Euro-Office, Europäische

Euro-Office 1.0: Europäische Suite mit 98,6% russischem Code

11.06.2026 - 22:46:43 | boerse-global.de

Das neue Büropaket Euro-Office steht wegen OOXML-Fokus und russischer Code-Herkunft in der Kritik. Die Entwickler versprechen Besserung.

Euro-Office 1.0: Kontroversen um Herkunft und Dokumentenstandards
Euro-Office - Ein stilisiertes Dokumentensymbol mit europäischem Sternenkreis, umgeben von Binärcode und Datenströmen, symbolisiert einen Formatkrieg. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

0 sorgt für heftige Diskussionen im europäischen Technologiesektor. Das als regionale Alternative zu US-Cloud-Diensten positionierte Büropaket steht bereits in der Kritik – und das von unerwarteter Seite.

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Streit um Dokumentenstandards

Der Hauptkonflikt entzündet sich an der Entscheidung, Microsofts Office Open XML (OOXML) – also .docx, .xlsx und .pptx – als Standardformat zu setzen. Die Document Foundation, die hinter LibreOffice steht, kritisiert dies scharf. Ein wirklich europäisches Büropaket müsse das Open Document Format (ODF) priorisieren, um echte Unabhängigkeit von proprietären Ökosystemen zu gewährleisten.

Italo Vignoli, Mitbegründer von LibreOffice, warnt vor einem Risiko für die europäische digitale Autonomie. Seiner Einschätzung nach fungiere die Software durch die OOXML-Voreinstellung als Türöffner für die Marktdominanz etablierter US-Anbieter. Zudem stellen Vignoli und andere Kritiker die Behauptung infrage, Euro-Office sei das erste europäische Open-Source-Büropaket – Projekte wie OpenOffice und LibreOffice existieren schließlich seit Jahrzehnten.

Das Entwicklungsteam von Euro-Office reagierte: ODF-Unterstützung werde in künftigen Updates priorisiert. Derzeit fehlen jedoch administrative Einstellungen, um ODF zu erzwingen. Mobile Bearbeitungskomponenten blockieren sogar das Speichern im offenen Standard.

Technische Herkunft wirft Fragen auf

Euro-Office 1.0 entstand als Fork von OnlyOffice 9.3.1 – ein Schritt, der einen europäisch geführten Entwicklungspfad etablieren sollte. Doch eine aktuelle technische Analyse von Cybernews wirft Fragen auf.

Das Ergebnis: 98,6 Prozent der Dokumenten-Engine und 99,2 Prozent des Live-Service-Codes stammen von Entwicklern aus russischen Zeitzonen. Nur 0,5 Prozent der Beiträge kommen aktuell von europäischen Autoren. Diese Zahlen befeuern Diskussionen über die Sicherheit des Pakets und seine behauptete europäische Herkunft. Sicherheitsforscher meldeten zudem Bedenken wegen eines Android-Bundles aus unbekannter Cloud-Quelle.

Der Wechsel zu Euro-Office folgte einem Lizenzstreit mit OnlyOffice. Im April 2026 entschied die Free Software Foundation zugunsten des Euro-Office-Projekts – der Weg für die stabile Version war frei.

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Integration und Branchenunterstützung

Trotz der Kontroversen erhält Euro-Office breite Unterstützung. Das Paket ist eine Gemeinschaftsarbeit von Nextcloud, IONOS, Open-Xchange, Proton und OpenProject.

Bereits am 10. Juni 2026 wurde die Software in Nextcloud Hub 26 Spring integriert. Nutzer erhalten eine produktionsreife Online-Suite mit Governance-Tools, Sensitivity Labels und einem Compliance-Manager. Der aktualisierte Hub enthält zudem einen Assistenten, der den Anforderungen des EU AI Act entspricht.

IONOS will im Sommer 2026 folgen und die Suite in seine Managed Services einbinden. Anders als klassische Desktop-Anwendungen ist Euro-Office primär als webbasierte Komponente für Cloud-Plattformen konzipiert. Die Roadmap sieht jedoch die Entwicklung dedizierter Desktop- und Mobile-Clients vor – der Weg aus dem Browser hinaus ist bereits geplant.

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