Euro-Office, Europäisches

Euro-Office 1.0: Europäisches Büro-Paket gegen Microsoft und Google

13.06.2026 - 01:12:09 | boerse-global.de

Europäisches Konsortium launcht browserbasierte Office-Alternative zu Microsoft und Google. Erste Erfolge und technische Debatten begleiten den Start.

Euro-Office 1.0: Europäische Büro-Suite gegen US-Tech-Riesen
Euro-Office - Stylized EU flag with binary code, representing European digital sovereignty and software independence. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein europäisches Software-Bündnis will die Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen brechen – und stellt ab sofort eine browserbasierte Büro-Suite bereit.

Am 9. Juni 2026 veröffentlichte ein Zusammenschluss europäischer Software-Unternehmen Euro-Office 1.0 – eine webbasierte Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace. Das Projekt basiert auf DocumentServer 9.3.1 und richtet sich gezielt an öffentliche Einrichtungen und Unternehmen in der EU. Die Botschaft ist klar: Digitale Souveränität statt Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern.

Ein breites Bündnis für die Unabhängigkeit

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Hinter Euro-Office steht ein Konsortium aus namhaften europäischen Firmen: Nextcloud, IONOS, OpenProject, XWiki sowie Soverin, Abilian und Open-Xchange. Die Suite ist ein Fork von ONLYOFFICE und wird unter der AGPLv3-Lizenz vertrieben. Nutzer können Textdokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen direkt im Browser bearbeiten – ohne Installation, ohne Cloud-Zwang aus Übersee.

Bereits seit dem 10. Juni 2026 ist Euro-Office in Nextcloud Hub 26 Spring integriert. Das Projekt reiht sich ein in eine wachsende Bewegung: Frankreich verbot im Januar 2026 nicht-europäische Videokonferenz-Plattformen und stellt Millionen Arbeitsplätze auf Linux um. Die Stadt München plant, bis Anfang 2027 rund 5.000 Mitarbeiter auf Euro-Office umzustellen – unterstützt durch ein 12-Millionen-Euro-Förderpaket über drei Jahre. Schleswig-Holstein macht es vor: Dort spart das Land durch die Migration von 30.000 Arbeitsplätzen auf Open-Source-Lösungen angeblich 15 Millionen Euro pro Jahr.

Streit um Dateiformate und Code-Herkunft

So sehr die Idee der digitalen Unabhängigkeit verfängt – technisch steht Euro-Office in der Kritik. In einem offenen Brief Anfang Juni argumentierte Italo Vignoli von The Document Foundation (LibreOffice), dass die Entscheidung, Microsofts OOXML-Formate (DOCX, XLSX, PPTX) als Standard zu setzen, die angestrebte Souveränität untergrabe. Kritiker sprechen von einem „Content Lock-in", der letztlich den US-Anbietern nütze.

Das Entwicklungsteam kontert: OOXML-Kompatibilität sei eine notwendige Brücke, um den Umstieg für Behörden zu erleichtern, die tief in Microsoft-Ökosystemen verankert sind. Das offene ODF-Format wird zwar unterstützt, Nextcloud zufolge soll es aber in künftigen Versionen zum Standard werden.

Ein weiterer Dämpfer: Eine technische Analyse vom 11. Juni 2026 ergab, dass über 98 Prozent des Dokumenten-Engine- und Live-Service-Codes von Entwicklern aus russischen Zeitzonen stammt – ein Erbe des ONLYOFFICE-Forks. Von rund 184 eigenständigen Änderungen des europäischen Konsortiums stehen mehrere hundert aus dem Ursprungsprojekt gegenüber. Zudem wurden Sicherheitsbedenken wegen eines Android-Bundles laut, das mit einer unbekannten Cloud-Ressource verknüpft war.

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Erste Erfolge und ehrgeizige Pläne

Trotz der Kontroversen: Die Nachfrage ist da. In der ersten Woche verzeichnete Euro-Office rund 80.000 Downloads. Auf GitHub sammelte das Projekt bis zum 12. Juni knapp 1.500 Sterne.

Das Konsortium treibt die Integration weiter voran. Im Sommer 2026 soll Euro-Office in IONOS Managed Nextcloud und Nextcloud Workspace Einzug halten. Nextcloud betont, der Code sei bereinigt und Sicherheitsupdates seien eingespielt worden. Langfristig sind auch dedizierte Desktop- und Mobile-Clients geplant – der nächste Schritt, um den globalen Platzhirschen ernsthaft Paroli zu bieten.

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