Euro-Office, Europäische

Euro-Office 1.0: Europäische Office-Suite zu 98% von russischem Code

11.06.2026 - 18:25:53 | boerse-global.de

Die neue europäische Bürosoftware Euro-Office basiert zu über 98 Prozent auf russischem Code und gerät wegen der Nutzung von Microsofts OOXML-Format in die Kritik.

Euro-Office 1.0: Russische Codebasis und Streit um Standards
Euro-Office - A glowing circuit board with lines of code, overlaid on an abstract map of Europe and Russia, symbolizing digital sovereignty. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die neue Bürosoftware entpuppt sich als technisch abhängig von russischem Code – und sorgt für Streit um Dokumentenstandards.

Massive Abhängigkeit von russischer Codebasis

Am 9. Juni 2026 startete Euro-Office 1.0 als europäische Antwort auf Microsoft Office und Google Workspace. Doch eine technische Analyse zeigt: Das Versprechen digitaler Souveränität ist brüchig. Die Software basiert auf einem Fork von OnlyOffice 9.3.1 – und 98,6 Prozent der Dokumenten-Engine sowie 99,2 Prozent der interaktiven Dienste stammen von Entwicklern aus russischen Zeitzonen wie Moskau, Omsk oder Samara.

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Seit der Abspaltung hat das Euro-Office-Team lediglich 184 eigene Code-Änderungen beigesteuert. Gleichzeitig wurden rund 370 Änderungen aus dem ursprünglichen OnlyOffice-Projekt übernommen. Kritiker warnen: Die Software bleibe anfällig für Modifikationen aus ihrer russischen Hauptquelle.

Streit um Dokumentenstandards

Die Document Foundation, die Organisation hinter LibreOffice, geht noch weiter. Sie wirft Euro-Office vor, de facto Microsofts Position zu stärken. Der Grund: Euro-Office verwendet Microsofts OOXML-Format als Standard – nicht das offene Open Document Format (ODF).

„Das untergräbt die europäische digitale Souveränität“, so die Kritik. Administrative Einstellungen zur Durchsetzung von ODF fehlen, und die mobilen Editoren blockieren das Speichern im ODF-Format sogar komplett.

Die Document Foundation stellt zudem die Marketingaussage infrage, Euro-Office sei die erste europäische Open-Source-Bürosuite. OpenOffice.org und LibreOffice hätten europäische Wurzeln, die bis 2001 beziehungsweise 2010 zurückreichen. Das Euro-Office-Konsortium verspricht: Bessere ODF-Unterstützung soll mit einem Update kommen.

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Konsortium und Ausbauplan

Hinter Euro-Office stehen zwölf europäische Unternehmen und Organisationen – darunter Nextcloud, IONOS, Eurostack, XWiki, Tuta, Proton und OpenProject. Die Entwicklung wurde mit zwölf Millionen Euro gefördert.

Die Integration läuft bereits auf mehreren Plattformen:

  • Nextcloud: Euro-Office ist seit dem 9. Juni 2026 in Nextcloud Hub 26 integriert
  • IONOS: Der Anbieter will die Integration bis Spätsommer 2026 abschließen
  • Öffentlicher Dienst: München plant die Migration von rund 5.000 Mitarbeitern bis Anfang 2027

Die unter AGPLv3 lizenzierte Suite ermöglicht browserbasiertes Bearbeiten von Dokumenten, Tabellen, Präsentationen und PDFs. Mobile und Desktop-Apps sind noch in Entwicklung. Das Interesse ist enorm: Über 80.000 Downloads in der ersten Woche.

Doch es gibt auch Sicherheitsbedenken. Analysten entdeckten ein Android-Paket, das mit einer unbekannten Cloud-Quelle verknüpft ist. Das Projekt betont weiterhin seinen Anspruch, eine sichere Open-Source-Alternative für europäische Nutzer zu bieten.

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