhängigkeit von Code aus russischen Zeitzonen – Schätzungen zufolge stammen mehr als 98 Prozent der Dokumenten-Engine aus dieser Quelle – hat Sicherheitsbedenken ausgelöst. Nextcloud kündigte an, den Code einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, um die EU-Sicherheitsstandards zu erfüllen.

Das öffentliche Interesse ist bereits spürbar. Die Stadt München plant, bis 2027 rund 5.000 Mitarbeiter auf die Suite umzustellen. Ein dreijähriges Förderpaket in Höhe von zwölf Millionen Euro unterstützt das Vorhaben. In der ersten Woche nach der Veröffentlichung wurde die Software mehr als 80.000 Mal heruntergeladen.

Anzeige: Öffentliche Verwaltungen, die Compliance-Risiken durch US-Datenschutzgesetze vermeiden müssen, brauchen jetzt einen klaren Fahrplan für den Umstieg auf Euro-Office. Dieser Leitfaden liefert eine Migrations-Checkliste und eine Sicherheitsprüfung des Open-Source-Codes. Euro-Office-Umstiegsleitfaden jetzt sichern

Ausbaupläne und kommerzielle Verfügbarkeit

Aktuell ist Euro-Office über spezifische Integrationen wie Nextcloud Hub 26 Spring nutzbar. Die Koalition arbeitet daran, die Reichweite zu vergrößern. IONOS will die Integration bis Spätsommer 2026 abschließen, XWiki soll im vierten Quartal folgen. Für Organisationen, die verwaltete Lösungen bevorzugen, steht unter der Domain Office.eu ein kommerzieller Hosting-Dienst bereit.

Die Veröffentlichung von Euro-Office reiht sich ein in andere europäische Bestrebungen, die Abhängigkeit von US-Technologie zu verringern. Das Europäische Parlament nutzt bereits die Suchmaschine Qwant, die niederländische Regierung hostet Code in eigenen Repositories statt auf GitHub. Ob die Strategie der „pragmatischen Kompatibilität" tatsächlich Nutzer von den etablierten US-Cloud-Suiten abziehen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

de | wissenschaft | 69535246 |